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Bildung : Von Cybermobbing und Zeitdiebstahl

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Viertklässler der Itzehoer Fehrs-Schule erleben Medienworkshop mit dem Kreis-Gesundheitsamt.

Fast Ferien. In den Schulen läuft nicht mehr viel – sagt zumindest ein Vorurteil. Doch nach wie vor geht es nicht nur um die Noten im Zeugnis. Die Schulen nutzen die Zeit auch für viele besondere Aktionen. Wir stellen in einer Serie Beispiele vor. Heute: Fehrs-Schule.

A, B oder C? Wie in der guten, alten Fernsehshow müssen sich die Kinder entscheiden, denn drei Felder sind frei. Die allermeisten Jungen und Mädchen dieser Gruppe machen es richtig: B. Sie würden es ihrem Lehrer sagen, wenn sie ihn heimlich fotografiert haben. Denn das einfach so zu tun, sei nicht in Ordnung, das wissen sie. Die anderen Antworten kamen für sie deshalb nicht in Frage: A für das Einstellen des Fotos in die Whatsapp-Gruppe der Klasse, C für die Veröffentlichung im sozialen Netzwerk – auf Facebook oder Instagram.

Die Klasse 4b der Fehrs-Schule erlebt einen Medien-Workshop mit Lisann Ziegler und Steffi Nelles vom Kreis-Gesundheitsamt. Es ist erst der zweite nach dem Start in der Glückstädter Bürgerschule. „Wir haben dieses Jahr damit angefangen, in die Grundschulen zu gehen“, sagt Lisann Ziegler. Der einfache Grund: Die Kinder haben früher ein Smartphone. Sonst gab es den Workshop in den fünften und sechsten Klassen – „da sind andere Themen vorrangig“.

22 Kinder sind dabei, nicht einmal eine Handvoll hat noch kein Smartphone. Das Thema sei sehr wichtig, sagt Klassenlehrerin Maren Amani. Es gelte, die Kinder vor dem Übergang in die weiterführende Schule, wo sie mit vielen älteren Mitschülern konfrontiert würden, stark zu machen und sie zu informieren. Das Angebot des Gesundheitsamtes nutzte sie gern: „Wenn jemand von außen kommt, hat das mehr Gewicht. Zu Hause werden die Eltern kaum durchkommen.“ Und bei ihr als Lehrerin laufe es eher theoretisch. „Es ist ganz wichtig, dass man es spielerisch macht und den Kindern bewusst macht, was da für Gefahren lauern“, sagt Maren Amani.

Zum Beispiel diese: Ein fiktiver Schüler kommt mit seinen Hausaufgaben nicht klar und spielt lieber am Computer. In Zweiergruppen denken die Viertklässler sich Geschichten aus, wie es weitergehen könnte. Und danach sammeln sie, wo der Schüler sich Hilfe holen könnte: Mutter, Freunde, Lehrerin am nächsten Tag, Großeltern – oder im Internet. „Wird das Problem besser, wenn man zockt?“, fragt Steffi Nelles. „Neeiinnn!“, schallt es aus der Klasse zurück.

Drei Gruppen werden gebildet. Die eine entscheidet sich bei verschiedenen Fragen für A, B oder C, eine andere setzt sich hin mit dem Brettspiel „Fangt den Datendieb“. Aufgabe: Wenn die Kinder meinen, dass zwei Minuten vorüber sind, sollen sie sich bei Maren Amani melden. Der eine Tisch kommt nach sieben Minuten, der andere gar nicht. Das zeige, wie die Kinder beim Spielen die Zeit vergessen, sagt die Lehrerin.

Auf dem Boden sitzt die dritte Gruppe und setzt ein Puzzle zusammen – eine Bildergeschichte über ein peinliches Foto, das in ein soziales Netzwerk gestellt wurde. „Das Internet vergisst nie“, mahnt Steffi Nelles. Cybermobbing, die Viertklässler kennen den Begriff und wissen im Grundsatz auch, was es mit dem Recht am eigenen Bild auf sich hat. „Wenn euch das passieren würde, was würdet ihr machen?“ Antwort: zu den Eltern und zur Polizei. „Es ist eine Straftat“, bestätigt der Gast vom Gesundheitsamt.

In der Klassengruppe habe es einen solchen Fall tatsächlich gegeben, sagt Maren Amani. Denn natürlich haben die Viertklässler eine Gruppe, obwohl es diese gar nicht geben dürfte. „Sie waren ganz empört, dass Whatsapp erst ab 13 ist“, sagt Lisann Ziegler. In der Theorie zumindest.

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erstellt am 06.Jul.2017 | 05:00 Uhr

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