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Norddeutsche Rundschau

20. September 2017 | 18:34 Uhr

Jazz-Design : Wandregal trifft Wohnzimmer-Jazz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Glückstädterin Anne Römer verbindet nachhaltiges Möbeldesign mit lauschigen Konzerten im kleinen Kreis

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Möbel und Musik – bisher war diese Kombination höchstens im Zusammenhang mit Hifi-Regalen oder CD-Ständern zu finden. Doch Anne Römer (40) hat genau diese zwei Dinge zum Anlass genommen, um sich selbstständig zu machen. „Jazz-Design“ heißt ihr Konzept, bei dem sie Wohnzimmer-Konzerte mit nachhaltigem Möbeldesign verbindet.

Wie das zusammen passt? Wunderbar – meint zumindest die Wahl-Glückstädterin. Denn schon seit ihrer Studienzeit ziehen sich Musik und Design wie zwei rote Fäden durch ihr Leben. Es fing an mit einem Musikpädagogik-Studium in Köln, das sie jedoch vorzeitig beendete. „Das war einfach nichts für mich.“ Schon damals spielte Anne Römer Querflöte und Klavier und war als Sängerin tätig. Als sie anschließend in London begann, Möbeldesign an einer Universität zu studieren, an der auch Instrumentenbauer ausgebildet wurden, war es für sie ein echter Glücksgriff. „So hatte ich trotzdem immer die Musik bei mir.“

Obwohl sie mit dem Design-Studium den richtigen Beruf gefunden hatte, sattelte sie noch eine Ausbildung zur Tischlerin obendrauf. „Mir fehlte im Studium ein bisschen die Praxis, ich brauche einfach den Bezug zum Material.“ Und den fand sie bei ihrer Arbeit in der Tischlerei – obwohl sie eigentlich gar kein Holz mochte. „Holz hatte für mich immer so etwas Altbackenes an sich.“ Mittlerweile muss sie darüber lachen. „Die Ausbildung hat meine Einstellung dazu total verändert. Ich habe dann meine Liebe zum Holz entdeckt.“

Nachdem sie ein paar Jahre in kleinen Tischlereien in London gearbeitet hatte, kam 2008 der Börsencrash. „Viele Tischlereien mussten zumachen, darunter auch meine.“ Sie und ihr Mann Henrik beschlossen, zusammen mit ihren beiden Söhnen wieder nach Deutschland zu ziehen. Dass sie 2010 in Glückstadt landeten, verdanken sie einer Freundin. „Sie hat uns damals erzählt, wie schön es hier ist und dass es hier eine tolle Schule gibt.“ Für ihren Mann als Lehrer war das der entscheidende Anstoß für den Umzug in die Elbestadt – heute arbeitet er am Detlefsengymnasium.

Für Anne Römer war die Suche nach einem Job schon schwieriger. „Außer bei Ikea gibt es nicht viele Stellen für Möbeldesigner – und die brauchen ja immer nur einen oder zwei.“ Sie beschloss, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Idee: Holzregale in nachhaltigem Design. Statt teures Holz zu kaufen und damit die Umwelt zu belasten, verwendet sie Holz, dass sie aus Tischlereiabfällen bekommt, auf dem Sperrmüll sammelt oder das aus nachhaltig hergestellten Werkstoffen hergestellt ist. Aus den Teilen baut sie in ihrer Werkstatt Regalsysteme, die entweder freistehen oder an die Wand gehängt werden können.

Außerdem bietet die 40-Jährige sogenannte Wohnzimmer-Konzerten an – kleine, intime Musik-Sessions mit höchstens 80 Gästen, bei denen der enge Kontakt zum Künstler im Vordergrund steht. Mit Eigenkompositionen und E-Piano reicht ihr Repertoire von Jazz bis hin zu elektronischer Musik wie dem Trip-Hop oder Arrangements bekannter Komponisten wie Kurt Weill.

Ihre Möbel nimmt sie zu diesen Konzerten oft mit, um sie dort auszustellen. Genau wie bei den Konzerten steht auch dabei die Einzigartigkeit im Vordergrund. „Ich mache aus den Sachen immer das, was mir gerade dazu einfällt.“ Als Letztes hat sie ein altes CD-Regal einer Freundin in ein dreidimensionales Designer-Stück verwandelt. Jedes Regal ist ein Unikat, dass man garantiert in keinem Wohnzimmer noch einmal findet. Vielleicht ein Relikt aus ihrer Londoner Zeit. „Dort gibt es viele kleine Tischlereien, die ihre Sachen alle mit viel Liebe zum Detail machen – nicht so eine Massenproduktion wie hier in Deutschland.“

> Zu sehen sind Anne Römers Möbel ab dem 26. April im Krankenhaus in Elmshorn. Weitere Infos auf ihrer Homepage unter www.jazz-design.de

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