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Flüchtlingsnetzwerk : Vorreiterrolle bei Willkommenskultur

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Überwältigende Resonanz beim Auftakt für das Flüchtlings-Netzwerk „Neues Willkommen“ im Saal des RBZ in Itzehoe.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 17:00 Uhr

Die Willkommenskultur im Kreis Steinburg lebt. Und wie. Weit mehr als 200 Gäste brachten den neuen Saal des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) Mittwochabend an seine Kapazitätsgrenzen. Stühle mussten nachgeholt werden, einige Besucher mussten stehen, nicht alle passten hinein, und immer wieder war von den Organisatoren zu hören: „Damit hätten wir nie gerechnet, toll.“

Der Verein neues Ehrenamt, das RBZ, die Caritas, die Schulkooperative Arbeitsstelle im Kirchenkreis, die Projektwerkstatt Inklusion, die Offene Kinder- und Jugendarbeit Itzehoe, die VHS Itzehoe, die Arbeiterwohlfahrt, das Christuszentrum, die Johanniter, die Diakonie, das Familienzentrum St. Ansgar und das Familiennetzwerk Kreis Steinburg hatten eingeladen, um eine Bestandsaufnahme der bestehenden Angebote für Flüchtlinge im Kreis zu machen. Als nächster Schritt soll die Arbeit der vielen Ehrenamtler gebündelt und koordiniert werden. Dafür waren fünf so genannte Themeninseln eingerichtet worden, auf denen Interessierte Perspektiven zu Bereichen wie Alltagsprobleme, Menschlichkeit und Bildung erarbeiten konnten.

Grundvoraussetzung: das Kennenlernen. Deshalb forderte Moderator Carsten Roeder vom Kinder- und Jugendbüro Itzehoe die zahlreichen Besucher gleich zu Beginn auf, Kärtchen auszufüllen, um Kontakte zu knüpfen. Pastor Willfrid Knees (Verein neues Ehrenamt) und Asta Nebeling (Caritas) begrüßten die Besucher und hatten sich dafür Verstärkung von einigen jungen Menschen geholt, die ein Willkommen jeweils in ihrer Muttersprache formulierten.

Dann übergab Knees das Wort an Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Die Expertin, die im Bereich „Information, Qualifizierung und Orientierung für Flüchtlinge und Multiplikatoren tätig ist, gab einen kurzen Überblick darüber, welchen Weg Asylsuchende beschreiten müssen, wenn sie in Deutschland ankommen. Sie informierte über rechtliche Fragen und Rechte von Flüchtlingen. Dallek gab aber auch Ehrenamtlern wichtige Tipps. „Die erste Aufgabe heißt, Mensch zu sein. Damit kann schon viel geholfen und manchmal eine Seele schon ein Stückchen geheilt werden.“ Ehrenamtler müssten aber immer auch fragen, wo die Bedürfnisse der Flüchtlinge liegen und ob die Hilfe überhaupt erwünscht ist. Aber auch die Helfer selbst dürften nicht auf der Strecke bleiben. „Achten Sie darauf, sich nicht sofort auszupowern, nicht sofort an Ihre Grenzen zu gehen, das nützt am Ende niemanden. Außerdem bieten Sie ihre Hilfe in Bereichen an, die Ihnen selbst Spaß machen. Da haben alle mehr von“, riet Andrea Dallek.

Im Gespräch mit unserer Zeitung empfahl sie, dass alle Personen, die ein erstes Interesse gezeigt hätten, die richtigen Ansprechstellen kennen müssen. Auch regelmäßige Treffen seien wichtig für den Austausch, auch wenn diese nicht immer in großen Rahmen mit allen statt finden müssten. „Es reicht auch, wenn sich Gruppen mit ähnlichen Angeboten austauschen.“ Wichtig, so die Expertin vom Flüchtlingstrat, sei auch eine Ansprechstelle, die die gesamte Arbeit koordiniert – möglichst auf hauptamtlicher Basis.

So eine Position könnte Mitte des Jahres in der Kreisverwaltung geschaffen werden. Landrat Torsten Wendt sucht derzeit nach einem Flüchtlingsbeauftragten, der sich dann möglicherweise genau um Aufgaben wie Koordination und Bündelung der Angebote kümmern könnte.

Welche Beachtung das Auftakttreffen „Neues Willkommen“ hat, zeigte auch der Besuch von zwei Vertretern aus dem Kieler Sozialministerium. Sie waren nach Itzehoe gekommen, um sich ein Bild des ehrenamtlichen Engagements zu machen. Genau damit beschäftigt sich auch das Ministerium. Derzeit wird an einem Leitfaden im Internet gearbeitet, der Ehrenamtlern, die aktiv werden möchten, eine klare Orientierung bieten soll. Der Kreis Steinburg könnte nach dem Auftakt im neuen Saal des RBZ jetzt eine Art Vorreiterrolle einnehmen.

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