Waffensammler muss Strafe zahlen

Umfangreiches Waffenarsenal: Auch ein mit einem Instrumentenkoffer getarntes Gewehr befand sich unter den von der Polizei sichergestellten Waffen.
Umfangreiches Waffenarsenal: Auch ein mit einem Instrumentenkoffer getarntes Gewehr befand sich unter den von der Polizei sichergestellten Waffen.

Amtsrichter spricht Pinneberger schuldig / 54-Jähriger lagerte in Ottenbüttel fahrlässig zahlreiche Gewehre und Munition

shz.de von
08. Juni 2018, 14:49 Uhr

Zu einer Geldstrafe in Höhe von 2250 Euro – 90 Tagessätze à 25 Euro – verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht Itzehoe unter Leitung von Strafrichter Jan-Hendrik Weigelt einen 54-jährigen Pinneberger. Das Gericht erkannte den Waffenfreund schuldig wegen fahrlässiger Ausübung der Kontrolle über Kriegswaffen sowie tateinheitlich über Schusswaffen, ohne die erforderliche Erlaubnis dafür zu besitzen. Relevant für die Verurteilung waren am Ende nur zwei der am 10. August 2016 auf dem in Ottenbüttel gelegenen Resthof des Pinnebergers gefundene Gegenstände. Dies waren ein AK-47 Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow sowie der Lauf eines Maschinengewehrs.

Alles andere fiel im Laufe des Ermittlungsverfahrens unter den Tisch. Ebenso wie die Ermittlungen gegen den zunächst mit ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geratenen Bruder (55) des Angeklagten. Das gegen ihn gerichtete Verfahren wurde im Vorfeld eingestellt. Rückblende: Eine Anzeige wegen der mutmaßlichen Entsorgung von Abfall auf dem Resthof ließ im August 2016 Beamte des Umweltschutztrupps Itzehoe in Ottenbüttel beim Angeklagten läuten. Sie hatten einen Hinweis erhalten, wonach auf dem Grundstück in Ottenbüttel unerlaubt Abfall lagern sollte. Doch was die Beamten des Umweltschutztrupps bei der Durchsuchung des Resthofs dann entdeckten, war alles andere als Müll: Im Gebäude fanden die Einsatzkräfte zahlreiche Waffen und Munition. Wie die Polizei seinerzeit mitteilte, handelte es sich vornehmlich um ältere Gewehre und die dazugehörige Munition, aber auch um Panzerminen und Panzerfäuste.


Gewehre und Panzerminen

Darum forderte der Umweltschutztrupp damals auch die zuständigen Beamten der Kriminalpolizei Itzehoe und den Munitionsräumdienst an. Wegen der Größe des Gebäudekomplexes erstreckte sich die Durchsuchung über mehrere Tage. Die Polizisten fanden dabei unter anderem 51 Gewehre, 70 Bajonette, 216 verschiedenartige Messer, sechs Pistolen, neun Säbel und Degen, ein Sturmgewehr, Panzerminen und Handgranaten.

Nach den Erkenntnissen der Polizei haben der 54-jährige Besitzer des Resthofes und sein 55-jähriger Bruder die Fundstücke aus Sammelleidenschaft angeschafft und dort gelagert. „Bei etlichen von ihnen handelte es sich um Deko-Waffen, nicht wenige waren allerdings noch funktionstüchtig“, teilte im August 2016 Polizeipressesprecherin Merle Neufeld bereits mit. Die Kripo beschlagnahmte damals alle aufgefundenen Waffen. Sie wurden später von Sachverständigen untersucht. Seit 2001 ist der 54-jährige Pinneberger in Ottenbüttel ansässig. Allerdings meist nur am Wochenende, wie Bürgermeister Heinz Maaß seinerzeit sagte. Der Mann lebte zwar mitten im Ort, doch zurückgezogen, Kontakt mit Nachbarn habe er nicht gehabt. „Niemand hat gewusst, dass er dort Waffen gesammelt hat.“ Aufgefallen sei er nur, weil auf dem Grundstück schon mal alte Autos und Unrat lagerten, weshalb auch die Umweltpolizei alarmiert wurde.

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