zur Navigation springen

Kultur : Wacken Music Camp: Bandprobe in der Schule

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

94 Jugendliche schreiben dort, wo vor zwei Wochen noch das WOA-Festival stattfand, eigene Liedtexte und machen Musik. Morgen geben sie ein Konzert.

Wo vor zwei Wochen noch Schlammbaden angesagt war, hausen in dieser Woche 94 Jugendliche in schwarzen Zelten, schreiben Texte und machen Musik. Im zweiten Wacken Music Camp (WMC) lassen sie sich von der Atmosphäre inspirieren. Ein besonderer Ort, denn hier hat 1990 das Wacken Open Air Festival (WOA) mit sechs Bands und rund 800 Besuchern seinen Anfang genommen. Wie das WOA startet dort jetzt der Nachwuchs durch. Morgen geben die Nachwuchskünstler ihr Konzert.

Die Sonne meint es gut mit den Jugendlichen. Die 16-jährige Melissa aus Rendsburg, die sich selbst „Pynktchen“ nennt, hat sich mit Sami (17) aus Rendsburg und dem 16-jährigen Jacob aus Greifswald in einem schwarzen Wacken-Strandkorb in Luxusausführung häuslich eingerichtet. Zwischen Kronleuchter und Chipstüte grübeln die drei über dem Text für ihren Song. Seit Sonntag sind sie im Camp. Sie haben sich als Band im Kletterpark zusammengefunden und arbeiten seither an einem Lied, in dem sie die Geschichte von „Die schöne und das Biest“ erzählen wollen.

Die Melodie steht weitgehend, auch der Refrain ist fertig. Zur ersten Strophe gibt es immerhin schon zwei Zeilen. Am dritten Camp-Tag erst anzufangen, wäre auch etwas spät, erklärt Pynktchen. Gleich will das Mädchen mit den blauen Haaren nochmal in die „Musikschule“ gehen, um weiter an Melodie und Text zu pfeilen.

Die „Musikschule“, damit ist die Wackener Grundschule gemeint. Aus dem Schulgebäude klingt Musik. Vor zwei Wochen noch hatten in der Schule die Veranstalter des WOA dort ihr Koordinationszentrum eingerichtet. Jetzt nutzen siebzehn Nachwuchsbands die Klassenräume als Probenraum. Profis aus der Musikszene unterstützen sie dabei. Florian Sommer, der Künstler auf Tourneen begleitet und ihre Konzerte abmischt, ist dabei – ebenso Bandcoach Lasse Lammert und wie im vergangenen Jahr Metal-Urgestein Timothy Nibbs Carter von der Band Saxon. Und auch WOA-Mitbegründer Thomas Jensen hat sich auf dem Schulhof unter den Metalnachwuchs gemischt. „Wir machen viel im Nachwuchsbereich“, sagt er – und verweist auf den Metal-Battle, einen Wettstreit, in dem Nachwuchsbands aus aller Welt auf dem WOA antreten und auf die Wacken Foundation, die auch das Wacken Music Camp mit unterstützt. Auf die Beine gestellt haben das WMC der Verein „Kurs 54°N“ unter der Leitung von Enno Heymann in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Musikschulen in Schleswig-Holstein und dem Tourismusbereich der Fachhochschule Westküste.

Jensen freut sich zu sehen, wie sich die Musik als verbindendes Element durch das Camp zieht. „Ein super kreativer Vibe“, beschreibt er die Stimmung.

Und diese Stimmung können Eltern und Interessierte morgen selbst erleben. Ab 15 Uhr werden die Türen der Turnhalle geöffnet, um 16 Uhr beginnt das Konzert, bei dem die Nachwuchsbands aus dem Camp ihre frisch getexteten Songs vorspielen. In diesem Jahr heißt das Motto „weniger Text und mehr Musik“, sagt Mitorganisator Helmut Kolzer. Im Anschluss wird gegrillt und das Lagerfeuer wird entzündet, so dass die Gäste ins Campgefühl eintauchen können. Kolzer: „Es wird Bändchen gegen eine Pauschale für Essen und Trinken geben – solange der Vorrat reicht. Wir haben 1200 Würstchen gekauft.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen