Spenden-Radtour : Wahnsinnstour mit sozialem Anspruch

Haben ein großes Ziel vor Augen: Mario Ihfe (l.) und Sascha Grewe wollen bis nach Gibraltar radeln.
Haben ein großes Ziel vor Augen: Mario Ihfe (l.) und Sascha Grewe wollen bis nach Gibraltar radeln.

Um Spenden für einen Hospizverein zu sammeln, plant der Itzehoer Sascha Grewe mit einem Partner 3000 Kilometer nach Gibraltar zu radeln.

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05. Dezember 2017, 05:06 Uhr

In seiner Freizeit ist Sascha Grewe im Moment fast nur noch auf dem Heimtrainer anzutreffen. Bis zu vier Stunden täglich strampelt der 31-jährige Itzehoer auf seinem Indoor-Fahrrad – für Körper und Geist eine extreme Herausforderung. Doch Grewe weiß, ohne hartes Training wird er sein Ziel nicht erreichen. Zusammen mit dem Eggstedter Mario Ihfe will er im Mai 3000 Kilometer weit mit dem Rennrad nach Gibraltar fahren – für einen guten Zweck. Bei ihrer „Tour des Lebens“, die die beiden in nur 15 Tagen zurücklegen wollen, möchten sie Spenden für den Freundeskreis Hospiz Dithmarschen sammeln. 6000 Euro sollen auf diese Weise zusammenkommen. Noch werden Spender gesucht, die pro Person und pro gefahrenen Kilometer einen Euro beisteuern.

Ihfe hat bereits Erfahrung mit sportlichen Benefizaktionen. Seit 2011 bekam der 42-Jährige auf diese Weise bereits über 9000 Euro für den Hospizverein zusammen. Unter anderem lief er den Nord-Ostsee-Kanal von Kiel nach Brunsbüttel entlang, und nahm in Frankfurt am Ironman-Triathlon teil. Als er Grewe zufällig bei einer Hochzeit kennenlernte, erzählte er ihm von seinem Traum, einmal mit dem Rad nach Gibraltar zu fahren. Grewe musste nicht lange überlegen. Schon am nächsten Tag rief er Ihfe an, um zu verkünden: „Ich bin dabei.“

In Sascha Grewe hatte Ihfe offenbar genau den Richtigen gefunden: „Ich war schon immer für verrückte Ideen zu haben“, sagt der gelernte Altenpfleger über sich selber. Sport begleitet ihn schon seit seiner Kindheit: Früher spielte er Handball und lief mehrere Triathlons, in letzter Zeit konzentrierte er sich mehr aufs Radfahren und gibt als Indoor-Cycling-Trainer Kurse beim Sportclub Itzehoe. „Aber so eine Wahnsinnstour habe ich noch nicht gemacht.“

Auch von der sozialen Komponente des Projekts war Grewe begeistert. „Der Freundeskreis Hospiz leistet tolle Arbeit.“ Der Verein mit Sitz in Meldorf begleitet Sterbende in ihrem Zuhause und bietet mehrere Trauergruppen an – alles ehrenamtlich und spendenfinanziert. „Wir hoffen, mit unserer Aktion große Aufmerksamkeit für dieses Engagement zu bekommen.“ Erste Spenden seien schon eingegangen.

Mit ihren Planungen begannen die beiden Sportler bereits Ende vergangenen Jahres. Von Norddeutschland soll sie ihre Tour über die Niederlande, Belgien, Frankreich und Spanien an den Südzipfel der iberischen Halbinsel führen. Durchschnittlich 200 Kilometer am Tag müssen sie zurücklegen, um ihr Ziel zu erreichen. „Größte Herausforderung werden wohl die Pyrenäen“, meint Grewe. Orte zum Übernachten haben sie sich schon ausgeguckt, allerdings keine Unterkünfte gebucht. „Wir wollen bei Privatleuten klingeln, ihnen von unserer Aktion erzählen und um Abendessen und Übernachtung bitten.“

Grewes Vater wird die beiden Abenteurer mit dem Wohnmobil begleiten, in dem er beispielsweise Sportnahrung für unterwegs und Ersatzfahrräder an Bord hat und in dem er sie am Ende ihrer Tour zurück in die Heimat bringen soll. Ihre Ausrüstung vom Müsliriegel bis zum Fahrradhelm haben die beiden dank Sponsoring durch örtliche Firmen schon zusammen, einen Anteil von 800 Euro zahlten sie aus eigener Tasche. Dithmarschens Kreispräsident Hans-Harald Böttger hat die Schirmherrschaft der Tour übernommen. Am Sonnabend, 5. Mai 2018, soll es in Eggstedt losgehen. Wer will, kann die beiden die ersten 35 Kilometer bis zur Elbfähre in Glückstadt auf dem Rad begleiten.

Bis es soweit ist, heißt es hart trainieren – und zwar neben dem Berufsalltag. Ein Freund Grewes koordiniert die sportliche Vorbereitung, mit der die beiden schon im Sommer dieses Jahres begannen. Im März steht noch ein Trainingslager auf Mallorca an. Jetzt im Winter wird vor allem drinnen geradelt: „Dann heißt es Laptop an, Serie einschalten und ab auf den Hometrainer“, sagt Grewe.

Sechs Tage die Woche trainieren die beiden im Moment, davon zwei Mal gemeinsam. Daneben verzichtet Grewe auf Alkohol, nascht abends Gemüsesticks statt Süßigkeiten und stellt das ein oder andere Treffen mit Freunden aus Zeitmangel hinten an. „Natürlich hat man mal Tage, wo das ganz schön hart ist“, sagt er. „Aber man hat immer wieder das Ziel vor Augen, nach Gibraltar zu kommen.“ Nicht zuletzt würden ihn Freunde und Familie – Grewe ist verheiratet und hat einen dreijährigen Sohn – motivieren. Allein durch die Planungen und das Kontakteknüpfen mit den Sponsoren habe er viel gelernt. „Die Tour hat mich jetzt schon weitergebracht.“


>Weitere Infos: www.gibraltar2018.de

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