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Gemüsehandel : Wachstumskurs in schwierigen Zeiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Aus der Wildnis in alle Welt: Die Firma Elbegarten vermarktet einen Großteil der Gemüseernte aus Glückstadt und Umgebung. Drei Geschwister führen den Familienbetrieb.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Das Erntedankfest ist schon vorbei, aber auf den Gemüsefeldern rund um Glückstadt wird noch eifrig geerntet. Zurzeit ist der Kohl an der Reihe: Weißkohl, Chinakohl und Wirsingkohl. Ein Großteil der Gemüseernte wird über den Betrieb der Familie Hauschild in der Grillchaussee vermarktet. Der Betrieb hat sich im Juli des vergangenen Jahres aus dem Vermarktungsverbund Godeland herausgelöst und firmiert seitdem unter dem Namen Elbegarten.

Geführt wird der Gemüsehandel von den Geschwistern Silke (47), Kai (44) und Jörn (39) Hauschildt. Die drei Kinder der Unternehmensgründer Reimer und Inge Hauschildt haben eine Ausbildung im Obst- und Gemüsehandel absolviert und sind bereits seit den neunziger Jahren in der Geschäftsführung tätig. Silke Hauschildt leitet den Standort an der Grillchaussee: „Wir wollten wieder zurück zu unseren Wurzeln und den Betrieb als reines Familienunternehmen führen, um flexibler und regionaler agieren zu können.“

Das Hauptgeschäft befindet sich in Hamburg auf dem Großmarkt. Dort findet der Warenumschlag in einem Kühllager mit einer Größe von 3000 Quadratmetern statt, und die Ware wird an einem Großmarktstand direkt zum Verkauf angeboten. Sowohl ins In- als auch ins Ausland verkaufen die Hauschildts. Die Kunden sind vor allem Großhändler, Ladengeschäfte, Wochenmarkthändler, sowie Cateringunternehmen und Restaurants. „Auch Kleinstkommissionierungen wie die Versorgung von Schiffsbesatzungen im Hafen werden ausgeführt. Dieses Geschäft möchten wir noch weiter ausbauen,“ sagt Geschäftsführerin Silke Hauschildt.

Am Hamburger Standort sind 50 Mitarbeiter im Schichtbetrieb beschäftigt, die rund um die Uhr den Großmarktstand besetzen. Denn das Gemüse wird häufig auch nachts abgeholt, um morgens pünktlich in den Verkaufsstellen des Einzelhandels auszuliegen. Angeboten wird die gesamte Palette des Obst- und Gemüsehandels sowie von Saisonartikeln wie Spargel, wobei der Schwerpunkt auf Kopfkohl, Salaten und Kräutern liegt. Hauschildt: „Wenn saisonbedingt keine regionale Ware verfügbar ist, kaufen wir von Großhändlern bedarfsgerecht Produkte aus ganz Europa und aus Drittländern zu, denn der Endkunde will alle Produkte aus einer Hand geliefert bekommen, und wir müssen als Allrounder am Markt immer lieferfähig sein.“

Am Standort in der Engelbrechtschen Wildnis sind zehn Mitarbeiter beschäftigt. Dort wird die regionale Erzeugerware angeliefert und in Kühlhallen zwischengelagert. Mit dem firmeneigenen Kühllastzug gelangt das Gemüse dann nach Hamburg. Für große Warenmengen werden zusätzlich Speditionsbetriebe eingesetzt und für Kleinaufträge soll noch ein Kleinlieferwagen angeschafft werden.

In den Wildnissen ist die Firma nach Auskunft der Geschäftsführerin einer von zehn großen Gemüseanbaubetrieben. Alle regionalen Erzeugerbetriebe sind zertifiziert und bauen das Gemüse im integrierten Landbau an. Auch der Handelsbetrieb Elbegarten ist nach verschiedenen Standards mehrfach zertifiziert und wird extern kontrolliert.

Der Familienbetrieb wurde 1966 von Reimer und Inge Hauschildt mit dem Eigenanbau und der Vermarktung von Glückstädter Gemüse gegründet und ist seitdem kontinuierlich gewachsen. Kühlräume, eine Verladehalle und ein Kistenlager wurden gebaut und das Sortiment mit Kräutern aus aller Welt und Spargel erweitert. 1998 wurde das 3 300 Quadratmeter große Frischelager mit integriertem Büro auf dem Hamburger Großmarkt gebaut. 2003 hatte die Reimer Hauschildt GmbH einen Fuhrpark von elf Kühllastzügen. 2006 erfolgte dann die Fusion mit der Godeland Vermarktungsgruppe. Durch die Gründung der Elbegarten GmbH ist der Betrieb wieder zum Familienbetrieb geworden.

Das Geschäft soll noch ausgebaut werden. Dazu müssen die Zertifizierungen erfolgreich weitergeführt werden und durch die Teilnahme an der Fachmesse Fruit Logistica in Berlin sollen weitere Kontakte geknüpft werden.

Sorgen bereitet Silke Hauschildt die aktuelle Situation: „Die Erzeugerpreise sind auf einem niedrigen Niveau und auf einigen Gemüseanbauflächen wird schon Getreide angebaut. Durch den Wegfall des Russlandgeschäftes drängt sehr viel Ware auf den deutschen Markt und führt zum Preisverfall“, beschreibt sie.

Dennoch blickt die Geschäftsführerin positiv in die Zukunft. Schließlich ist im Betrieb schon die nächste Generation tätig: Ihre Kinder Anna (24) und Jan (26) haben ihre Ausbildung beendet und übernehmen Verantwortung im Unternehmen. Anna Johannsen hat im letzten Monat ihr Betriebswirtschaftsstudium mit dem Bachelor Abschluss beendet und kümmert sich um die vier Auszubildenden im Betrieb zum Groß- und Außenhandelskaufmann sowie für Lagerlogistik. „Ich bin seit meiner Kindheit in den Betrieb hineingewachsen und habe Freude an der Arbeit. Wir sind ein tolles Team“, sagt Anna Johannsen. Für die Firmengeschichte und die Familientradition fühle sie sich mitverantwortlich: „Ich möchte, dass der Betrieb auch in der nächsten Generation weitergeführt wird.“

 

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