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Historie : Vor 100 Jahren: Rundflug über Steinburg mit dem Luftschiff „Hansa“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Besatzung warf Luftpostbeutel über Kellinghusen ab. Heute ist das Relikt aus den Anfängen der Luftpost im Besitz von Olaf Steckel. Vor 100 Jahren berichteten auch die Itzehoer Nachrichten über das Ereignis.

In den Jahren 1912 und 1913 flog das Luftschiff „Hansa“ zweimal von Hamburg nach Itzehoe. Bei dem zweiten Flug, vor genau hundert Jahren, wurde dabei von der Besatzung ein Luftpostbeutel bei Kellinghusen abgeworfen, der heute noch existiert. Diese historische Rarität befindet sich in der Sammlung von Olaf Steckel (68). Der Itzehoer ist leidenschaftlicher Sammler.


60 Minuten mit dem Zeppelin in der Luft


 

In den „Itzehoer Nachrichten“ vom 4. Oktober 1913 war die Ankunft der „Hansa“ für den 5. Oktober folgendermaßen angezeigt worden: „Eintreffen auf dem Flugplatz nachmittags gegen 2.30 Uhr. Passagierwechsel und Aufstieg zur 1 Stundenfahrt gegen 2.50 Uhr. Landung auf dem Flugplatz gegen 3.50 Uhr. Passagierwechsel und Weiterfahrt nach Hamburg gegen 4.10 Uhr.“

24 Passagiere konnte die „Hansa“ aufnehmen. Der Itzehoer Feinkosthändler August Frahm war beim Rückflug nach Hamburg mit an Bord und schrieb auf einer der Luftschiff-Postkarten an einen Freund: „Gruß a. d. Luft.“ Eine Kuriosität: Diese Luftschiff-Postkarte trägt den abgeänderten und ursprünglich für den Zeppelin ‚Schwaben’ bestimmten Bordstempel. Ein Begleittext beschreibt das Ereignis von 1913: „Zu diesem Flug waren einige bekannte Bürger unserer Stadt nach Hamburg gefahren und nahmen von dort aus am Flug nach Itzehoe teil. In Itzehoe selbst gingen andere Mitbürger unserer Stadt und der Nachbarstädte wie Kellinghusen an Bord der ‚Hansa’ und erlebten eine einstündige Rundfahrt. Auf dieser Rundfahrt wurde u. a. auch ein Postbeutel bei Kellinghusen abgeworfen.“ Das ist genau der Postbeutel des Itzehoer Sammlers. Die Postkarte von August Frahm und der Begleittext dazu werden im Gemeinsamen Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe verwahrt.

Über die Luftpostbeutel informiert die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft Zeppelinpost aus Dornburg/Hessen (ARGE): „In den Jahren 1910 bis 1936 sind wohl einige hundert Abwürfe mittels Abwurfbeutel vorgenommen worden. Im Besitz von Museen und Sammlern sind jedoch heute nach seriösen Schätzungen wohl nicht mehr als 60 bis 80 Exemplare insgesamt anzutreffen.“

Das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen gab in einer Pressemitteilung 1965 bekannt: „Ende vergangenen Jahres konnte das Bundespostmuseum in Frankfurt am Main den einzigen Luftpostbeutel des Zeppelin-Luftschiffs LZ VII ‚Deutschland’ erwerben.“ Zum Text hatte die Pressestelle des Ministeriums auch ein Foto gestellt, das den Luftpostbeutel der „Deutschland“ zeigt. Er wurde am 28. Juni 1910 nach der Notlandung im Teutoburger Wald an einem Baum hängend gefunden. Die Pressemitteilung befindet sich ebenfalls in der Sammlung von Olaf Steckel. An den Rand des Schriftstücks hat er notiert: „Genau so sehen meine Abwurfbelege aus.“

Die Beschreibung des Bonner Ministerium lautet: „Der Luftpostbeutel besteht aus gelblichem Ölpapier und hat eine Größe von 26x13 cm. Er ist durch ein 2,70 m langes, schwarz-weiß-rotes Band mit einer 20x18 cm großen Fahne verbunden, in deren Mitte sich das Wappen der HAPAG und ein Anker befinden.“ Dem Ministerium zufolge gelang es mit dem Erwerb des Luftpostbeutels der „Deutschland“, „diesen wertvollen Beleg aus der Frühzeit der Luftschifffahrt und der Luftpost im Bundespostmuseum mit anderen Gegenständen aus dem gleichen Stoffgebiet zu vereinigen und in einer neugestalteten Vitrine einem größeren Interessenkreis zugänglich zu machen“.

Wie der bei Kellinghusen abgeworfene Luftpostbeutel zu behandeln war, darüber gibt ein Aufdruck auf dem Ölpapier Auskunft: „Der Finder dieser Luftpost wird höflichst gebeten, den Inhalt dieser Tasche bei dem nächsten Postamte möglichst sofort abzuliefern. Für die Bemühungen liegen 50 Pfg. bei.“ Dass auch der Luftpostbeutel mit dem farbigen Band und der Fahne abzugeben wäre, ergibt sich aus der Nachricht nicht.


Luftpost-Abwürfe aus Zeitmangel


 

Die Arbeitsgemeinschaft Zeppelinpost teilt mit: „Abwürfe mittels Abwurfbeutel wurden überall dort vorgenommen, wo aus Zeitgründen, fehlender Logistik, d. h. keine Haltemannschaft und keine Luftschiffhalle vorhanden, eine Postübergabe am Boden nicht möglich oder vorgesehen war. Mit dem Einsatz der Abwurfbeutel wollte man die Verluste von nicht aufgefundenen, früher lose bzw. einzeln abgeworfenen Fundmeldekarten vermeiden.“

Über die Geschichte des Kellinghusener Fundes vom 5. Oktober 1913 ist wenig bekannt. Olaf Steckel wüsste gern, wer seinen Luftpostbeutel damals gefunden hat. „Das herauszufinden, wird nach so langer Zeit wohl schwer sein. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben.“ Dass sich der Itzehoer mit historischen Themen befasst und eine wahre Sammlerleidenschaft entwickelt hat, verdankt er seinem Schwiegervater Norbert Kannapin: „Er hat die ‚Deutsche Feldpostübersicht 1939 – 1945’ in drei Bänden herausgebracht. Über ihn bin ich zum Sammeln gekommen.“

 

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erstellt am 05.Okt.2013 | 17:30 Uhr

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