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Norddeutsche Rundschau

21. August 2017 | 14:46 Uhr

Von Kriegen, Flüssen und Neubauten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jahreszahlen mit einer 4 am Ende brachten für die Stadt und ihre Bürger stets große Veränderungen mit sich

„Nun man feste druff!“ So kommentiert ein Offizier der Itzehoer Garnison den Kriegsausbruch vor 100 Jahren. Wie 1914 haben auch andere Jahreszahlen mit einer 4 am Ende in der Stadtgeschichte ihre Spuren hinterlassen, mit großen Veränderungen im Leben der Bürger. Ein Streifzug „auf allen Vieren“ durch Itzehoes Vergangenheit.

Die Szene ist überliefert. Wie jeden Tag sitzen die jungen Offiziere des Artillerie-Regiments Nr. 9 im Kasino beim Abendessen. Da überreicht eine Ordonnanz dem Tischältesten, Hauptmann Nahmmacher, einen Zettel. Der liest, steht auf und sagt: „Meine Herren, die Mobilmachung ist erklärt“. Seinem forschen „Feste druff“ folgt, so berichtet die Chronik, „ein dreifaches Hurrah auf den Allerhöchsten Kriegsherrn“.

Nicht nur die Militärs sind alarmiert. Am 5. August 1914 ist die St.-Laurentii-Kirche beim Abendgottesdienst überfüllt. „Wie von einem unwiderstehlichen inneren Drange geleitet, trieb es die Menschen zur heiligen Andacht“, schreiben die „Itzehoer Nachrichten“.

Die „Neuner“ zahlen einen hohen Preis. An der Westfront in fast allen großen Schlachten eingesetzt, verlieren 264 Kanoniere, 51 Offiziere und 63 Unteroffiziere ihr Leben. An sie erinnert, 1925 eingeweiht und inzwischen verwittert, das Ehrenmal in der Kirchenstraße.

Die Folgen des verlorenen Krieges wirken lange nach: Gebietsabtretungen, Reparationen, Inflation – die Weimarer Republik tut sich schwer. 1934 werden auch in Itzehoe die letzten demokratischen Strukturen beseitigt. Eine neue Gemeindeverfassung entmachtet Magistrat und Stadtvertretung. Von nun an herrscht das „Führerprinzip“. Zu sagen hat nur noch einer, der Bürgermeister. Und das ist der Ortsgruppenleiter der NSDAP. 1944 geht auch das zu Ende. Im Zweiten Weltkrieg zeichnet sich die Niederlage ab. Itzehoe, vom Krieg weitgehend verschont, nimmt Hamburger Ausgebombte und Flüchtlinge aus dem Osten auf. Zum „Volkssturm“ wird aufgerufen. Im darauf folgenden Mai kommen die Engländer.

Noch eines weiteren Krieges mit weit reichenden Folgen ist 2014 zu gedenken: Mit dem deutsch-dänischen Konflikt 1864 ändern sich auch in Itzehoe die Machtverhältnisse. Das dänische Militär, immerhin seit 1631 in der Stadt präsent, rückt ab, sächsische Dragoner nähern sich. Stadtchronist Rudolf Krohn, dem wir das immer noch lesbare Buch „Spaziergänge durch Alt-Itzehoe“ verdanken, zitiert einen Augenzeugen, der die Stimmung in der damals gerade mal 7356 Einwohner zählenden Stadt wiedergibt: „Das Volk wogte ungeduldig auf den Straßen, man klebte Proklamationen am die Straßenecken, welche die Offiziere vergeblich zu beseitigen suchten. Hin und wieder ward sogar eine schleswig-holsteinische Fahne sichtbar“. Gegen den einzelnen Soldaten hatten die Itzehoer offenbar nichts. „Das Verhältnis des dänischen Militärs, welches in Bürgerquartierten lag, zur Bürgerschaft war gut“, heißt es in einem anderen Bericht. „Weshalb auch nicht? Die dänischen Soldaten waren gutmütige Menschen, wie wir Itzehoer es ja auch sind, und taten einander nichts zuleide“.

Durchblättert man Dr. Rudolf Irmischs dickleibige „Geschichte der Stadt Itzehoe“, fällt eine frühe „Vier“ ins Auge. „Schnell und ruhig“ vollzieht sich die Reformation in Itzehoe. Sie beginnt 1524 mit einem königlichen Edikt, „dass niemand bei Hals, Leib und Gut um der Religion willen, ganz gleich ob päpstlicher oder lutherischer, einem anderen an Leib, Ehre und zeitlichen Gütern Gefahr und Unheil zufüge“. Es solle sich vielmehr „jeder in seiner Religion so verhalten, wie er es vor Gott dem Allmächtigen zu verantworten gedächte“. Ein friedlicher Umbruch. In den Kirchen statt Messen protestantische Gottesdienste, Nebenaltäre und Beichtstühle verschwinden. Als erster Prediger erwähnt wird Johann Amandus van Campen, ein ehemaliger Mönch. 1904 erhalten Itzehoes Katholiken dann in der Hindenburgstraße wieder ein eigenes Gotteshaus.

Wenn man nach Jahreszahlen sucht, die Veränderungen bedeuten, darf 1834 nicht fehlen. Itzehoe, mit 5500 Einwohnern nur eine Kleinstadt, wird Sitz der Holsteinischen Ständeversammlung und damit zum politischen Mittelpunkt Holsteins. Getagt wird im Ständehaus, dessen Bau im Frühjahr beginnt. Im August folgt die Grundsteinlegung, am 1. Oktober im Jahr darauf die feierliche Einweihung. Die Ständeversammlung ist ein nur bedingt demokratisch legitimiertes Vorparlament, wählen darf nur, wer Vermögen besitzt. Beschlüsse haben lediglich beratenden Charakter und werden oft gar nicht weitergeleitet. Unzensiert aber sind die Reden, es wird „mutig und kraftvoll“ gesprochen. Einer der markantesten Abgeordneten ist der Itzehoer Georg Löck. Sein Denkmal steht heute vor dem Ständesaal.

Noch ein paar Zahlen aus der jüngeren Vergangenheit: 1964 beschließt die Ratsversammlung den Bau einer zweiten Realschule. Die an der Gorch-Fock-Straße platzt aus allen Nähten. 1974 wird, allen Bürgerprotesten zum Trotz, die Störschleife zugeschüttet. „Das Dreckloch muss weg“, heißt es. Inzwischen weiß man es besser: Die „Störauf-Bewegung“ bemüht sich um Wiedergutmachung. 1984 wird der Wettbewerb für den Neubau des Theaters ausgeschrieben. Zehn Architekturbüros beteiligen sich. Prof. Gottfried Böhm aus Köln macht das Rennen. Erfreuliches auch 1994: Für das Technologiezentrum IZET wird der Grundstein gelegt, Breite Straße, Kirchenstraße und Ölmühlengang werden Fußgängerzone.

Zum Schluss eine ganz aktuelle Reminiszenz: 1924 nimmt die Firma Gruner & Sohn ihren Betrieb in Itzehoe auf…


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erstellt am 20.Jan.2014 | 05:00 Uhr

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