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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 17:05 Uhr

Wirtschaft : Waffen in Itzehoe gefunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kampfmittelräumer bergen militärisches Material von ehemaligem Kasernengelände am Langen Peter.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 04:57 Uhr

Kay Weber kennt jeden Zentimeter – zumindest von dem Teil des ehemaligen Kasernengeländes am Langen Peter, auf dem das neue Einkaufszentrum mit zwei Supermärkten entstehen soll. „Ich bin hier mit der Sonde alles abgelaufen“, sagt der 43-Jährige von der Firma Stascheit Kampfmittelräumung. Und das war offenbar nötig. „Wir haben hier militärisches Material gefunden, das Soldaten wohl 1945 vergraben haben“, sagt Räumungsleiter Benno Gabriel. Den gefährlichen Fund habe der Kampfmittelräumdienst bereits abtransportiert und vernichtet. Was das genau für Funde waren, darüber will der 60-Jährige nichts sagen. „Wir wollen nicht, dass hier Menschen auf die Suche gehen, die davon keine Ahnung haben und sich möglicherweise selbst gefährden.“ Denn der Umgang mit dem Material aus dem Zweiten Weltkrieg sei riskant, auch 70 Jahre nach dem Ende der Kämpfe. Drei Wochen haben die Experten gebraucht, um das Gelände zu untersuchen und von den Waffen zu befreien. „Wenn die Erdbauarbeiten an dem Parkplatz weitergehen, werden wir auch noch das restliche Gelände erkunden. Das wird allerdings noch einige Wochen dauern“, sagt Gabriel.

Männer wie er und Kay Weber kommen immer zum Einsatz, wenn Bauarbeiten auf ehemaligem Kasernengelände stattfinden. „In Itzehoe wussten wir aus Luftbildaufnahmen, dass hier keine Bomben gefallen sind“, sagt Gabriel. Doch trotzdem muss der Bauherr dafür sorgen, dass das Gelände auf Kampfmittel untersucht und von ihnen befreit wird. „Das ist überall so wo wir bauen – egal ob in Berlin, in Kiel oder in Hamburg auf der Reeperbahn und auch auf nicht-militärischem Gelände“, sagt Investor Michael May. Die Kosten dafür kenne er selbst noch nicht. „Das wird nach Stunden abgerechnet und kostet eine Menge Geld.“

Die Räumer gehen genau vor. In Itzehoe müssen sie zuerst ein wenig von der Erdoberfläche verschieben, dann geht Kay Weber mit seiner Sonde über das Gelände. Die ortet bis zu einer Tiefe von sechs und in einem Umkreis von bis zu eineinhalb Metern metallische Gegenstände, die Weber auch in einem mehrere Quadratmeter großen Gelände findet. Dann wird nach den Funden gebohrt, die Räumer haben einen speziellen Bagger dabei, der an der Unterseite verstärkt ist. „Der würde auch kleine Munitionsexplosionen aushalten“, sagt Weber. „Allerdings ist mir sowas noch nie passiert.“

Wenn in diesen Tagen offiziell die Kampfmittelfreiheit erklärt werde, könne damit begonnen werden, auf dem Gelände Spundwände zu setzen – danach würden die Höhenunterschiede ausgeglichen, sagt Michael May. „Dann muss sich der Boden ein paar Monate setzen, so dass wir hoffen, im Februar mit dem Hochbau beginnen zu können.“ Im November sollen die beiden Supermärkte auf dem rund 6000 Quadratmeter großen Areal fertig sein.

„Von uns aus gibt es keinerlei Einwände mehr“, sagt Benno Gabriel, der seine Sachen verpackt. Für ihn und seine Kollegen geht es zur nächsten Baustelle, denn auch 70 Jahre nach Ende des Krieges geht ihnen die Arbeit nicht aus. Oder wie Kay Weber sagt: „Es gab noch kein Kasernengelände, auf dem wir nichts gefunden haben.“

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