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Norddeutsche Rundschau

19. Oktober 2017 | 11:11 Uhr

Glückstadt : Von Minifrauen und Liliputonen

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

„Die kleine Welt in der Zigarrenkiste“ von Gehrt Schröder ist einzigartig und wird von ihrem Erfinder immerzu weiterentwickelt

Seine Figuren sind kleiner als Würfel. Ihre Kleider sind selbst dem kleinen Finger eines Kindes zu eng. Gehrt Schröder baut seit 2009 Figuren und Kulissen im Maßstab 1:72. Zurzeit stellt er in der Sparkasse Glückstadt aus.

In den Zigarrenschachteln des 79-Jährigen finden sich ganze Welten. Die eine zeigt einen Modeladen: „Da ist eine Nähmaschine drin, Schuhe werden verkauft und auch Hüte sind im Angebot“, beschreibt Schröder die Szene in der Schachtel. Die kleinen Frauen und Männer in der Holzkiste sind lediglich 2,8 Zentimeter hoch und die Schuhe gerade so groß wie eine Bleistiftmine. „Das ist alles Handarbeit und jedes Stück ist einzigartig.“ Er schnitzt Miniaturen aus Holz. Kleine Männer und Frauen, Möbel und Werkzeuge. Die Hände seiner Figuren sind in ihrer Rohform Zahnstocher. Danach arrangiert er seine Werke in den Zigarrenkisten zu einer Szene. Das Arbeiten mit den Kunstwerken im Mini-Format erfordert von ihm viel Fingerspitzengefühl, eine ruhige Hand und viel Ausdauer. Zwei bis drei Monate braucht er für eine Schachtel, je nachdem, wie aufwändig und detailliert die Szene ist.

Auf sein Kunstkonzept „Die kleine Welt in der Zigarrenkiste“ hat er ein Patent, freut sich über das Alleinstellungsmerkmal. Dennoch sucht Gehrt Schröder nach Wegen, seine Figuren noch spezieller zu machen. „Die frischeste Neuerung ist, dass ich meinen Holzfiguren Kleidung schneidere.“ Das mache außer ihm keiner in der Größenordnung. Im Miniatur Wunderland Hamburger etwa werden die Figuren mittlerweile mit Hilfe eines 3-D-Druckers erstellt. „Das ist keine Handarbeit mehr und die Kleidung ist nur aufgedruckt.“

Wie genau er das bewerkstelligt, die Kleider, die keine zwei Quadratzentimeter groß sind, zu schneidern und zu nähen, verrät er nicht. „Nur so viel: Ich stelle sie aus Kunstseide her und schneide sie mit einem Glühdraht zu. Dadurch verbinde ich auch die Fasern der Vorder- und Rückseite der Kleider.“ Denn in der Größe mit Nadel und Faden zu nähen, sei kaum möglich. „Das Problem an der Kunstseide ist nur, dass ich sie immer vierlagig verwenden muss, damit sie nicht durchsichtig ist.“ Beflockten Stoff hat er schon getestet und für gut befunden, doch dafür fehlt ihm noch die geeignete Bezugsquelle.

Vor gut zwei Jahren hat Gehrt Schröder mit dem Schneidern kleiner Kleidungsstücke für seine Miniaturfiguren angefangen. Vorher malte er dem geschnitzen Holz nur die Formen und Farben der Textilien auf. Das Erste was er seinen Figuren schneiderte, waren Röcke, die er mit kleinen, kreisrunden Schablonen zuschnitt. Danach suchte er nach Möglichkeiten, die geschnitzen Körper ganz zu bekleiden und entwickelte das Glühdraht-Verfahren. „Der Kleidungsstil der Figuren ist aber nicht modern. Sie tragen nicht diese engen kurzen Hosen, sondern weite, verzierte Kleider.“ Die Mode der 70er und 80er Jahre vermisse er, sagt der Künstler.

„Beim Entwickeln neuer Ideen treibt mich die Freude an, Neues zu machen, gern auch Kompliziertes. Ich probiere dann so lange aus, bis ich eine Lösung gefunden habe.“ Eine dieser neuen Projekte sind auch seine „Liliputonen“. Das ist eine eigene Wortschöpfung des 79-Jährigen für Bilder, die aus neun oder 15 zusammengebauten Zigarrenkästen bestehen. „In einer meiner Liliputonen habe ich verschiedene Dinge und Situationen aus dem alten Landhandwerk abgebildet und in einer anderen unterschiedliche Fantasiewelten.“

Ein anderes neueres Projekt von Gehrt Schröder sind die „Leseratte“ und „Bücherwürmer“. Bei diesen Werken baut er die Figuren nicht direkt in den Zigarrenkästen, sondern auf den Deckel der Schachteln. „Im Inneren der Kisten ist ein Geheimversteck , in dem sich ein kleines Buch befindet.“ Die Kurzgeschichte, die dort drin steht, hat er selbst geschrieben.

Der ehemalige Bezirksleiter von Bahlsen macht nicht nur Miniaturkunst, sondern malt, schreibt und musiziert auch. „Ich bin der Meinung, dass gerade Senioren ein gutes Hobby brauchen.“ Den Vormittag über ist er meist mit seiner Frau unterwegs, nachmittags sitzt er dann in seiner rund vier Quadratmeter kleinen Werkstatt und nimmt sich Zeit für sein aufwendiges Hobby.


> Ausstellung bis zum 18. März in der Sparkasse.

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