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Vor dem Tod nochmal nach Amerika: Lebenswunsch-Kunstwerk am RBZ

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 04.Okt.2015 | 18:14 Uhr

„Bevor ich sterbe, möchte ich: Leben, Deutsch lernen, nach Amerika, eine Familie gründen.“ Die einfachsten und unglaublichsten Wünsche stehen auf den Tafeln des schwarzen, dreieckigen Turms der im Innenhof des Regionalen Berufsbildungszentrums (RBZ) steht. Auf jeder Seite des interaktiven Kunstwerks prangt in großen weißen Lettern der Schriftzug „Before I die“. Jeder der vorbeikommt ist eingeladen, seine Lebensträumen mit Kreide auf den Tafeln festhalten.

Der Hospizförderverein Itzehoe hat den Turm in den Kreis Steinburg gebracht und am RBZ aufgestellt. „Zum 20-jährigen Bestehen hat der Hospizförderverein Kiel das Projekt ins Leben gerufen“, sagt Kirstin Bade, Koordinatorin des Vereins. Jetzt reist der Turm durch Schleswig-Holstein und bringt überall, wo er steht Menschen dazu, ihr Leben zu reflektieren.

So auch auf dem Schulhof des RBZ, wo der Turm lange stand. „In den Pausen drängen sich die Schüler darum“, sagt Schulleiter Klaus-Peter Teske. Die Jugendlichen diskutieren über den Sinn des Turms, über Wünsche, die andere darauf hinterlassen oder schreiben ihre eigenen nieder. Auf den Tafeln sind ernste, tiefsinnige Schriftzüge zu finden, aber auch sehr alberne. „Einige Schüler wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen“, meint Religionslehrer Rolf Paulsen, „Der Tod wird aus dem Alltag ausgegrenzt – dabei gehört er zum Leben.“

Das ist es, was die Hospiz-Gruppe mit der Aktion bezwecken möchte: das Thema Sterben wieder in den öffentlichen Diskurs bringen. „Dabei sind wir mit dem Projekt durch offene Türen gegangen. Herr Teske hat zugestimmt, bevor wir überhaupt gefragt haben“, erzählt Rüdiger Blaschke, Vorsitzender des Hospizvereins. Nach der Woche am RBZ steht der Turm vor der St. Laurentii-Kirche. Ab dem 16. Oktober ist das interaktive Kunstprojekt beim Familienzentrum der katholischen Kirche am Coriansberrg zu finden.

Ursprünglich wurde das Projekt von der Künstlerin Candy Chang aus Chicago initiiert. Als sie 2011 um einen ihr nahe stehenden Menschen trauerte, schrieb sie die Worte „Before I die I want to ...“ an die Wand eines leer stehenden Hauses. Innerhalb eines Tages war die Wand vollgeschrieben. Seitdem geht die Aktion um die Welt und bringt Menschen dazu, kurz innezuhalten.

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