Kulturverein in Wilster : Von Pferdeflüsterern und Mördern

Oktober: Manfred Weindl,  der Pferdeflüsterer.
Oktober: Manfred Weindl, der Pferdeflüsterer.

Der Verein Leselust und Stadtbücherei bieten nach der Sommerpause ein attraktives Lese-Programm.

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06. August 2018, 05:08 Uhr

Nach der Sommerpause startet der Verein „Leselust“ in Kooperation mit der Stadtbücherei Wilster wieder mit einem attraktiven Herbstprogramm durch. Die Bandbreite reicht diesmal von einem Pferdeflüsterer bis zu einem Krimi aus viktorianischer Zeit.

Den Auftakt macht am 18. September Manfred Weindl – Polizist mit Leib und Seele, bis ihn ein Zwischenfall im Dienst aus der Bahn wirft. Er stürzt in eine tiefe Depression und muss schließlich seinen Job an den Nagel hängen. Auf dem Höhepunkt seiner Krise kauft er eine Stute, Girly – obwohl er nie zuvor auf einem Pferd gesessen hat.

Durch Girly bekommt Weindl wieder Zugang zu seinen verschütteten Gefühlen, kann sich Stück für Stück aus seiner Depression befreien. Und er entdeckt, dass in ihm das Talent schlummert verhaltensauffällige Pferde zu heilen. Seine Feinfühligkeit, so erkennt er, ist keine Schwäche, sondern seine größte Stärke.

Frank Bauer Weindls Geschichte erzählt von der Kraft des Selbstmitgefühls, der Chance von Krisen – und sie beweist, dass es nie zu spät ist seine Träume zu leben. Heute ist er ein „Pferdeflüsterer“ und gefragter Experte, der in ganz Deutschland Pferden und ihren Besitzern hilft.

Weiter geht es am 18. Oktober mit Dominik Bloh und „Unter Palmen aus Stahl“, der Geschichte eines Straßenjungen. Das Elternhaus war schwierig, und als die Großmutter starb, folgte der freie Fall. Dominik Bloh war noch ein Teenager, als seine Geschichte auf den Straßen Hamburgs begann. Mehr als ein Jahrzehnt schlief er immer wieder auf Bänken oder Brücken – und versuchte, trotz Hunger, Kälte und Einsamkeit ein Maß an Normalität aufrecht zu erhalten. Er ging weiter zur Schule, machte später sogar Abitur.


Mut zu Veränderungen

In seinem Buch erzählt Dominik Bloh, Jahrgang 1988, in eigenen Worten, wie das Leben ganz unten in Deutschland spielt und wie er sich heraus gekämpft hat. Ein Buch, das auch vom Mut handelt und von der Courage, sich und sein Leben zu ändern. Bloh lebt heute in einer kleinen Wohnung und hat einen Job.

Sonntag, 18. November, ist dann Loel Zwecker mit „Vom Anfang bis heute“ zu Gast. Es war einmal ... eine Reise, die mit dem Urknall begann und die noch lange nicht zu Ende ist. Von der ersten Zelle zu den Goldenen Zwanzigern und vom alten Ägypten zur App ist es dabei bisweilen nur ein Katzensprung. Loel Zwecker erzählt davon anschaulich und alltagsnah, mit einem Blick für überraschende Details und verborgene Zusammenhänge: Wie im Mittelalter die Brille erfunden, in Indien die Meditation zu einer echten Macht wurde und die Waschmaschine unser Leben veränderte.

Ein Buch zum Lesen und Vorlesen, das allen ab zehn Lust auf Geschichte macht. Denn Geschichte braucht Geschichten – und diese ist eine ganz besondere. Es ist ein Schnelldurchlauf durch die Weltgeschichte. Man lernt alle wichtigen Herrschervölker der letzten Jahrtausende kennen, erfährt am Rande einige wichtige Fakten über die Evolution und zahlreiche Erfindungen. Dabei ist der Schreibstil nicht lehrbuchhaft und langweilig, sondern im Gegenteil spritzig, teils witzig und auf jeden Fall lebendig.


Sonderlesung über Mary E. Braddon

Für 29. November ist dann eine Sonderveranstaltung mit der Wewelsflether Autorin Anja Marschall vorgesehen. Sie berichtet über das Leben und Wirken der Autorin Mary E. Braddon. Wer die Anja Marschall bisher nur vom Krimigenre kennt, wird überrascht sein zu hören, dass sie ein ungewöhnliches Hobby hat. Sie übersetzt in ihrer Freizeit alte viktorianische Bücher vom Englischen ins Deutsche.

1862, also lange vor Agatha Christie, schrieb die heute kaum noch bekannte Mary Elisabeth Braddon den ersten Megabestseller ihrer Epoche: „Lady Audleys Secret“. Dieses Buch wurde 2012 von Anja Marschall übersetzt und behutsam bearbeitet, so dass der Text den heutigen Lesegewohnheiten eher entspricht. „Das Geheimnis der Lady Audley“ wurde auch in Deutschland ein Erfolg.

Jetzt erscheint im November eine weitere Übersetzung und Bearbeitung eines Buches von Mary E. Braddon: „Aurora Floyd“ (1863). Anja Marschall wird einen spannenden Vortrag über die Autorin Braddon, ihr Leben, ihre Zeit und ihre Bücher halten sowie einen Blick in den Originaltext und die Übersetzung bieten. Die „Leselust“-Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr und finden im Spiegelsaal des Neuen Rathauses statt. Sie sind weiterhin kostenlos, Spenden sind willkommen und werden benötigt, um auch künftig gute Autoren zu verpflichten.


>Anmeldungen in der Stadtbücherei: 04823/921336.

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