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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 02:38 Uhr

„Vorteile für Gemeinde und Bürger“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ecklak plant bis zu sechs kleine oder vier große Windkraftanlagen / Möglichkeit der direkten Einwohner-Befragung wird geprüft

Gleich zu Beginn einer Einwohnerversammlung, die Donnerstagabend parallel zu der Infoveranstaltung über Windkraftanlagen in Dammfleth im Ecklaker Dorfkrug stattfand, bat Bürgermeister Heino Evers um eine sachliche Diskussion, um „nicht von meinem Hausrecht Gebrauch machen zu müssen“. Seine Bitte wurde erhört: Es blieb bei einer sachlichen Aussprache unter den gut 50 interessierten Bürgern, denen die Planungen für einen Windpark im Bereich Schöten- und Kellerweg auf den Nägeln brannten.

Das Thema bleibt weiter in der Diskussion. Dabei zeigte sich Klaus Strüven aus Aebtissinwisch als Geschäftsführer der „Windpark Schötenweg GmbH & Co. KG“ kompromissbereit. Die in einer „Goldkarte“ ausgewiesene Fläche könnte mehr als die hier geplanten vier bis sechs Windkraftanlagen verkraften. „Wir wollen aber nur fünf oder sechs jeweils 100 Meter hohe Anlagen bauen“, kündigte der 66-Jährige an. Falls sich diese Anlagen als Folge der Vorgaben durch das Land als unwirtschaftlich erweisen sollten, seien stattdessen vier jeweils 150 Meter hohe Mühlen denkbar. Sie sollen nicht über die Gesamtfläche verstreut, sondern in einer Reihe gebaut werden, sagte Strüven. Auf die ebenfalls im Gespräch befindliche Fläche am Meiereiweg will die Betreibergesellschaft komplett verzichten, „obwohl wir uns auch hier die Nutzungsrechte gesichert haben“. Damit könne dort auch niemand anderes Windkraftpläne realisieren.

„Am Schötenweg wird es ein echter Bürgerwindpark werden“, versprach Klaus Strüven. Neben der GmbH mit 17 Ecklaker Landwirten und zwei Landeigentümern, die aber in Dithmarschen wohnen, können sich auch alle anderen Ecklaker an dem Windpark beteiligen – mit Einlagen von mindestens 1000 Euro; höhere Beteiligungen seien durchaus denkbar. Strüven geht von einer Investitionssumme von 15 Millionen Euro aus. 20 Prozent, also drei Millionen Euro, müssen als Eigenkapital aufgebracht werden.

Der Firmensitz der Windpark GmbH soll mit dem Baubeginn nach Ecklak verlegt werden. Strüven unterstrich die Bereitschaft der GmbH, sehr viel für die Gemeinde zu tun. Mit der rechtzeitigen Beteiligung der Bürger an den Planungen wolle man „Beidenflether Verhältnisse“ auf jeden Fall vermeiden. Der Ecklaker Eggert Mohr erinnerte an den Bau des ersten Windparks in Ecklak an der Gemeindegrenze zu Landscheide. Die Zerwürfnisse innerhalb der Bevölkerung dürften sich nicht wiederholen. „Schon damals hatten wir auch Beidenflether Verhältnisse.“

Aus der Einwohnerversammlung wurde eine Anregung des Bürgermeisters aufgegriffen, „eine echte Bürgerbefragung“ über Pro oder Contra durchzuführen, damit die Gemeindevertretung ein Stimmungsbild aus der Bevölkerung erhält. Sowohl Bürgermeister Ewers als auch der leitende Verwaltungsbeamte Heiko Wiese räumten allerdings ein, dass die Einflussnahme der Ecklaker Bürger in die Regionalplanung „sehr gering“ sei.

Nach einem Schleswiger Gerichtsurteil, mit dem die bisherige Regionalplanung gekippt worden sei, habe das Land in einer „Goldkarte“ 4700 Windeignungsflächen ausgewiesen – sieben Prozent der Landesfläche, berichtete Klaus Strüven. Davon könnten aber 3000 Flächen nicht bebaut werden, weil etwa Naturschutzbelange dies nicht zulasse. „Es ist also sehr viel heiße Luft unterwegs“, so Strüven. Im neuen Regionalplan, dessen Entwurf im Sommer fertig sein soll, würden die Eignungsflächen von sieben auf nur noch zwei Prozent zusammengestrichen. Verbindlich werde der neue Regionalplan vermutlich erst im Sommer 2017. „Wenn der Schötenweg dann nicht mehr dabei ist, hat sich dann alles erledigt.“

Die Ecklaker Gemeindevertretung steht jetzt vor der Frage, ob sie die Planungen der GmbH positiv begleiten und durch eine ebenso positive Stellungnahme unterstützen soll. „Oder wir warten ab, ob die Fläche im Sommer immer noch im Planentwurf ausgewiesen wird“, sagte Bürgermeister Heino Evers.

Bisher sieht Klaus Strüven für den Schötenweg „eine Chance, etwas zu bauen, von dem auch die Gemeinde und die Bürger ihre Vorteile haben werden. „Wir müssen aus einem Gegeneinander zu einem Miteinander kommen“, sagte Strüven – und zeigte so die Möglichkeit eines Kompromisses mit geringerer Fläche, einer Bürgerbeteiligung für alle, finanziellen Vorteilen für die Gemeinde und Mitsprache der Gemeindevertretung auf. Für den Bau des Windparks wolle man Gemeindewege nutzen oder neue Wege als Baustraßen anlegen und unterhalten. „Davon wird die Gemeinde profitieren“, sagte Strüven und verwies auch auf die anfallende Gewerbesteuer aus dem Windpark. Er rechnet damit, „irgendwann um 2018/19 mit dem Bau beginnen zu können“.

Seitens des Landes sind die Mindestabstände der Windmühlen zur Wohnbebauung auf das Dreifache der Anlagenhöhe festgeschrieben. Die GmbH hat in einer Verpflichtungserklärung die Mindestabstände auf 480 Meter Entfernung zu Einzelhäusern und 850 Meter zum Dorf festgelegt.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 09:13 Uhr

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