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Norddeutsche Rundschau

18. Oktober 2017 | 02:44 Uhr

Bundesliga : Vom Schiri zum Bürgermeister

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Schenefelder Hans-Heinrich Barnick sorgt seit mehr als 40 Jahren für Geschichten in unserer Zeitung – auf dem Fußballplatz und im Gemeinderat

von
erstellt am 24.Apr.2017 | 16:04 Uhr

Erst Bundesliga, dann Bürgermeister – seit mehr als 40 Jahren sorgt Hans-Heinrich Barnick in regelmäßigen Abständen für Geschichten in unserer Zeitung. Der Schenefelder hat eine außergewöhnliche Karriere als Fußball-Schiedsrichter hinter sich und ist als Kommunalpolitiker auch mit 74 Jahren noch immer eine feste Größe im Kreis Steinburg. Knapp 19 Jahre lenkt Barnick als Bürgermeister die Geschicke seiner Heimatgemeinde und möchte nach den nächsten Kommunalwahlen noch eine fünfte Amtsperiode anhängen – wenn es die Schenefelder denn wollen, wie er sagt. Außerdem sitzt er im Steinburger Kreistag und ist stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU.

Über die Kreisgrenzen bekannt geworden ist „Heiner“ Barnick, wie ihn seine Freunde nennen, aber durch den Sport. Er ist einer von vier Schleswig-Holsteinern, die es geschafft haben, in der Fußball-Bundesliga als Schiedsrichter Fuß zu fassen. Zwischen 1978 und 1990 waren es insgesamt 68 Spiele, die er geleitet hat. Das hat bisher noch kein anderer aus dem nördlichsten Bundesland geschafft. „Ich war und bin mit ganzen Herzen Sportler“, so Barnick, der seit 1951 Mitglied der Schenefelder Turnerschaft ist. Handball, Fußball und Tennis hat er gespielt, war aber auch Bezirksmeister im Hochsprung.

Angefangen hat er mit Handball. „Da war ich am besten“, gibt er unumwunden zu. Im Fußball wurde Allrounder Barnick jedoch auch gebraucht. Also spielte er mit der TS in der Bezirksliga Handball und in der Kreisliga Fußball. Der Handball hatte sogar etwas mit dem Beginn der Schirikarriere im Fußball zu tun. Dass er mehrfach in einem Spiel wegen falschen Einwurfs zurückgepfiffen worden war, ärgerte Barnick. „Ich konnte nun mal als Handballer wesentlich weiter werfen als andere“, sagt er. „Ich habe mich danach 1966 zum Schiedsrichterlehrgang gemeldet, um die Regeln besser kennen zu lernen.“ Damit begann ein einzigartiger Aufstieg. Drei Jahre später pfiff Barnick bereits in der Verbandsliga und stieg 1973 in die damals zweitklassige Regionalliga auf. „Als 1974 die zweite Liga gegründet wurde, rutschte ich mit hinein,“ erzählt er. 1978 pfiff der Schenefelder seine erste Bundesliga-Saison. Zweimal musste er aus wenig nachvollziehbaren Gründen absteigen. Nach hervorragenden Leistungen in der zweiten Liga gab es danach aber keinen Weg an Barnick vorbei – er stieg wieder auf und musste erst gehen, als er mit 47 die Altersgrenze erreicht hatte. Neben 68 Bundesliga-Einsätzen leitete der Steinburger 106 Zweitliga-, 15 DFB-Pokal- und neun Intertotospiele. Hinzu kamen 14 internationale Einsätze als Linienrichter.

„1983 sollte ich auch FIFA-Schiedsrichter werden, das musste ich aber aus beruflichen Gründen ablehnen.“ Der gelernte Kaufmann führte immerhin selbstständig einen Brennstoffhandel in seinem Heimatort und konnte deshalb nicht ständig auf Reisen gehen. Als Linienrichter habe er schon genug internationale Einsätze gehabt. „Das war gerade noch zu schaffen. Mehr war nicht drin. Ich musste mich ja schließlich auch um meinen Betrieb kümmern.“

An zwei Ereignisse erinnert sich Barnick besonders. „1986 war ich an der Seite von Volker Roth beim Europapokal-Halbfinale in Bukarest zwischen Steaua und RSC Anderlecht. Die haben uns dort hofiert wie Könige. Sogar Straßen wurden gesperrt, damit wir ungehindert durch die Stadt gefahren werden konnten.“ Unangenehmer wurde es für Barnick, als der Ersatztorwart von Real Madrid ihm aus Ärger über eine Entscheidung den Ball an den Körper geworfen hatte. „Das tat zwar nicht weh, war aber grob unsportlich und ich musste deshalb zur Sportgerichtsverhandlung in Zürich anreisen.“ Dort wurde Barnick sogar vom damaligen UEFA-Generalsekretär Sepp Blatter höchstpersönlich vom Flughafen abgeholt.

Aus der Bundesliga ist ihm insbesondere ein Beinahe-Zusammenprall mit Jürgen Klinsmann in Erinnerung geblieben. „Der VfB Stuttgart hatte in Düsseldorf mit 7:0 gewonnen. Klinsmann war fünffacher Torschütze. Bei seinem fünften Treffer hätte er mich in seinem Freudentaumel beinahe umgerannt.“ Er habe gerade noch ausweichen können, so Barnick.

Als Bundesliga-Schiri benötigte der Schenefelder eine besondere Fitness. Die holte sich Barnick beim Tennis, wo er sich mit den TS-Senioren bis in die Verbandsliga vorkämpfte. Inzwischen hatte er als Schulelternbeirat auch Kontakte zur Politik geknüpft und trat in die CDU ein. 1989 wurde er in die Gemeindevertretung gewählt und 1990 in den Kreistag, dem er seitdem angehört. Es sei ein fließender Übergang vom Fußball in die Politik gewesen. „Die Schiedsrichterei hat mir als Politiker sehr geholfen, denn ich war es gewohnt auf dem Platz Entscheidungen zu treffen, andererseits aber auch ausgleichend zu wirken“, sagt Barnick. Seine ruhige, aber bestimmende Art hat ihm auch in der Politik Anerkennung verschafft.

Nach dem Ausscheiden als aktiver Bundesliga-Schiedsrichter, wurde Barnick Beobachter. Wie nicht anders zu erwarten, machte er auch hier einen hervorragenden Job und stieg schnell bis in die Bundesliga auf. 1998 zog er jedoch einen Schlussstrich unter die Schiri-Aktivitäten und ist seitdem Bürgermeister in Schenefeld. Die Gemeinde hat sich in seiner Amtszeit ständig nach vorn entwickelt. Im Gegensatz zu anderen Orten steigt die Bevölkerung. „Wir bauen jetzt schon den dritten Kindergarten“, freut sich Barnick. Das liege aber nicht nur an ihm, denn man führe in der Gemeindevertretung eine äußerst harmonische Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinaus. „Hier wird fast alles einstimmmig beschlossen. Es ist ein angenehmes Arbeiten und ich bin auch deshalb noch lange nicht amtsmüde.“ Der 74-Jährige steht für eine fünfte Amtsperiode als Bürgermeister also bereit. Mit dem Fußball ist Barnick als Zuschauer verbunden geblieben. Lange Zeit war er Dauergast beim Hamburger SV. „Die Preise wurden aber immer höher und der Fußball nicht besser.“ Deshalb schaue er sich die Spiele mittlerweile nur noch im Fernsehen an. „Als HSV-Anhänger muss man zurzeit einiges aushalten. Trotzdem tue ich es mir immer wieder an und schalte den Fernseher ein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Er sei aber auch Handball-Fan geblieben und fahre gern zum THW Kiel. In letzter Zeit ist Barnick auch wieder öfter auf Steinburger Fußballplätzen zu sehen. Vor allem natürlich bei der Schenefelder Turnerschaft, die den Aufstieg in die Kreisliga anstrebt. Natürlich wirft er dann immer einen kritischen Blick auf die Unparteiischen. „Ich finde, unsere Schiris machen das gar nicht so schlecht“, lobt er. Die Aufstiegsmöglichkeiten seien aber gering und gerade deshalb würden Vorbilder gebraucht, die von hierzulande kommen. Es sei letztlich kein Wunder, wenn es Schwierigkeiten gebe, guten Nachwuchs zu finden. Das sei sehr schade. „Wir brauchen unbedingt mehr positive Werbung.“

Bundesliga-Schiris gibt es im Norden schon seit längerem nicht mehr. Neben Barnick haben nur die beiden Kieler Gerd Zimmermann und Eckhard Jensen sowie der Felder Lutz Pohlmann den Sprung in die höchste Spielklasse als Schleswig-Holsteiner geschafft. Allerdings bei weitem nicht mit so vielen Einsätzen wie der Schenefelder, der insgesamt 311 Mal im bezahlten Fußball als Schieds- und Linienrichter unterwegs war. An diese Zahl dürfte in absehbarer Zukunft kein Unparteiischer mehr aus dem nördlichsten Bundesland herankommen. Hans-Heinrich Barnick hat gezeigt, dass bei kontinuierlich guten Leistungen durchaus etwas möglich ist und sich auch von Rückschlägen nicht beeindrucken lassen. Auch wenn die Zeiten damals anders waren, ist er ein gutes Beispiel dafür, dass der Schiri-Nachwuchs nicht die Hoffnung aufgeben darf, es vielleicht mal ganz nach oben zu schaffen.

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