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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 14:07 Uhr

Kurios : Vom Tankwart zum Sicherheitsberater

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Herbert Seidenberg aus Burg schützt einen russischen Oligarchen.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 17:00 Uhr

Einen kuriosen Lebenslauf hat der Burger Herbert Seidenberg. Er hat es vom Tankwart bis zum Sicherheitsberater eines russischen Oligarchen gebracht. Er selbst hätte von so einer Laufbahn nicht zu träumen gewagt, als er 1970 seine Lehre als Tankwart abschloss. Gelernt hat der 63-jährige Burger auf der Aral-Tankstelle von Harri Döring, damals genau gegenüber vom heutigen Burger Amtsgebäude am Holzmarkt 1. Heute steuert er gepanzerte Limousinen.

Geboren in Brunsbüttel, aufgewachsen in Burg arbeitete Seidenberg bis 1976 auf dieser Tankstelle, dann fand er Arbeit bei Gruner und Jahr (später Prinovis). 2013 schloss der Mutterkonzern Bertelsmann die Itzehoer Großdruckerei. Seidenberg lernte zu der Zeit grade den russischen Oligarchen Vladimir Hrintankov kennen. Bis dahin aber war es ein langer Weg für den Burger.

Um 1980 wechselte Seidenberg zunächst von Itzehoe nach Hamburg in die dortige Gruner und Jahr Druckerei, wo er in der Satztechnik arbeitete. Konzernintern wurde damals eine Fahrerstelle ausgeschrieben. Seidenberg fühlte sich angesprochen. ,,Zunächst war ich zuständig für die Fahrzeugbetreuung“, erinnert sich der Burger, dann bekam er zunehmend Fahraufträge für wichtige Persönlichkeiten, sowohl aus der Chefetage von Gruner und Jahr, wie auch bedeutender Gäste des Konzerns. So lernte Herbert Seidenberg Mitte der 80er auch Gerd Schulte-Hillen kennen, bis 2003 Vorstandsvorsitzender bei Gruner und Jahr. ,,Wir waren uns gleich sympathisch“, erinnert sich Seidenberg.

Fast zwei Jahrzehnte lang chauffierte er fortan Schulte-Hillen kreuz und quer durch Deutschland und die Nachbarstaaten, lernte so das europäische Straßennetz, die Städte, Hotels, eben die gesamte Infrastruktur bestens kennen. Ein Wissen, das ihm heute zugute kommt.

Nur als Dauer-Fahrer sah sich Herbert Seidenberg schon in den 80ern nicht. Auf eigene Kosten bildete er sich zum Personenschützer fort. Kampfsport betrieb er da schon seit fast 20 Jahren. Der Sport hält ihn heute noch fit, die tadellose Figur in Form. Bei Mercedes absolvierte er mehrere Fahrsicherheitstrainingskurse, im Volksmund Schleuderkurs genannt.

Seither kann er schwere Limousinen wenden wie einst Schimanski im Tatort. Bei der Polizei lernte er Schießen, wurde zum lizensierten Waffenträger, besitzt seither Waffe und Waffenschein.

Über seine guten Kontakte in Hamburg und dank seines guten Rufes als Fahrer von Schulte-Hillen akquirierte der Burger als bald erste Aufträge als selbstständiger Personenschützer. ,,Da galt es hochgestellte, gefährdete Persönlichkeiten zu ihren Terminen zu fahren und als Personenschützer zu begleiten“, so wie den Russen Vladimir Hrintankow.

Der Oligarch besitzt eine große Mineralwasserquelle in Karachinskaya. Das liegt nahe Jekatarinenburg mitten in Sibirien. Im Mai/Juni lernte Seidenberg dort die Familie und hochrangigen Mitarbeitern des Russen kennen. Diese Personen soll er künftig auf deren Deutschlandreisen fahren und beschützen. Als nächstes wird er den Oligarchen nach Österreich zu Gesprächen mit Red Bull begleiten. Er freut sich über diese Herausforderung: ,,Dafür bin ich einfach da“, sagt er.


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