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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 16:18 Uhr

Waffe an Kopf gehalten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gericht: Sozialstunden für 20-Jährigen

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2016 | 16:53 Uhr

,,Schön ist das nicht, andere Leute, die am Boden liegen noch zu treten“, fand Jugendstrafrichter Andreas Wagner. Es ging um Körperverletzung. Ein 20-Jähriger hatte einen 22-Jährigen in der Silvesternacht am 1. Januar getreten. Beide sind gerichtsbekannt und kennen sich schon lange. Auch der Bruder des 22-Jährigen und ein Freund des Angeklagten waren bei der Auseinandersetzung dabei.

Die vier jungen Männer hatten die „kleine Silvesterrangelei“ bereits unter sich geregelt. Denn sie besuchen dasselbe Fitnessstudio und gehen in die selben Kneipen.

Klar war nach der Tat: sie konnten sich nicht aus dem Weg gehen, deshalb hätten sie sich untereinander ausgesprochen – dies erklärten sie vor Gericht.

Doch Richter Wagner und Amtsanwalt Obernyer wollten noch einmal über die Angelegenheit reden. Sie wollten klären, was genau am 1. Januar in den frühen Morgenstunden in der Straße vorgefallen war.

Die jungen Männer spielten mit. Der bereits viermal strafrechtlich in Erscheinung getretene 20-Jährige gab offen Auskunft. ,,Die beiden Brüder waren hackedicht. Einer hat meinen Kumpel angegriffen. Die haben sich am Boden gerollt. Ich bin dazwischen gegangen und hab ein, zweimal zugetreten“, sagte der Angeklagte. Als der Bruder des Getretenen ihn daraufhin am Hals packte, schlug der 20-Jährige ihm mit einer Schreckschusspistole an den Kopf. Die hatte er im Hosenbund. Allerdings besaß er für die Schreckschusswaffe den dafür inzwischen erforderlichen kleinen Waffenschein nicht.

Deshalb lautete die Anklage: Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Das Opfer sagte: ,,Mir ist es egal, wir haben das ja inzwischen geklärt.“ Auf Richter Wagners Frage, ob er denn Schmerzen hatte, sagte der 22-Jährige: ,,Verletzt war ich nicht, alles ist gut gewesen, ich habe keine Schmerzen gehabt, da war gar nichts.“

Die Schreckschusswaffe ist längst verschrottet, der Fall geregelt. Der Angeklagte ist auf einem guten Weg, hat sich von der Hauptschule zum Gymnasium hoch gearbeitet. 2017 macht er Abitur.

Richter Wagner erklärte dann, dass der Fall eingestellt wird,wenn der Angeklagte 25 Sozialstunden leistet. Der 20-Jährige muss sie nach Weisung der Gerichtshelferin in den Sommerferien ableisten. Abschließend gab es von Wagner für den Angeklagten noch einen guten Rat mit auf den Weg: ,,Gehen Sie zukünftig solchen Situationen aus dem Weg, so wie ich das machen würde. Einfach weglaufen, auch wenn das ein bisschen feige aussieht.“

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