Von Schmusetigern und wilden Wölfen

Küsschen gibt Papagei-Dame 'Mindy'.
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Küsschen gibt Papagei-Dame "Mindy".

Belgierin tritt mit ihrer Hunde-Dressur im Kellinghusener Weihnachtscircus auf / Vorstellungen noch bis 9. Dezember

shz.de von
06. Dezember 2012, 07:07 Uhr

kellinghusen | Wenn im Zirkus die Raubtiere in die Manege kommen, sitzen die Zuschauer meist hinter dicken Gitterstäben. Nicht so bei "Dompteurin" Rafaela. Bei ihr können die Besucher ihre wilden Tiere hautnah erleben, ohne Netz, ohne Käfig, Auge in Auge mit der Bestie quasi. Naja fast. Denn ihre Raubtiere sind in Wirklichkeit ein Haufen verschmuster weißer Schäferhunde. Wenn die durch die Manege toben und gekonnt von einem Podest auf das nächste springen, wirken sie fast wie ein Rudel wilder Wölfe. Und das ist kein Zufall. "Ich wollte schon immer was mit Hunden machen, was aussieht wie eine Raubtierdressur", erzählt sie. Mit ihrer "Wolfsnummer" tritt die gebürtige Belgierin in diesem Jahr auch im Weihnachtscircus Zaretti in Kellinghusen auf.

Das Zirkus-Gen bekam die 40-Jährige, die aus einer Artistenfamilie stammt, schon mit in die Wiege gelegt. Mit neun Jahren stand sie erstmals in der Manege, damals noch mit einer Artistik-Nummer. "Mein Vater war Trapez-Künstler und ich bin von Anfang an damit aufgewachsen", erklärt sie. Als sie älter wurde, fing sie an, mehr mit Tieren zu arbeiten. Mit zwölf Jahren bekam sie ihren ersten Esel, der mittlerweile zwar im "Ruhestand" ist, aber noch heute bei ihr lebt. "Die Tiere sind mein Leben", sagt Rafaela, die mit richtigem Namen Marleen de Koeyer heißt. Hunde, Vögel, Waschbären oder Füchse - "bei mir hat zwischen Pferd und Vogel schon fast alles gelebt".

Im Moment gehören neben den Hunden noch 13 Papageien zur Familie. Eine halbe Stunde trainiert sie täglich mit den Tieren, probt aktuelle Nummern und feilt an neuen Ideen. Denn wie beim Fußball gilt auch beim Zirkus: Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung. "Man muss sich ständig etwas Neues ausdenken, weil man nicht zwei Jahre hintereinander das gleiche bringen kann", erklärt die Artistin.

Zwei Wochen lang war die Störstadt das Zuhause für sie, ihren Mann und ihre zehnjährige Tochter. Lange bleibt die kleine Familie selten an einem Ort. "Wir treten in ganz Europa auf. Wenn die letzte Show vorbei ist, fahren wir weiter nach Holland, um dort bei einem anderen Weihnachtszirkus zu arbeiten", so die Tierfreundin. Heimweh habe sie trotz der ständigen Reiserei nicht. "Ich habe mein Zuhause ja immer dabei."

Auch bei Zaretti wechselt das Programm ständig - schließlich hat der Weihnachtszirkus in Kellinghusen längst Kultstatus erreicht. Viele Besucher kommen jedes Jahr und sollen immer wieder etwas Neues zu staunen haben. In diesem Jahr sind neben preisgekrönten Akrobaten aus der Ukraine auch zwei Bisons dabei - eine Seltenheit in der Zirkuswelt.

Und damit beim Besuch auch gleich die richtige Atmosphäre aufkommt, können sich die Gäste auf dem Weihnachtsmarkt im beheizten Foyer-Zelt einstimmen.> Der Weihnachtscircus ist noch bis Sonntag, 9. Dezember, an der Wiesengrundhalle in Kellinghusen zu sehen. Vorstellungen: Heute 17 Uhr, Freitag und Sonnabend 15.30 Uhr, Sonntag 11 und 15.30 Uhr.

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