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Lauf für das Leben : Wanderer mit klarer Botschaft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Johannes Kowalewski läuft von Büsum nach Leipzig, um auf seine seltene Erbkrankheit aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. In Itzehoe machte er Station.

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 05:09 Uhr

Eine Wanderung von 733 Kilometern einmal von der Nordseeküste bis nach Leipzig – Johannes Kowalewski hat sich viel vorgenommen für die kommenden Wochen. Doch der Itzehoer ist motiviert, denn er will mit seiner Reise zu Fuß quer durch Deutschland etwas erreichen: Kowalewski will auf die seltene Krankheit Hippel-Lindau (VHL, siehe Info-Kasten) aufmerksam machen und Spenden für medizinische Forschung sammeln.

Der 25-jährige Student der Biochemie leidet selbst an der Tumorerkrankung, ist auf einem Auge erblindet und hatte bereits Tumore an der Nebenniere. Regelmäßig muss er sich Untersuchungen unterziehen, damit neue Tumore rechtzeitig entdeckt werden. Seine Mutter und seine Großmutter litten ebenfalls an der Krankheit. „VHL zieht sich durch unsere Familie“, sagt Kowalewski. Er selbst musste mit zehn Jahren eine Odyssee in Krankenhäusern und bei Ärzten ertragen, bis die richtige Diagnose gefunden wurde. Das Problem: VHL ist nicht nur selten, der Krankheitsverlauf ist auch von Patient zu Patient höchst unterschiedlich. „Und da die Beschwerden oft auch auf andere Krankheiten hindeuten, dauert es oft lange, bis VHL erkannt wird“, sagt Kowaleski. Diese Phase der Unsicherheit sei „keine schöne Zeit“ für ihn gewesen, weshalb er mehr Aufmerksamkeit für die Krankheit erzeugen möchte. „Es würde helfen, wenn Ärzte das Bewusstsein dafür im Hinterkopf haben.“

Und noch ein weiteres Anliegen verfolgt Kowalewski mit seiner Wanderung: Weil nur rund 1000 Menschen in Deutschland unter VHL leiden, wird wenig in die medizinische Erforschung der Krankheit investiert. „Es lohnt sich für die Pharmafirmen schlicht nicht“, sagt Kowalewski. Daher sammelt er auch Spenden für ein Stammzellen-Forschungsprojekt eines belgischen Universitätsprofessors, von dem er und andere Betroffene sich Fortschritte bei der Entwicklung von Therapien erhoffen.

Gestartet ist der Itzehoer vor wenigen Tagen in Büsum, wo sein Vater lebt. Ziel der Wanderung ist sein Studienort Leipzig. Auf der Durchreise besuchte er in seiner Heimatstadt die Firmen Summary und VW/Audi-Eskildsen, die ihn mit Spenden unterstützen, aber auch die Auguste-Viktoria-Schule (AVS), an der er Abitur gemacht hat. Auch dort sollen Spenden gesammelt werden. Schüler begleiteten den Wanderer für einige Kilometer, mit anderen legte er ein Stück des Weges auf der Stör mit Kanus zurück. „Ich bin ganz froh, wenn ich nicht die ganze Zeit allein unterwegs bin. Ich wandere zwar gern, aber es kann doch ein wenig langweilig werden auf Dauer“, sagt der 25-Jährige. Erfolgreich um Spenden warb er auch bei Lions Club, Ladies’ Circle, Inner Wheel, Tangent-Club und Round Table.

Seine Reise dokumentiert der junge Itzehoer online auf einer eigenen Seite und in sozialen Netzwerken. Nächstes Ziel nach Itzehoe ist Hamburg. „Ich habe einen groben Plan, aber nicht jede Station bis ins Detail vorbereitet.“ Ein Zelt ist in dem schweren Marschgepäck vorhanden. „Ein Plätzchen zum Schlafen findet sich schon.“ In der Lüneburger Heide und im Harz begleiten jeweils Freunde den Itzehoer. Er habe eine „gute Mischung“ zwischen allein und in Begleitung wandern gefunden, sei aber durchaus noch offen, falls sich ihm noch weitere Laufpartner für ein Stück des Weges anschließen möchten. Die Ankunft in Leipzig ist für den 4. Oktober geplant.


>Weitere Infos im Internet bei Facebook unter „Leben mit VHL? – Läuft“ oder unter www.leben-mit-vhl.de.

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