Festival : Wacken versinkt im Schlamm

Schlammwüste statt Zeltstadt: Camping in Wacken ist immer etwas Besonderes.
1 von 3
Schlammwüste statt Zeltstadt: Camping in Wacken ist immer etwas Besonderes.

In Itzehoe sind Notparkplätze und kostenloser Shuttle-Verkehr eingerichtet.

shz.de von
31. Juli 2015, 05:30 Uhr

„Bitte reist heute nicht mehr an!“, „Nehmt öffentliche Verkehrsmittel!“ – Stündlich liefen am Mittwochabend solche Nachrichten auf Facebook und bei der Wacken-App ein. Wegen des Matsches war kein Durchkommen mehr. Die Alternativen: Das Parkhaus am Itzehoer Bahnhof und der Parkplatz der ehemaligen Druckerei Prinovis in der Itzehoer Störfischerstraße. Alles kostenlos und mit Shuttle-Bus erreichbar.

Während auf dem Prinovis-Parkplatz am Donnerstagmorgen vor allem viele Wohnmobile standen, war im Parkhaus allgemeines Packen angesagt. „Wir müssen ja jetzt alles tragen, was wir ins Auto gepackt hatten“, sagt Claus (46). Er war mit Carl-Friedrich (17) am Mittwochmorgen im voll beladenen Auto in Stuttgart gestartet – die Reise endete im Frust vor Wacken. Drei Stunden standen die beiden nachts im Stau vor dem Gelände, in der Hoffnung, dass es doch noch weitergeht. So recht habe ihnen keiner was sagen können, klagt Claus. „Bessere Infos an die Streckenposten wären gut.“ Übernachtet wurde schließlich im Auto „irgendwo in der Pampa zwischen hier und nirgendwo“. Am Morgen ging es dann ins Parkhaus und von dort schwer bepackt zum Shuttlebus – mit kleinem Abstecher in die Innenstadt, in der Hoffnung, noch ein Paar Gummistiefel zu ergattern. „Freude löst das alles nicht aus, aber letztlich kann das Festival ja auch nichts dafür“, sagt Claus.

Steffen (31) und Marcel (29) lassen sich ein paar Stellplätze weiter die Laune nicht vermiesen. Die beiden sind am Mittwoch in Mainz losgefahren, sind um vier Uhr in Itzehoe angekommen und haben im Parkhaus „im Auto abgegammelt“, bis sie sich um kurz nach 9 Uhr auf den Weg zum Shuttlebus machten. „Wir werden abends wieder zurückfahren und hier schlafen – das Zelt braucht man echt nicht aufbauen“, sagt Steffen, der schon zum dritten Mal beim WOA ist. Marcel ist zum ersten Mal dabei. Abschrecken lässt er sich vom Schlamm-Chaos nicht: „Für das Wetter können die Veranstalter ja auch nix.“ „Und wenigstens tun sie was, um Ausweichmöglichkeiten zu schaffen“, ergänzt Steffen. „Wir trinken uns jetzt einfach wieder gute Laune an.“

Das müssen Gabriel (20), Francois (20) und Dominic (21) nicht. Die Schweizer sind bestens drauf. „Hier ist ganz lustige Stimmung“, finden sie. Am Vorabend haben sie noch mit 20 Leuten im Parkhaus zusammen gesessen und Musik gehört und dann dort übernachtet – zwei auf dem Boden, einer im Auto. „Es war gar nicht so kalt“, stellt Gabriel fest. Alle sind zum ersten Mal in Wacken – und tragen das norddeutsche Wetter mit Schweizerischer Gelassenheit: „So schlimm finden wir das nicht.“

„Die sind eigentlich alle gut gelaunt. Viele kommen seit Jahren und es ist ja nicht das erste Mal, dass wir so ein Mistwetter haben“, sagt auch Jürgen Vogel, der als Ordner die Autos einweist, geduldig Fragen beantwortet und dem kommenden Ansturm gelassen entgegen sieht. „Das geht jetzt los, die kommen jetzt nach und nach hier an.“ Damit ist die Situation im Parkhaus um einiges entspannter als auf dem durchmatschten Wackener Gelände, für das Jürgen Vogel die Lage in einem Wort zusammenfasst: „Beschissen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen