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Norddeutsche Rundschau

23. Oktober 2017 | 10:45 Uhr

Ausstellung : Von guten und bösen Türmen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schulen und Werkstätten dabei: Besondere Ausstellung im Glückstädter Palais für aktuelle Kunst bis zum 15. Dezember.

Regionalschule Glückstadt und Detlefsengymnasium, Glückstädter Werkstätten und Diakonie – das Rezept ist ganz einfach. Die Zusammenarbeit konzentrierte sich nach getrennter Vorbereitung auf einen Projekttag, an dem die beteiligten Institutionen in kleinen gemischten Gruppen an unterschiedlichen Orten Objekte, Zeichnungen, Fotocollagen und Filme schufen. Der angestrebte Vorbildcharakter für Kooperationen unterschiedlichster Menschen liegt auf der Hand.

Herausragend ist das Ergebnis: Die Ausstellung „babel“, die im Palais für aktuelle Kunst (PAK) bis 15. Dezember zu sehen ist, erfüllt auf ganz eigene Art professionelle Maßstäbe. Sie präsentiert viel Kreativität und Ernsthaftigkeit, aber kein Sammelsurium. Denn der spontane Impuls vieler Schülerinnen und Schüler, das Thema mit ihren Arbeiten zu beschreiben und zu illustrieren, diese gar zu beschriften, wurde bei der Erarbeitung konsequent zurückgedrängt, erläuterte Projektinitiator Vincent Schubarth das Vorgehen. Die Teilnehmer lernten, das Material und seine Aussage für sich stehen, Licht und Schatten wirken zu lassen. Schubarth, der am Detlefsengymnasium Kunst unterrichtet und im Vorstand des Kunstvereins aktiv ist, hat das Konzept entwickelt und engagierte Kollegen aller kooperierenden Institutionen dafür gewonnen. Dabei floss auch von der Betreuerseite viel Know how und Engagement ein, Film- und Schauspiel-AGs beteiligten sich.

PaK-Vorstand Jan Walraff verwies auf die größte Gruppenausstellung, die für das Palais bislang organisiert wurde.Die rund 60 Teilnehmer aus den beiden Schulen und den Glückstädter Werkstätten ließen sich nicht nur vom biblischen Thema des Turmbaus zu Babel anregen, sondern generell vom Symbolcharakter von Türmen. Es gebe „gute und böse Türme“, führte Vincent Schubarth aus. Sie stehen wie Leuchttürme für Orientierung oder eben auch für Hochmut und Größenwahn, wie Beispiele in Dubai zeigen. Die Schülerinnen und Schüler setzten sie als himmelwärts strebendes Gebilde aus vergoldetem Steropor um, als filigrane Stöckchenkonstruktion, als Plastikschrott-Ruine oder als kompakten Tonbau. Sie malten, zeichneten und filmten oder schrieben gar ein eigenes Lied, wie Franziska Fuhrmann, die ihren Song „Babel“ bei der Eröffnung vortrug.

Bei aller Improvisation beeindruckt die thematische Konzentration und Strenge sowohl in der Konzeption, in der Ausführung der Arbeiten als auch in der Präsentation. Die originellen Kurzfilme spitzen das Thema Sprachenvielfalt und Notwendigkeit zur Verständigung mit visuellen und akustischen Mitteln zu. In einer kleinen Sonderschau werden zudem Ergebnisse aus Oberstufenkursen präsentiert, die sich mit Architekturvisionen zum ehemaligen Glückstädter Eisenbahnausbesserungswerk befassen. Diese sind auch im neuen Steinburger Jahrbuch dokumentiert, das gerade erschienen ist und im Kunsthaus erworben werden kann.

Bürgermeister Gerhard Blasberg freute sich in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung von „babel“ zu Recht über eine „anspruchsvolle Veranstaltung und einen wunderbaren Kompromiss als Werbeblock für die Zukunft des Hauses“. Dem Kunstverein sei es gelungen, viele Besucher ins Haus zu ziehen, ohne seine Identität in Frage zu stellen. Es sei sehr positiv für die Stadt, dass die verschiedenen Gruppen und Schulen in den letzten Jahren so stark mit Projekten nach außen gehen und in den öffentlichen Raum hineinwirken.

>Öffnungszeiten: Palais für aktuelle Kunst, Am Hafen 46, freitags, sonnabends, sonntags jeweils 13-17 Uhr . Bis einschließlich 15. Dezember

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