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Norddeutsche Rundschau

25. Juni 2017 | 16:08 Uhr

Medizin : Von Casablanca nach Itzehoe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Marokkaner Mohammed Serbout hospitiert beim Itzehoer Dermatologen Rainer Sempell – zuvor waren allerdings einige Hürden zu nehmen.

Eigentlich hatte er sich gerade vorgenommen, Spanisch zu lernen. Doch dann traf Mohammed Serbout im Urlaub eine Gruppe deutscher Ärzte, die dem marokkanischen Medizinstudenten vom Gesundheitssystem hierzulande erzählten. Der 26-Jährige war sofort so interessiert, dass er seine Pläne verwarf, statt Spanisch Deutsch lernte und sich für Praktika in deutschen Arztpraxen und Krankenhäusern bewarb. „Das deutsche Gesundheitssystem hat ein paar Besonderheiten im Vergleich zum marokkanischen“, sagt Serbout. „Die Weiterbildungen können überall durchgeführt werden – und nicht nur, wie in Marokko, in Unikliniken von Professoren. Außerdem wird ein deutsches Zertifikat fast überall und leicht anerkannt, wenn man in einem anderen Land arbeiten will oder mehr Erfahrungen sammeln.“

Jetzt hospitiert der Student aus Casablanca für einige Monate in der Itzehoer Praxis von Rainer Sempell. Noch bis Ende September wird er dem Dermatologen bei der Arbeit über die Schulter blicken und unterstützen, wo es möglich ist. „Wir haben zurzeit sehr viele Operationen und Hautkrebsvorsorgen“, so Sempell. „Das schaut er sich erstmal alles mit an.“ Bei kleineren Eingriffen darf Serbout auch schon selbst Hand anlegen. „In den häufigsten dermatologischen Erkrankungen sollte er nach seiner Praktikumszeit dann fit sein“, ist sich der Mentor aus Itzehoe sicher.

Bis Mohammed Serbout dieses Praktikum antreten konnte, waren allerdings einige Hürden zu nehmen: Mehr als 100 Bewerbungen hatte er zuvor geschrieben, auf 80 davon gab es gar keine Reaktion. Nachdem Sempell – neben lediglich einem weiteren Mediziner – dann aber schließlich seine Bereitschaft erklärt hatte, den Marokkaner aufzunehmen, folgte ein langes und aufwendiges Genehmigungsverfahren. Nötig waren unter anderem Schriftwechsel mit dem Innenministerium sowie mit der Agentur für Arbeit in Köln. „Für Nicht-EU-Ausländer bestehen unglaublich hohe Hürden“, sagt Sempell. „Ich wollte helfen, so weit ich kann – aber diese ganze Bürokratie hat mich dann doch einige Nächte gekostet.“

All die Arbeit sei den Aufwand aber wert gewesen, sagt der Mediziner. „Jeder Erkenntnisgewinn ist für mich interessant. Man lernt viel dazu, wie in anderen Ländern behandelt wird.“ Es erweitere auf jeden Fall den Horizont, einen ausländischen Hospitanten aufzunehmen, so der Itzehoer. Außerdem könne er im Bereich Allgemeinmedizin auch selbst noch das eine oder andere dazulernen. „Ich kann es nur jedem Kollegen empfehlen.“

Mohammed Serbout wurde in Asilah an der marokkanischen Atlantikküste geboren. Über Fès ging es für seine Familie und ihn schließlich nach Casablanca, wo er die Schule besuchte und studierte. Mit acht Jahren dauert das Medizin-Studium im nordafrikanischen Staat etwas länger als hier, zudem ist es in erster Linie allgemeinmedizinisch ausgerichtet. Der praktische Teil findet vor allem in kleinen Krankenhäusern und Gesundheitszentren statt – „und da wir einen großen Ärztemangel haben, habe ich da auch viel allein gearbeitet“, erzählt der 26-Jährige. So habe er allein Entbindungen vorgenommen.

Um sich dann weiter fortzubilden, suchte er schließlich nach einem weiterbildungsbefugten Dermatologen in der Nähe Hamburgs. In einer Liste der Ärztekammer fand er Sempell, der nun zum ersten Mal einen ausländischen Medizinstudenten in seiner Praxis hat. „Nach unseren E-Mails war er mir sofort sympathisch“, sagt der Itzehoer Arzt. Deswegen habe er nicht lange gezögert, den Marokkaner in seiner Praxis aufzunehmen. „Außerdem kann ich mein Französisch aufbessern“, sagt er und lacht.

Nach seiner Zeit in Deutschland will Serbout seine Facharzt-Weiterbildung machen. Möglicherweise auch in Sempells Praxis. Und Rainer Sempell selbst will auch gern wieder Hospitanten aus dem Ausland aufnehmen. „Jetzt weiß ich auch, was zu tun ist“, sagt er. „Bei der nächsten Beantragung wird es nicht mehr so lange dauern.“

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erstellt am 15.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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