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Kolumnen-Sammlung : Von Fußpilz und Silikon-Brüsten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bei Arne Tiedemann aus Kollmar bekommt jeder sein Fett weg. Ein Faible für Alltags-Komik sowie Lieber zu seiner Heimat zeichnen ihn aus. Jetzt veröffentlicht er sein drittes Buch.

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erstellt am 25.Sep.2014 | 17:51 Uhr

Drei-Tage-Bart, Schiebermütze, schwarzer Mantel und eine Armbanduhr mit dem Logo der Tagesschau. So sitzt Arne Tiedemann auf einer Bank am Elbstrand in seinem Heimatdorf Kollmar. Äußerlich wirkt er entspannt, innerlich arbeitet er: In seinem Kopf spinnen sich Geschichten zusammen. Geschichten über den Biker mit der schwarzen Kluft und der langen Mähne oder den Badegast mit Goldkettchen, der seinen gebräunten Bierbauch zur Schau stellt. Eine Auswahl seiner Anekdoten – ergänzt um einen Rückblick auf sein Leben – hat der Kolumnist in seinem neuen Buch „Endlich 40 – das war mein Leben“ zusammengestellt.

Tiedemann nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er etwa seinen Schulwechsel von Kollmar nach Glückstadt mit einer Verlagerung nach Guantánamo vergleicht oder von seiner Musterung als höllischer Tortur erzählt, die er als junger Erwachsener über sich ergehen lassen musste. Viele seiner Geschichten spielen in seinem Geburtsort Kollmar. Er schildert dort den Tag, an dem der Sperrmüll abgeholt wird, als „so etwas wie Sommerschlussverkauf, Plündern und Volksfest in einem“. Die Nachbarstadt Elmshorn, in der Tiedemann seit dem vergangenen Jahr eine Wohnung genommen hat, kommt nicht gut weg. Schon als Kind sei sie für ihn „ein furchtbares, strenges, sadistisch angehauchtes Denkmalmonster“ gewesen, während in Kollmar die Welt „noch in Ordnung“ sei.

Beides sei natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen, sagt der Autor, der im November vergangenen Jahres seinen 40. Geburtstag feierte. Von „Midlife-Crisis“ und Panik vor dem herannahenden Ende seines Lebens spricht er in seinem Buch. Wie viele seiner Geschichten sei auch das nicht so ganz ernst zu nehmen, sagt Tiedemann: „Ich habe keine Angst vor dem Leben.“ Er blicke positiv in die Zukunft.

Egal ob beim Spazierengehen, beim Zugfahren oder in der Kneipe – das Originelle sticht dem Autor und Kulturliebhaber sofort ins Auge. Um seine Kolumne zu verfassen, die wöchentlich in den Elmshorner Nachrichten erscheint, muss er meist nicht lange überlegen. Oder – wie er es ausdrückt: „Meine Geschichten kommen zu mir. Ich habe Spaß daran, Alltagssituationen zu erzählen und ein bisschen auszuschmücken“, sagt er.

Dass er mit seinen Anekdoten gelegentlich auch mal aneckt, stört den Freigeist nicht. So bekommt im aktuellen Buch beispielsweise seine Oma ihr Fett weg („Bei ihr im Haus roch es auch so typisch nach alten Leuten“) oder seine ehemalige Sportlehrerin („Sie schrie, rief, johlte, krähte und meckerte die ganze Zeit markerschütternd durch die Turnhalle“). Tiedemann kann aber genauso über sich selbst lachen, wenn er seinen Beruf als Bibliothekar an der Hamburger Musikhochschule als verstaubt und langweilig beschreibt. Bei der Berufswahl habe er noch nicht gewusst, was auf ihn zukomme: „Eine Entscheidung, die ich heute so in der Form nicht nochmal treffen würde.“

Das Buch gipfelt in einer Zusammenstellung der Geschichten, mit denen eigentlich alles begann, den sogenannten Kachelreporten. In diesen ebenso kritischen wie humorvollen Zeilen beschreibt Tiedemann „Duschkapazitäten“ und „Fußpilzkontamination“ der Umkleidekabinen von Sportvereinen im Kreis Steinburg, sei es der SV Wellenkamp oder der SV Peissen. Die Texte gehen zurück auf seine Zeit als Fußballer in der Kreisklasse, die er „so etwas wie sportliches Krisengebiet, dafür aber auf alle Fälle authentisch“ nennt. Als Spieler beim TSV Kollmar kam er gemeinsam mit einem Mannschaftskollegen auf die Schnapsidee, die Umkleidekabinen von Gastvereinen zu bewerten. Aus diesen Geschichten wurde schließlich die Idee geboren, regelmäßig für die Zeitung zu schreiben.

Schließlich blickt der 40-Jährige in seiner Anekdoten-Sammlung auf die Zukunft. Zehn Dinge nimmt er sich vor, die er bis zu seinem 50. Geburtstag unbedingt gemacht haben will, unter anderem Silikon-Brüste anfassen und eine Prügelei durchstehen. Viel ändern wird sich aber anscheinend in seinem Leben nicht: „Ich bin zu dem Fazit gekommen, dass ich dann immer noch das machen werde, was ich jetzt mache: Als Bibliothekar arbeiten und Kolumnen schreiben.“

> Das Buch „Endlich 40 – das war mein Leben“ ist im Handel zum Preis von 12,90 Euro erhältlich.

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