Vorbild Wilster macht sogar in Ungarn Schule

Vorbild für Europa: Marlis Krumm-Voeltz und Dorothea Venzke sind stolz auf ihre Verbraucherschule.
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Vorbild für Europa: Marlis Krumm-Voeltz und Dorothea Venzke sind stolz auf ihre Verbraucherschule.

Lehrerin der Gemeinschaftsschule präsentiert Modellprojekt bei EU-Verbraucher-Fachtagung

shz.de von
02. Juli 2015, 14:10 Uhr

Dass Verbraucherbildung in der Gemeinschaftsschule Wilster weit oben auf dem Lehrplan steht, spricht sich nun sogar in ganz Europa herum. Das ungarische Amt für Verbraucherschutz war bei der Vorbereitung auf eine EU-Tagung über umfangreiche Internetrecherchen auf Wilster gestoßen – und hatte sofort Kontakt aufgenommen. „Erst dachte ich, das ist wieder so eine Fishing-Mail“, meinte Dorothea Venzke schmunzelnd zur Anfrage aus Budapest. Als Fachbereichsleiterin für Verbraucherbildung war sie erst einmal kritisch – was sie schließlich auch ihren Schülern täglich so vermittelt. Die Anfrage war aber echt. Im Mai schickten die Ungarn zwei Mitarbeiterinnen nach Wilster (wir berichteten) – und jetzt reiste Dorothea Venzke nach Budapest. Dort stellte sie gemeinsam mit Selvihan Koç von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein das in Deutschland bislang einmalige Modellprojekt vor.

Seit knapp zwei Jahren ist die Gemeinschaftsschule anerkannte Verbraucherschule. In der Praxis heißt das: Schon in den 5. und 6. Klassen werden die Kinder mit Themen rund um Verbraucherschutz und Ökologie vertraut gemacht. Ab den 7. Klassen gibt es Verbraucherbildung als Wahlpflichtunterricht für jeweils vier Stunden pro Woche. Die Inhalte sind so ausgerichtet, dass die Schüler fit gemacht werden für den Kampf in den Konsumwelten. Die Bandbreite reicht von der Frage, wie viele Erdbeeren tatsächlich im gleichnamigen Joghurt sind über aktuelle Diskussionen über Berge von Plastiktüten in der Nordsee bis hin zu Finanz- und Vorsorgekompetenz, listet Schulleiterin Marlis Krumm-Voeltz nur einige Beispiele der zahlreichen Lehrinhalte auf. „Unser Hauptziel ist es, nicht nur Wissen, sondern Handlungskompetenz zu vermitteln“, ergänzt Dorothea Venzke. Ganz wichtig: die Nachhaltigkeit des Projekts. So gibt es an der Schule jetzt acht Schüler-Verbraucherberater, die – entsprechend geschult – ihren Mitschülern mit Rat zur Seite stehen können und sich bei Bedarf über eine Hotline zur Verbraucherzentrale selbst schlau machen können.

Programm, Konzept, Inhalte und Umsetzung stellte Dorothea Venzke in großer Runde bei einer Podiumsdiskussion in Ungarn vor – offenbar mit großem Erfolg. In Rückmeldungen war von einer tollen Initiative die Rede, Schule und Verbraucherzentrale bekommen postwendend Anfragen für Besichtigungen und Einladungen zu weiteren Veranstaltungen, unter anderem von Vertretern aus Schweden und Norwegen.

Die Wilsteraner hoffen nun, dass das von der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz geförderte Modellprojekt weiter laufen kann. Immerhin war die Schule damit schon für den Bundes-Verbraucherschutz-Preis nominiert.

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