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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 21:52 Uhr

Medien : Von Hieroglyphen zu Computern

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Zeitungsmacher sprechen über Medien im Wandel. Gymnasiasten präsentieren ihre Arbeiten zum Thema in einer Ausstellung

„Neugier, die Fähigkeit nachzufragen und zu hinterfragen“, das sind Voraussetzungen für einen Journalisten. Weg von der Routine, zu denken und „ein bisschen Liebe zur deutschen Sprache“. Dieses Rüstzeug müsse ein guter Reporter haben, erklärte Dieter Schulz. Der leitende Redakteur beim Mutterhaus der Glückstädter Fortuna sprach bei der gemeinsamen Veranstaltung der Zeitung und des Detlefsengymnasiums über das Thema „Medien im Wandel“. Begleitend wurden Schülerarbeiten des gleichnamigen Projektes in der Aula gezeigt.

Den Anwesenden sagte Schulz, er könne viele schnell fit machen, um einen Bericht zu schreiben. „Das ist pures Handwerk.“ Doch zum Journalismus gehöre mehr: Es gehe darum, das Potenzial einer Geschichte zu erkennen. Und diese Fähigkeiten gelten sowohl für das Schreiben in der Zeitung als auch für das Internet. „Da hat sich grundsätzlich überhaupt nichts verändert.“ Der 52-Jährige erklärte, dass er während seiner Ausbildung 1982 selbst noch auf der guten alten mechanischen Schreibmaschine geschrieben habe. Die Zeitungsseiten wurden damals noch per Hand gestaltet, wofür ein Typometer gebraucht wurde. Dieses, einem Lineal ähnliche Werkzeug hielt er hoch, um es zu zeigen. „Volontäre wissen heute nicht einmal mehr, wie man Typometer schreibt“, scherzte er über den heutigen Journalisten-Nachwuchs, der ausschließlich am Computer, Tablet oder Smartphone arbeitet.

„Wenn wir heute über den Medienwandel sprechen, müssen wir in erster Linie über den Wandel in dem Komplex Kommunikationsmittel, Kommunikationskonzepte und Kommunikationsorganisatoren sprechen. Sonst reduzieren wir das Problem einzig und allein auf den technischen Wandel.“ Und das würde falsche Schlüsse liefern. Medien im Wandel bedeuten in erster Linie einen Wandel im Selbstverständnis des Journalisten, einen Wandel in der Arbeitsweise und den verstärkten Fokus auf die Zielgruppe der „Millennial Generation“ (Jahrtausender).

Die Schrift dient dabei als Voraussetzung der Massenkommunikation: Als Beispiel nannte Schulz die Erfindung der Schriften wie Hieroglyphen aus dem alten Ägypten und die Runen aus Norden. Sie wurden noch auf Stein gemeißelt und in Tempeln ausgestellt, damit sie gelesen werden konnten – die Fähigkeit zum Kommunizieren war gegeben. Im Mittelalter waren es Mönche, die Bücher kopierten, indem sie diese per Hand abschrieben. Das war teuer, die Bücher waren nur einer Elite vorbehalten. Aber das Mittel zum Kommunizieren war da. Erst mit Johannes Gutenberg, der den Buchdruck erfand, wurden gedruckte Nachrichten vielen Menschen zugänglich gemacht. Eine weitere Voraussetzung, um Nachrichten zu verbreiten: Der Leser muss sie lesen. Und: „Er muss sie sich auch leisten können“, schlug Schulz den Bogen zum Mittelalter zurück, wo ein handkopiertes Buch mehrere Jahresgehälter kosteten. „Auch die ersten Radios, Fernseher und Computer waren nur den Eliten zugänglich.“ Heute ist die Zeitung ein Medium, welches sich viele Menschen leisten können. Doch die Zahlen derjenigen, die sie lesen, gehen zurück. „Die Auflage aller deutschen Zeitungen ist in den vergangenen 20 Jahren von 127 Millionen Exemplaren auf 97 Millionen gefallen“, erklärte der Medien-Experte. Die der Tageszeitungen sind von 27 Millionen Exemplaren auf 18,81 Millionen gefallen. „Jeder Deutsche ab 14 Jahren schaut pro Tag 208 Minuten Fernsehen, hört 173 Minuten Radio und liest nur 42 Minuten Zeitung.“ Doch die Schlussfolgerung: „Print ist tot“, sei falsch. Als Beispiel nannte Dieter Schulz die Neugründung der Glückstädter Fortuna in 2014. Die Auflage sei stetig gewachsen und habe inzwischen zwei renommierte Titel im Verlag überholt.

Schulz erinnerte auch an die Anfänge des Internets: Vor zehn Jahren verbrachte der Durchschnittsbürger 80 Minuten am Tag im Internet, heute seien es 187 Minuten. „In den USA hat das Web als Medium das Fernsehen schon überholt.“ Doch die Zahlen beim Lesen von Print-Medien seien stabil geblieben. Dazu sei dann noch die Lesezeit der Digitalabonnenten gekommen. Das gelte auch für die Tablets, die mittlerweile jeder zehnte Zeitungsleser nutze. „Unser Verlag hat beispielhaft auf den digitalen Wandel reagiert.“ Auch bei Facebook sei der Verlag früh gestartet. Und neu gebe es den täglichen Newsletter der Chefredaktion, den interessierte Leser kostenlos täglich per E-Mail bekommen. Das Digitale sei quasi in der DNA des Verlages verankert – die Reichweite habe sich erhöht.

Ob Zeitung oder Internet: Die Nachricht und Story muss den Leser interessieren und die journalistische Arbeit glaubwürdig sein. Zudem zeigte Schulz über die Großleinwand Beispiele, wie heutige Zeitungsseiten aussehen und wie die Wirkung von Fotos und Überschriften ist. Bei diesem technischen Part halfen in der Technikabteilung des Gymnasiums die Schüler Henrik Werner (15), Hendrik Stünitz (19), Matthis Hoppe (15) und Matthias Butz (15).

Die Koordination für das Projekt Ausstellung der Schüler hatte Geschichtslehrer Sönke Loebert in Zusammenarbeit mit den Lehrern der teilnehmenden Klassen übernommen. Die Schüler präsentierten ihre Arbeiten zum Wandel der Medien auf Stellwänden. Vom Literaturcafé waren Rezensionen zu „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ zu sehen, die als Litfaßsäulen gebaut wurden. Unter dem Motto „Dreh mich“, konnten sich Interessierten die Texte drehen. Andere hatten das Thema „geglückte Mondlandung“ von 1969 der aktuellen Schlagzeile „Wir sind auf dem Mars“ gegenübergestellt. Ein weiteres Thema war die Fußballweltmeisterschaft von 1954 mit einem Zeitungsausschnitt, der ein klassisch gestaltetes Titelbild mit einer aufgestellten Mannschaft zeigt. Anders 2014: Ein dynamischer Mario Götze läuft über das Fußballfeld. Der Titel: „Wir sind Weltmeister.“ Zu sehen war auch der Komplex, der sich mit dem Bau und der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals beschäftigt – mit Feierlichkeiten und kaiserlicher Anwesenheit.

Einen breiten Raum nahm der Erfinder der Buchdruckkunst von Johannes Gutenberg ein. Mehrere Schülerarbeiten beschäftigten sich mit seinem Wirken: In unterschiedlichen Stilrichtungen wurde Gutenberg gezeichnet und mit Sprechblasen versehen, in denen er seine Arbeit erklärt. Eine andere Klasse beschäftigte sich mit der „Herausforderung Internet“. Dargestellt wurden Vor- und Nachteile anhand einer Grafik. Thema war auch die „Zukunft der Zeitung“ mit dem Fazit, dass Verlage überleben werden.

Direktor Hartmut Appel ging in seiner Begrüßung scherzhaft auf das Alter der Glückstädter Fortuna ein. „Wenn eine Frau 275 Jahre alt wird, spricht man eigentlich nicht darüber.“ Auch er erinnerte an frühere Jahre, wo andere Medien wie das Fernsehen kaum eine Rolle spielten. In alten Krimis könnte man noch sehen, wie erst eine Antenne aus einem Gerät gezogen werden musste, um drahtlos zu kommunizieren. Heute gebe es Smartphones. Und er merkte an, dass sich die Bildqualität in den Zeitungen „enorm gewandelt“ hätte.

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erstellt am 19.Nov.2015 | 19:58 Uhr

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