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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 01:27 Uhr

Glückstadt : Vorlesen mit kleinen Hindernissen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vier Vorleser, vier Standorte: Am bundesweiten Vorlesetag hören die Kinder Geschichten an ungewöhnlichen Orten.

von
erstellt am 22.Nov.2014 | 08:02 Uhr

So hatte es sich Bürgermeister Gerhard Blasberg wohl nicht vorgestellt. Erst wollten die Kinder unbedingt die Küche des Ratssaales sehen. Und als er mit dem Vorlesen begann, war der erste Kommentar eines kleinen Jungen: „Ooh, wie langweilig.“ Zuvor hatten die Kinder weitere neugierige Fragen gestellt, wie: „Sieht das hier immer so ordentlich aus?“ Danach lief alles reibungslos, Zwischenfragen einbegriffen.

22 Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren waren gestern unterwegs, um sich an vier Orten etwas vorlesen zu lassen. Denn es war bundesweiter Vorlesetag. In Glückstadt organisierten Claudia Meyer von der Bücherstube, Nikolaus Dürr von der Volkshochschule und Stadtbüchereileiter Kristina Preiß den Lese-Rundgang.

Preiß war die erste, die in der Bücherei vorlas. Die Kinder saßen auf dem Fußboden und lauschten der Geschichte von Mathilda, einem Stachelschwein sowie den beiden kleinen Drachen Kokosnuss und Oskar. Das Aufregende: Sie treffen den außerirdischen Bobby vom Planten Zitterpappel. Bobby hat eine Antenne auf dem Kopf und eine grüne Nase. Die vier freunden sich an.

Von der Bücherei ging es weiter in die Feuerwache, wo Feuerwehrfrau Veronika Westphal wartete. Ihre Geschichte handelte von dem kleinen Mädchen Fritzi, die sich im Londoner Park dem Angriff eines Monsterschwanes erwehren muss. Plötzlich kommt der Polizist Henry aus dem Gebüsch und rettet sie.

Da Veronika Westphal viel früher als erwartet fertig war, bot sie den Kindern an, sich in die Feuerwehrautos zu setzen. Die bisher stillen Jungen und Mädchen brachen in lauten Jubel aus. Hinein klettern in die großen, roten Wagen war kein Problem, nur beim Herauskommen reichten die kurzen Beine nicht. Manche Mutter musste helfen.

Von dort aus ging es weiter in die Stadtkirche, wo Pastor Thomas-Christian Schröder mit der Geschichte „Die Schafgääääng – Im Auftrag des Widders“ wartete. Der Pastor hatte sich einen Stuhl im Altarraum hingestellt, die Kinder saßen auf den Stufen vor ihm oder lagen im Altarraum einfach herum. Da Schröder sehr gut vorlesen konnte, waren alle ziemlich still. Er erzählte von Will, dem Schaf, das lesen kann. Denn aufgewachsenen ist es in der Küche des englischen Herrenhauses.

Auch in der Kirche blieb noch Zeit die neugierigen Fragen der Kinder zu beantworten. Ein Junge suchte vergeblich den Geheimgang und wollte nicht so recht glauben, dass es keinen gebe. Dafür konnte ihm der Pastor das Loch im Leuchter zeigen, wo bei einem Krieg eine Kanonenkugel hineingeflogen war.

Von der anheimelnden Atmosphäre der Stadtkirche ging es in den eher nüchtern gestalteten Ratssaal. Doch die Kinder freuten sich, in den bequemen Stühlen Platz zu nehmen, wo sonst die Stadtvertreter sitzen.

Auch wenn der eine Junge am Anfang die Geschichte langweilig fand, entpuppte sie sich doch als spannend. Denn es ging um Lola, die eine Hochzeit zwischen einem russischen Spion und einer amerikanischen Spionin organisieren soll. Da die Gäste angesichts der brisanten Situation nicht gefährdet werden sollten, sollte die Hochzeit in einem Bunker auf Honolulu stattfinden. Für alle Gäste muss Lola daher kugelsichere Unterwäsche besorgen, die auch einem Atomanschlag standhält. Die Geschichte war starker Stoff für kleine Kinder, der sich schließlich als eine große Phantasie entpuppte. Doch das gab der Bürgermeister erst am Ende preis: Lola ist erst zehn Jahre alt und hat sich die Geschichte ausgedacht.

Toll fanden die Kinder, dass es zum Abschluss noch einen warmen Kinderpunsch gab. Und Organisatorin Kristina Preiß war begeistert vom Erfolg der Veranstaltung, die sie gerne wiederholen möchte.

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