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Karitative Aktion : Wanderung für Kinder in Not

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Burkhard Schrempp sammelt nach einem Schicksalsschlag Spenden für Kinder-Rehakliniken.

shz.de von
erstellt am 01.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Weit über 2000 Kilometer war Burkhard Schrempp (54) gewandert, als er am Montagmittag in der Itzehoer Innenstadt ankam und erstmal einkaufte. Der Schwarzwälder befindet sich auf einer ungewöhnlichen Reise: Von seiner Heimatstadt Lahr bei Freiburg ist er kreuz und quer durch sämtliche Bundesländer bis nach Husum gelaufen, wo sein Vater wohnt. Jetzt ist er wieder auf dem Rückweg. Warum Schrempp all das macht? Vor elf Jahren starben seine Frau und sein elfjähriger Sohn bei einem Autounfall, seine Tochter (damals 13 Jahre alt) wurde schwer verletzt und musste 16 schwere Operationen über sich ergehen lassen. Besonders bei der Rehabilitierung hat ihr eine Klinik in Gailingen am Hochrhein geholfen. Daher auch Schrempps Motivation: Die Reise von Lahr bis nach Husum und zurück macht er, um Geld für Reha-Kinderkliniken zu sammeln.

„Ich habe mitbekommen, wie Kinder ihre Reha abbrechen mussten, weil zum Beispiel Versicherungen nicht mehr zahlten“, sagt Schrempp. Mit dem gesammelten Geld solle geholfen werden, dass die Kinder ihre Behandlung fortsetzen können. Schrempp selbst musste seine Tochter drei Jahre lang zu Hause pflegen und seinen Job als Kachelofen-Verkäufer aufgeben. Er ist voller Dankbarkeit für die Klinik, die ihr helfen konnte. Heute hat seine Tochter das Schlimmste überstanden. „Wenn der Arzt von damals was braucht, bin ich da. Meine Tochter hatte eine Nackenwirbel-OP, ihr Fuß war kaputt. Sie musste alles von der Pike auf neu lernen“, sagt der 54-Jährige. Die Spenden sammelt er unterwegs in den Städten ein. Er war unter anderem in Köln, im Ruhrgebiet, in Münster und in Bremen. Sein Rückweg führt ihn über Hannover, Kassel und Wiesbaden zurück in Richtung Schwarzwald. An Reha-Kliniken in Bad Kreuznach und auf Amrum hat Schrempp bereits Geld übergeben, eine weitere in Saarbrücken und eben jene in Gailingen sollen folgen.

Die Idee mit der Wanderung kam Schrempp im Oktober 2016, als er gerade selbst für drei Monate in Behandlung war: Seine Psyche hatte noch mit dem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen. Der Unfallverursacher, der seine Frau und Sohn totgefahren hatte, sei in den Baumarkt gekommen, in dem er arbeitete und habe sich über ihn lustig gemacht – daraufhin sei er fast ausgerastet. Laut Schrempp wäre der Mann drogenabhängig und hätte für die Tat nur zwei Jahre auf Bewährung bekommen.

Von seinem Arbeitgeber wurde der Schwarzwälder für die 250-tägige Reise freigestellt. Begeistert ist Schrempp von der Herzlichkeit, mit der ihm die Menschen begegnen: „Das hätte ich nie gedacht, dafür will ich auch Danke sagen. Nach der Geburt meiner Kinder ist das das Schönste, was mir passiert ist.“ Es gebe überall sehr viel Anteilnahme, die Leute lassen ihn bei sich zu Hause übernachten oder in ihren Gärten zelten. In Husum schenkte ein Mann ihm ein Paket mit Essen: „Meine Frau hat gesagt, du sollst nicht verhungern“, habe er bei der Übergabe zu Schrempp gesagt. Ein anderes Mal ließ der Wanderer sich in einer Kneipe von einem Mann den Weg nach Pirmasens erklären, wenig später rief dieser ihn auf dem Handy an und lud ihn für eine Nacht zu sich nach Hause ein – seine Kinder wollten Schrempp kennenlernen. Besonders berührend: Für die Reha-Kliniken spendeten sie Geld aus ihren Sparbüchsen.

Ursprünglich hatte der Schwarzwälder mit insgesamt 4000 Kilometern Wanderung gerechnet – es werden wohl eher 5000. „Ich habe das unterschätzt, man verläuft sich auch mal“, sagt er. Navigiert wird meist mit einer Karte. 20 bis 25 Kilometer schafft er am Tag. Als er mal nicht schlafen konnte, seien es aber auch schon mal 60 geworden. Viermal habe ihn die Polizei bislang angehalten, weil er in Naturschutzgebieten unterwegs war oder Anwohner sich über ihn gewundert hätten. Sehenswürdigkeiten bereichern seine Wanderung: Der Kölner Dom, die Burg Eltz, der Limesweg oder die Loreley. „Deutschland ist ein Traumland“, sagt Schrempp. Er freut sich schon auf die anderen Sehenswürdigkeiten, die er in seinem ADAC-Atlas angekreuzt hat und auf dem Rückweg zu seiner Tochter in den Schwarzwald besuchen wird.


> Mehr Informationen über die Rehaklinik Gailingen:

hegau-jugendwerk.de

 

 

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