Kulturpreis : Wagner-Tenor ausgezeichnet

Kreispräsident Hans-Harad Böttger applaudiert Preisträger Kaus Florian Vogt. Rechts: Ehefrau Silvia Vogt.
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Kreispräsident Hans-Harad Böttger applaudiert Preisträger Kaus Florian Vogt. Rechts: Ehefrau Silvia Vogt.

Dithmarschen ehrt mit Klaus Florian Vogt einen international renommierten Sänger. Der Brunsbütteler ist der zweitjüngste Preisträger.

shz.de von
15. Juni 2014, 08:00 Uhr

„Ich bin schon viel in der Welt herumgekommen, aber nichts liegt mir so am Herzen wie Dithmarschen.“ Ein wenig bescheiden und vor allem dankbar nahm Klaus Florian Vogt den Kulturpreis des Kreises entgegen, der aus einer einfachen Urkunde besteht. Für ihn habe diese Auszeichnung eine besondere Bedeutung. „Ich bin tief bewegt und sehr gerührt.“ Das Votum für Vogt fiel in den Ausschüssen einstimmig. Der 43-jährige ist damit der zweitjüngste Träger des mit 2500 Euro dotierten Dithmarscher Kulturpreises. Nur Jens Rusch, der mit diesem Preis 1990 ausgezeichnet wurde, war seinerzeit drei Jahre jünger.

Die Wiener Staatsoper, die Metropolitan Opera New York, der Covent Garden London, die Scala di Milano – Vogt ist auf den großen Bühnen dieser Welt zuhause. Publikum und Fachpresse überschlagen sich vor Begeisterung. Talkshows reißen sich um ihn. Seine Darstellung des Lohengrins in Bayreuth ist unvergesslich. Mit seiner hellen und klaren Stimme begeisterte er das Publikum. Vogt gilt als weltbester Wagner-Tenor. Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu seinen Fans. Mit dem Echo Klassik, dem europäischen Kulturpreis und unter anderem dem Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein ist er ausgezeichnet worden. Die Opernhäuser dieser Welt reißen sich um ihn. „Ein Bild von einem Mann, überirdisch und makellos“, so euphorisiert schrieb die „taz“ in einer Opernkritik, als Vogt in seiner Paraderolle als Lohengrin die Bühne der Deutschen Oper in Berlin betrat.

Schwarzer Anzug, Fliege, glänzende Schuhe und seine unverwechselbare blonde Mähne lassen den Star bei seinem Auftritt im Sitzungssaal des Dithmarscher Kreistages vermuten. Doch Allüren sind Vogt fremd. Statt in Luxushotels wohnt er lieber in seinem Wohnmobil. Und statt in Berlin oder Hamburg lebt er lieber mit seiner Frau, den vier Söhnen und Hunden in Brunsbüttel. Größer könnte der Kontrast zur glamourösen Opernwelt kaum sein.

Für Landrat Dr. Jörn Klimant ist der Brunsbütteler vor allem eins: ein kulturelles Aushängeschild. Anfangs, so erzählt er, hatte er Zweifel, ob der international gefeierte Künstler diesen Preis überhaupt annehmen würde. Zweifel, die schnell verflogen, als Vogt ihn abends im Büro anrief. „Es waren Dithmarscher unter sich“, schildet Klimant das Gespräch.

Oft ist der Weltenbummler nicht in der Schleusenstadt. Aber so oft, wie es ihm seine Zeit erlaubt. „Da wo sich Klaus zuhause fühlt, ist Dithmarschen“, betonte Professor Günter Binge in seiner Laudatio. Vogt sei ein Familienmensch, erklärt Binge, der Gesang an der Musikhochschule Lübeck unterrichtet und zu dessen Schülern Vogt zählt. Nicht nur seine Stimme und viel Arbeit sind aus Sicht von Binge für den Erfolg des Dithmarschers ausschlaggebend – auch Stärke und Ausgeglichenheit zählen dazu. Und seine Frau Silvia, die als Sängerin schon berühmt war, als ihr heutiger Mann noch ein unbekannter Horn-Spieler war – „sie hat einen bedeutenden Anteil an dem Erfolg“, betont Binge.

Vogt, der aus einer Musikerfamilie kommt, ahnte lange Zeit nicht, dass eine Weltstimme in ihm steckt. Man müsse Glück haben, dass dies jemand erkennt, sagte er mal in einer Talkshow. Aber man müsse auch das Glück haben, dass Menschen einem den Rücken stärken. Als er bei einer Familienfeier ein Ständchen singt, entdeckt die Schwiegermutter sein Talent. Vogt studiert Gesang an der Musikhochschule Lübeck und erhält ein Engagement an der Dresdner Semperoper, wo er unter anderen mit Dirigenten wie Guiseppe Sinopoli und Sir Colin Davis arbeitet. Sein Durchbruch gelingt ihm dann am Erfurter Theater mit der Titelrolle des Heldentenors Lohengrin. „Singen ist für mich ein Lebenselixier.“

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