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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 02:26 Uhr

Frauen-Fußball : Von Borsfleth nach Billings

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Unsere Zeitung sprach mit der Fußballerin Lea Hippauf, die mittlerweile in den USA Fußball spielt und dort ein Sportstipendium erhalten hat

Die „Woman’s Soccer Mannschaft“, die für das Rocky-Mountain-College in Billings im US Bundesstatt Montana aufläuft, ist international aufgestellt: Die jungen Fußballfrauen kommen unter anderem aus West Valley (Utah), Stockholm (Schweden) und Borsfleth (Germany). Auch Lea Hippauf (19) spielt dort mit. Mit der Borsfletherin führte Jürgen Kewitz ein Interview, als sie jetzt kurz in Deutschland weilte.

Lea, Sie haben bis zur vergangenen Saison für den Magdeburger FFC in der 2. Bundesliga gespielt. Was hat Sie bewogen, sich für das einjähriges Stipendium zu bewerben?

In Magdeburg ging es ja nicht nur um Frauen-Fußball. Parallel habe ich an dem angegliederten Sportgymnasium noch mein Abitur abgelegt. Bei einem Notendurchschnitt von 1,8 wollte ich es wissen und habe mich um das Stipendium beworben, um Fußball und Studium miteinander zu kombinieren.

Sie hatten von vornherein gute Chancen, auserwählt zu werden?

Ja und nein. Zum einen konnte ich bei den Coaches mit zwei verfassten schweren englischen Tests und einem eigenen Videofilm mit verschiedenen Fußball-Spielszenen punkten. Hinzu kommt, dass sich Mitstreiter aus Magdeburg am Ende nicht zum letzten Schritt durchringen konnten, ich dagegen schon.

Ihr Stipendium ist ohne die Unterbringungskosten über 25 000 Euro wert. Wer finanziert Ihren Auslandsaufenthalt?

Die Unterbringungskosten übernimmt auch das Rocky Mountain College (RMC), also quasi der Verein, für den ich jetzt spiele. Ich muss „nur“ Schulbücher, die Verpflegung und etwaige Flüge nach Hause bezahlen.

Sie leben seit Ende August in Billings im US-Bundesstaat Montana. War es Ihre richtige Entscheidung?

Ja, definitiv! Ich fühle mich sehr wohl dort – auch wenn mein Trainer meinen Vornamen um ein „h“ erweitert hat und mich Leah nennt.

Haben Ihre Familie und Ihr Freund Verständnis, dass Sie mindestens noch bis zum Ende des Studiums in den USA weilen?

Ja, die freuen sich alle, dass es mir dort so gut gefällt. Sie wollen mich auch mal besuchen kommen und ihre Freude ist groß, wenn ich mindestens einmal im Jahr nach Borsfleth komme.

Woher kommen die anderen College-Mitstreiter? Sind Leute aus Deutschland oder Europa darunter?

Die meisten kommen aus Billings und Umgebung sowie den umliegenden US Bundesstaaten. Es ist noch eine Mitspielerin aus Europa dabei. Evelina kommt aus Schweden.

Haben Sie schon Freundschaften innerhalb der Mannschaft geknüpft?

Ja, die Mannschaft ist super nett, und ich habe Freundschaften geschlossen, doch wie es innerhalb von einer Mannschaft so ist: Mit dem einen versteht man sich mehr und mit dem anderen weniger.

Was gefällt Ihnen ganz besonders auf dem College?

Das Training, die Menschen und die gemeinsamen Aktivitäten. Vor allem in den sportlichen Aktivitäten, der Outdoorsport ist super.

Stört Sie vielleicht auch etwas am College?

Nein! Ich habe mit meiner Entscheidung, am RMC zu studieren und Fußball zu spielen, alles richtig gemacht. Nur an das amerikanische Essen in der Mensa musste ich gewöhnen.

Studium und Sport – wie dürfen wir uns Ihren Tag in den USA vorstellen?

Mein Wecker klingelt um 5.30 Uhr, weil bereits um 6 Uhr das erste Training im Kraftraum oder in der Laufhalle ansteht. Dann frühstücke ich schnell und gehe zur Uni. Dort sind für mich die Psychologie-Fächer sehr interessant. Sie sind ja auch Hauptrichtung meines Studiums. Kunst und Musik zählen dagegen nicht zu meinen Lieblingsfächern. Gegen 15 Uhr ist dann an der Uni Schluss.

Und wie geht der Tag dann weiter?

Meist absolviere ich danach noch ein selbstständiges Training – mit einem Ball am Fuß. Den restlichen Nachmittag verbringe ich meist in der Bibliothek oder zuhause am Schreibtisch, bevor es dann zum Abendessen in die Mensa geht. Mein Tag endet ab 21 Uhr mit einer lockeren regenerierenden Trainingseinheit in der Schwimmhalle.

Und dann fallen Sie sicher todmüde ins Bett?

Leider nicht. Deshalb absolviere ich meist noch eine extra Trainingseinheit, um müde zu werden.

Ist das nicht fürchterlich stressig? Bleibt noch Zeit um als junger Mensch Spaß zu haben oder zu entspannen?

Sagen wir mal so: Es ist ein positiver Stress. An den Wochenenden gehe ich meistens mit Freunden in die Stadt oder wir essen gemeinsam bei deren Familien. Innerhalb der Woche gilt: Wenn man etwas erreichen und morgens fit für das Training sein will, muss man auch auf die eine oder andere Party verzichten. Ich komme gut damit klar. Es ist mein Leben. Während andere vielleicht feiern gehen und am nächsten Morgen fertig aufwachen, gehe ich trainieren und wache mit Muskelkater auf. Alles eine Sache der Lebenseinstellung.

Hat Ihr Lebensmotto „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag“ noch so starkes Gewicht wie vor den USA?

Na klar trifft das noch zu. Wir haben letztes Semester jeden Nachmittag auf dem Platz ein Mannschaftstraining gehabt, was trotz hoher Intensität sehr spaßbetont war. In diesem Semester findet das Mannschaftstraining immer morgens um 6 Uhr im Kraftraum oder in der Laufhalle statt. Und es gibt auch noch genügend spannende Mannschaftsbegegnungen in den Footballstadien der Colleges. Vor allem bei den ersten Spielen der Saison und bei den Playoffs sind viele begeisterte Fans mit dabei und feuern uns an. Manche haben dann sogar 17-stündige Autofahrten auf sich genommen, nur um sich ein Auswärtsspiel von uns anzuschauen.

Gibt es Unterschiede zwischen dem Frauen-Fußball in Deutschland und in den USA?

Ja, in Amerika sind die Spieler athletischer, schneller, kräftiger und spritziger als bei uns. Dafür fehlt ihnen meistens ein gutes Spielverständnis oder die technische Umsetzung, auf die in Deutschland großen Wert gelegt wird.

Haben Sie im Vergleich zum ETSV Fortuna Glückstadt und dem FFC Magdeburg aus sportlicher Sicht schon was dazulernen können?

Aber ja doch. Erst der große Sprung von Fortuna nach Magdeburg in die 2. Bundesliga, wo ich mich athletisch und technisch unheimlich verbessert habe. Mein Schritt, erstmal ins Ausland zu gehen, erweitert nicht nur meine Fußball-Erfahrungen und mein Spielverständnis. Ich lerne neue Menschen, Lebensstile, eine neue Kultur kennen.

In Magdeburg haben Sie in der 2. Bundesliga gespielt. Auf welcher Stufe darf man sich die Mannschaft des Rocky Mountain College vorstellen, für die Sie jetzt antreten?

Es ist vergleichbar mit der untersten 2. Bundesliga oder oberster 3. Liga. Deshalb möchte ich auch nochmal versuchen, in die Parallel-Collegestaffel der 1. Liga zu wechseln. Das entspräche dann vom Niveau her der 1. Bundesliga.

Werden Fußballspiele im US-Fernsehen übertragen?

Die regulären Spiele können über das Internet verfolgt werden und die Playoffs werden auch im Fernsehen übertragen. Wegen der Zeitverschiebung bekommt meine Familie in Deutschland deshalb in einigen Nächten wenig Schlaf.

Wie viele Tore haben Sie schon für den RMC geschossen?

Sechs Tore und recht viele Assists gehen auf mein Konto. Ich führe in dieser Saison augenblicklich die Statistik an.

Mit welchen Vorsätzen und Vorstellungen sind Sie ins Jahr gestartet?

Ich möchte mich sportlich, also athletisch und fußballerisch, noch weiter verbessern und natürlich unbedingt meine Studienfächer mit guten Noten abschließen.

Ihre 17-jährige Schwester Pia ist ja inzwischen auch eine erfolgreiche Fußballerin. Wird Sie in Ihre Fußstapfen treten?

Ja, meine Schwester spielt bei den B-Mädchen der SG Steinburg-West in der Schleswig-Holstein-Liga. Sie möchte meines Wissens Fußball aber weiterhin nur als Breitensport betreiben, in der Freizeit ihren Spaß daran haben und wohl nicht in den Leistungsbereich überwechseln.

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