KUnst : Wacken Open Air im Tiefdruck

Freuen sich, dass Jens Rusch sein Wissen teilt: Ingeborg Kirstein und Doris Bronold.
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Freuen sich, dass Jens Rusch sein Wissen teilt: Ingeborg Kirstein und Doris Bronold.

Der Brunsbütteler Jens Rusch zeigt Kunstbegeisterten aus ganz Deutschland die Techniken des Radierens.

shz.de von
27. Juni 2014, 12:30 Uhr

Seit einigen Jahren treffen sich Kunstschaffende aus ganz Deutschland einmal im Jahr für eine Woche in den Werkstätten von Jens Rusch, um sich in die Techniken des Radierens einführen zu lassen. „Diese Art des grafischen Tiefdruckverfahrens wird bereits seit dem Mittelalter praktiziert, zählt jedoch inzwischen zu den aussterbenden Künsten“, bedauert Rusch. Um den Untergang einer der wohl vielseitigsten künstlerischen Drucktechniken hinauszuzögern, gibt der Meister-Radierer sein Fachwissen gerne weiter.

Für den diesjährigen Kurs haben sich die Seminarteilnehmer darauf geeinigt, verschiedene Motive des Wacken Open Air (W:O:A) auf die Kupferdruckplatte zu übertragen. Dabei orientierten sie sich an den Werken des Künstlers aus der Schleusenstadt, die nicht nur in der Galerie Rusch, sondern auch im Zuge des weltweit größten Heavy-Metal-Festivals im W:O:Art-Zelt auf dem Holy Ground im Bereich des Wacken Foundation Camp ausgestellt wurden.

„Ich habe gleich beim ersten Hinsehen gewusst, dass dies mein Motiv ist“, sagt Ingeborg Kirstein. Die 65 Jahre alte Wolfsburgerin, die seit Jahren in regelmäßigen Abständen mit blinden Menschen zusammenkommt, wurde bei der Sichtung der Wacken-Kunstwerke auf das Blind-Guardian-Gemälde aufmerksam. Darauf zu sehen: Drei blinde Festivalbesucher mit Blind-Guardian T-Shirts, vor einer Blind Guardian Bühnen-Szenerie. „Für meine Radierung habe ich diese Szene mit Bekannten nachgestellt. Die waren ganz aufgeregt, als wir das Foto für die Vorlage gemacht haben“, erzählt Kirstein und sagt weiter „Leider werden sie das fertige Ergebnis nie sehen können, denn auch sie sind wie die drei Festivalbesucher blind.“

Die künstlerische Darstellung der finnischen Musikgrippe Apocalyptica, die auf Violoncellos bekannte Metal-Stücke interpretieren, inspirierte hingegen Ina Fenske. Als musikbegeistert bezeichnet sich die 55-jährige Künstlerin, die in den weichen Farbübergängen des Ölgemäldes eine besondere Herausforderung sieht. „Diese Verläufe auf die Kupferplatte zu übertragen ist gar nicht einfach“, so die Lübeckerin. Denn bei der Fertigung einer Radierung muss nicht nur spiegelverkehrt, sondern auch im Farbnegativ gedacht werden. Zudem müssen die unterschiedlichen Ätz-Zeiten für die verschiedenen Farbtöne berechnet werden.

Noch bis heute Abend ist die Gruppe in den Räumen der Galerie Rusch aktiv. Von 15 bis 18 Uhr können Interessierte im Rahmen einer kleinen Ausstellung die fertigen Werke besichtigen oder den Kursteilnehmern bei der Arbeit über die Schultern schauen.

>Informationen: www.jens-rusch.de





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