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Norddeutsche Rundschau

14. Dezember 2017 | 20:38 Uhr

Glückstadt : Wächter über drei Pumpe

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Heiko Hinrichs überwacht und steuert seit August vergangenen Jahres das Rhinschöpfwerk. Den Pegelstand hat er jederzeit im Auge

„Ich habe keine festen Arbeitszeiten.“ Denn der Job von Heiko Hinrichs richtet sich nach den Gezeiten und dem Wetter. Der 50-Jährige ist Schöpferwerkmeister des Rhinschöpfwerks. Seine Aufgabe hat er im August von seinem Vorgänger Manfred Knapp übernommen. Hinrichs ist der dritte Mann, der diese Arbeit macht, seitdem das Schöpfwerk 1951 in Betrieb genommen wurde.

Die großen Pumpen in der Anlage sorgen dafür, dass der Pegel des Rhin und des Schwarzwassers nicht zu hoch steigt und die Flüsse über die Ufer laufen. Die zwei manuell gesteuerten Pumpen und die automatische Pumpe bringen das Wasser von den Flüssen in die Elbe. Wenn alle Pumpen laufen, können sie 18  000 Liter Wasser in der Sekunde bewegen. Die Pumpen werden benötigt, da das Rhingebiet zum Teil tiefer liegt als der Wasserpegel bei Normalnull in der Elbe. Die Anlage gehört zum Deich- und Hauptsielverband Krempermarsch.

Wer über das Schöpfwerk wacht, hat seine Anlagen und seine Gewässer beständig unter Beobachtung. Seit November wohnt Heiko Hinrichs deshalb in dem Haus direkt neben dem Schöpfwerk am Rethövel. Das Gebäude gehört dem Sielverband. „In das Haus zu ziehen war Bedingung dafür, den Job zu bekommen“, erklärt Hinrichs.

Auf seinem Computer laufen die Pegalstände von Elbe, Rhin und Schwarzwasser ein. Darunter auch der Wasserstand am Herzhorner Unterschöpfwerk, das Heiko Hinrichs ebenfalls überwacht und steuert. Ein Teil seiner Aufmerksamkeit liegt immer bei dem, was draußen geschieht. Er überprüft mit Augenmaß, wie hoch der Rhin tatsächlich direkt am Schöpfwerk steht und ob die Rechenanlage nicht verstopft.

„Im Normalfall reinigt sich der Rechen automatisch.“ Die Anlage ist quasi das Sieb, das die Teile abfängt, die nicht in den Pumpen landen dürfen. „Was da nicht alles ankommt: Plastikstühle Gießkannen, wir hatten sogar schon ein totes Schaf.“ Was der Rechen abfängt wird in einen Treckeranhänger geleitet und in Handarbeit sortiert. Seit November hat Heiko Hinrichs vier Ladungen weggebracht. Wenn zwei Pumpen laufen, ziehen diese auch Fische an. „Diese fängt der Rechen dann ab, und ich bringe die Fische wieder in sichere Gewässer.“ Auf seinem Handy laufen zu jeder Tages und Nachtzeit die Störmeldungen ein. Das sind Kurznachrichten wie „Pumpe läuft trocken“. Dann ruft er externe Firmen an, oder er behebt das Problem selbst. „Sonntags um sechs Uhr ist es aber nicht unbedingt leicht, einen Elektroniker zu erreichen.“

Eine der drei Pumpen im Glückstädter Rhinschöpfwerk läuft automatisch. „Jetzt habe ich eingestellt, dass sie, wenn der Oberpegel von 3,60 Metern erreicht ist, den Pegel auf 3,30 Meter senkt.“ Der Pegelwert null entspricht fünf Metern unter Normalnull. Die automatische Pumpe hat nur eine bestimmte Leistung. Sobald der Druck vom Elbewasser zu hoch wird, schaltet sie ab. „Also, wenn Hochwasser ist und der Südwestwind das Wasser in die Elbe drückt.“ Wenn dazu starker Regen vorausgesagt ist, weiß er sicher, dass er bei Hochwasser zwei Pumpen braucht. „Dann stehe ich mitten in der Nacht auf, schalte die automatische Pumpe aus und steuere die anderen beiden mit mehr Leistung manuell.“

„Das richtige Vorgehen bei zu viel Wasser im Rhin steht nirgendwo geschrieben – das sind Erfahrungswerte“, erklärt Verbandsvorsteher Harald Wendtland vom Gewässerverband Unterlauf Stör. Der Schöpfwerkmeister sei eben kein Ausbildungsberuf. „Hinrichs ist gelernter Maschinenschlosser, Knapp war ausgebildeter Elektriker.“ Das Schöpfwerksmeister habe einen wichtigen, verantwortungsvollen Beruf. Doch das bekämen die umliegenden Bewohner meist gar nicht so mit, dass hier jemand Tag und Nacht dafür sorge, dass ihre Keller trocken bliebe. „Wenn Heiko Hinrichs nachmittags um 15 Uhr gemütlich in der Stadt einen Kaffee trinkt, dann kann es gut sein, dass er nachts um 4 Uhr an den Pumpen stand.“

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