350 Jahre CAU : „Von einer Vermaisung kann keine Rede sein“

Informierte die Zuhörer: Prof. Dr. Friedhelm Taube.
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Informierte die Zuhörer: Prof. Dr. Friedhelm Taube.

Die „Chancen und Grenzen der Energiewende“ lotete Prof. Friedhelm Taube aus. Er hielt ein Vortrag im Rahmen des 350-jährigen Bestehens der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel.

shz.de von
03. Mai 2015, 15:45 Uhr

Es kamen fast 100 Zuhörer: Der Vortrag „Chancen und Grenzen der Energiewende“ von Prof. Friedhelm Taube, Direktor des Institutes für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel, lockte nicht nur Mitglieder Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft (SHUG) in die Kaiser-Karl-Schule. Anlässlich des 350-jährigen Bestehens der CAU stellt der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag mit der SHUG ausgewählte Forschungsthemen der CAU vor.

Die gut zweistündige Präsentation stand unter dem Thema: Vermaisung – Auf dem Acker oder in den Köpfen? Mit der Neuerung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) seien die Anreize Biogas aus Ackerkulturen zu produzieren stark zurückgegangen, so Taube. Neue Biogasanlagen würden kaum mehr gebaut. 630 Anlagen gebe es derzeit. Die Maisanbaufläche habe sich in den vergangenen acht Jahren in Schleswig-Holstein verdoppelt, 50 Prozent der Fläche würde für Futter-, die andere Hälfte für Energiemais genutzt. Die „Vermaisung“ sei ein gefühltes Phänomen, auch in Schleswig-Holstein habe man es eher mit einer „Verweizung“ zu tun, in anderen Teile Deutschland mit einer „Verrapsung“, so Taube. „Von einer Vermaisung kann keine Rede sein, wenn man es deutschlandweit sieht.“ Auch mit dem „Vorurteil“ des hohen Pestizideinsatzes und der starken Düngung von Mais räumte er auf. Generell reiche der einmalige Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus, Stickstoffdünger benötige die Pflanze rund ein Drittel weniger als Getreide.

Auch den Boden hagere Mais nicht aus. Dies sei in Langzeittests widerlegt worden. Auch die Meinung, dass der Maisanbau die Wildschweinpopulation fördere, könne anhand von Statistiken nicht bestätigt werden.

Taube scheute sich nicht, auch auf die Diskussion „Tank oder Teller? einzugehen. Der Agrarwissenschaftler hatte dafür eine Menge Zahlen parat. Von den 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche der Erde würden 260 Millionen Hektar für Nahrungsmittel, aber über eine Milliarde für Futtermittel und damit für Fleisch genutzt. 55 Millionen Hektar seien für Bioenergie und 100 Millionen Hektar für die „stoffliche Nutzung“ – etwa für den Anbau von Baumwolle genutzt. In der EU würden mehr als 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche für Futtermittel beansprucht, weltweit sehe es ähnlich aus. Im Schnitt verzehrt jeder Bundesbürger mehr als doppelt so viel Fleisch pro Jahr als gesundheitlich empfohlen. „Nicht der Mais scheint das Problem zu sein, sondern unser Konsumverhalten.“

In einer anschließenden Diskussion lud der Professor die Zuhörer ein, Fragen zu stellen. Besonders einige der anwesenden Landwirte nutzten diese Chance. Klaus Thomsen, der mit Ehefrau Christa gekommen war, lobte den Vortrag: „Es hat uns sehr gut gefallen. Vor allem, dass jetzt ganz neue Gesichtspunkte aufgezeigt wurden.“ Sie selber versuchten seit langem ihre Fleischkonsum einzuschränken.

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