Wanderin : Wandern für guten Zweck

Sportlehrerin Manuela Eckhardt will in 49 Tagen von Sylt bis zur Zugspitze laufen und hält in Glückstadt.
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Sportlehrerin Manuela Eckhardt will in 49 Tagen von Sylt bis zur Zugspitze laufen und hält in Glückstadt.

Manuela Eckhardt läuft von Sylt bis zur Zugspitze / 35-Jährige will Erdbebenopfern helfen

shz.de von
10. Juli 2015, 17:19 Uhr

Füße vertreten sieht für Extremsportler so aus: Rucksack packen, Laufschuhe anziehen und los geht es zum 1500-Kilometer-Marsch von Sylt bis zur Zugspitze. Exakt das ist Manuela Eckhardts Plan.

Mit ihrer Ankunft in Glückstadt am Mittwochnachmittag hat die 35-Jährige diesen zu gut 17 Prozent in die Tat umgesetzt: Als sie die Pension von Reinhard Bührens erreicht, haben die Schuhsohlen der Bielefelder Lehrerin sie bereits 260,5 Kilometer über Asphalt und Deichwege getragen. Noch bis zum Harz muss die Fußbekleidung durchhalten. Erst dann steht ein Wechsel an, und es geht weiter gen Süden mit gut profilierten Wanderstiefeln.

Manuela Eckhardt bewegt sich mit einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von zwei Litern auf 30 Kilometer durchs Land. Zur Ausstattung, die im Zehn-Kilo-Marschgepäck Platz findet, gehören neben Power-Riegeln, Wäsche und Kulturtasche auch ein GPS-System, Tablet-PC und eine Spendendose. Letztgenanntes Utensil verrät, dass der Aufwand, den die Wandersfrau betreibt, weder umsonst noch eigennützig ist, obwohl genau das eigentlich das Ziel der halbjährigen Auszeit sein sollte, die sich die Pädagogin in diesen Tagen gönnt: nach zehn Jahren Unterricht in den Fächern Sport, Politik und Musik einfach mal bedingungslos nur für sich selbst da sein.

Die Erkundungstour durch das eigene Land war dabei als eine Art Lückenfüller gedacht, um die Wartezeit bis zur Urlaubsreise nach Nepal zu verkürzen, die im Oktober ansteht. Eigentlich. Denn als kurz nach der Buchung des Urlaubstrips im vergangenen Jahr dann das Urlaubsziel durch ein schweres Erdbeben schwer getroffen wurde, beschloss Eckhardt den „Ich-lauf-zum-Spaß-durch-Deutschland-Marsch“ zum Spendenlauf umzufunktionieren.

Die gute Vorbereitung trägt die ersten Früchte. Mit Abschluss der Glückstadt-Etappe weist der Reiseblog www.wandern-durchs-land.de einen Spendenstand von 778,51 Euro aus. Dort veröffentlicht die Lehrerin nun auch tagtäglich Texte und Fotos über Erlebnisse und Begegnungen.

Viele Menschen wollen wissen, wohin es die Rucksack-Touristin zieht. Bei den Reaktionen, die auf die Antwort folgen, scheiden sich die Geschlechter: „Während die Frauen aus dem Staunen gar nicht mehr rauskommen, mehr wissen wollen und fasziniert zuhören, übernehmen die Männer öfter mal die Gesprächsführung und erörtern, welch Höchstleistungen sie selbst schon absolviert haben“, erzählt Manuela Eckhardt amüsiert. „Ein Mann zum Beispiel hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr nach der Tour de France die Strecke selbst mit dem Fahrrad abzufahren. Dem männlichen Geschlecht scheint es nicht geheuer zu sein, dass eine zierliche Frau wie ich eine solche Hammertour allein bewältigt.“

Die Einsamkeit hat spätestens im Großraum Hannover zumindest kurzzeitig ein Ende. Zwei Arbeitskollegen haben sich angemeldet, die Auszeitsportlerin, eine Etappe lang zu begleiten. Mit dem Ende der Reise Mitte August will Manuela Eckhardt ein eigenes Wanderbuch herausbringen. Dafür sucht sie noch einen Verlag.

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