zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

24. September 2017 | 19:44 Uhr

Feuerwehr : Vom Ledereimer zum Hightech-Gerät

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Freiwillige Feuerwehr Brunsbüttel feiert 125-jähriges Bestehen. Angesichts ihrer zahlreichen Aufgaben kann sie mancher Großstadtwehr das Wasser reichen.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 05:00 Uhr

Vom bedrohlichen Wespennest über „Land unter“ im Keller, Ölspuren, Personenrettung von Schiffen bis zu Großbränden: Die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttel sind im Notfall stets zur Stelle. Jetzt wollen sie auch einmal feiern – und zwar richtig: Zum 125-jährigen Bestehen der Wehr gibt es in diesem Jahr gleich zwei Fest-Termine.

Am Gründungstag – 14. April – ist ein Festakt mit rund 200 geladenen Gästen im Elbeforum geplant. Erwartet werden neben der Brunsbütteler Ratsversammlung sowie Vertretern von Land, Kreis und Industrie auch Partner, Freunde und Unterstützer der Jubilarin, die 1889 als Freiwillige Feuerwehr Brunsbüttelhafen aus der Taufe gehoben wurde. Ob mit Pickelhaube und Ledereimer oder mit Hilfe von Hightech-Gerät: Ziel der Feuerwehren war es schon immer, Brände zu bekämpfen und dadurch Leben zu retten. Dass Feuerwehr aber viel mehr ist als der Schutz vor den Flammen, zeigt ein Einblick in die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Brunsbüttel, wie sie seit 1970 heißt. Es gibt im Land zwar ältere Wehren, jedoch kaum eine mit einem breiteren Aufgabengebiet als dem der Retter aus der Kanalstadt. Und mit mehr Know-how. „Wir können uns mit so mancher Großstadtwehr messen“, sagt Gemeindewehrführer Bernd Meier. So seien schon mehrfach Spezialisten aus Brunsbüttel von Hamburg angefordert worden, um bei komplizierten Einsätzen zu helfen.

Durchschnittlich 200 Mal im Jahr werden die Lebensretter der Schleusenstadt alarmiert. Drei Unwetter mit Starkregen und Hagel führten jedoch im vergangenen Jahr zu einem neuen Rekord: 380 Mal mussten die Haupt- und Ehrenamtler 2013 ausrücken – allein 80 Einsätze stammen aus den ersten 36 Stunden nach dem verheerenden Hagelschauer im Juni, dem unter anderem ein Supermarktdach zum Opfer fiel. Damit katapultierte sich der Posten „Unwetter“ auf Platz eins der Liste der häufigsten Einsätze. Es folgen Hilfeleistungen (zum Beispiel bei Ölspuren, klemmenden Türen), Verkehrsunfälle, Brandmeldeeinsätze (inklusive rund 30 Fehlalarmen im Jahr), die Unterstützung des Rettungsdienstes in der Schifffahrt (wenn Menschen von Bord geholt werden müssen) sowie die Einsätze im Bereich „First Responder“. Die Feuerwehr verfügt über ausgebildete Ersthelfer, die unterstützend zum Rettungsdienst ausrücken – beispielsweise, wenn der zuständige Rettungswagen gerade einen anderen Einsatz hat.

Die Zahl der aktiven Feuerwehrleute ist mit 72 Mitgliedern seit Jahren konstant. 13 verdiente Feuerwehrmänner bilden die Ehrenabteilung. Die Jugendfeuerwehr – mit 56 Jahren die älteste in Dithmarschen – ist mit 33 Mädchen und Jungen gut aufgestellt. Das Aufgabengebiet umfasst seit 1986 auch den Brandschutz auf der Elbe. Für diesen Bereich sind ebenso Spezialausbildung und -ausrüstung nötig wie für Schadstoffunfälle, Ölschadensbekämpfung und Industriebrände. „Die Leute müssen hier sehr viele Schulungen machen“, berichtet Meier, der seit 2003 auch an der Spitze der Ortswehr steht. Neben den Ehrenamtlern sind 14 hauptamtliche Mitarbeiter im Dienst: Zwei Gerätewarte in der Wache Kopernikusstraße sowie zwölf Kräfte, die sich im Tages- und Schichtdienst abwechseln. Auf diese Weise wird auch eines der Hauptprobleme der Brunsbütteler Feuerwehr zumindest in Schach gehalten: die Teilung des Stadtgebietes durch den Kanal. Mindestens drei Hauptamtler sind tagsüber in der Wache Süd stationiert, nachts sorgen dort zwei für Sicherheit. „Das ist ein teures Problem für die Stadt“, bestätigt Meier. Im Notfall gebe es jedoch auch eine gute Zusammenarbeit mit den Werksfeuerwehren. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, sagt der 54-Jährige. Denn auch, wenn die Kanalfähren bei Alarm die Einsatzfahrzeuge bevorzugt beförderten, gebe es doch immer wieder Verzögerungen durch den Schiffsverkehr – wertvolle Minuten, die Leben retten könnten.

Wer beim Festakt am 14. April nicht dabei sein kann, sei getröstet: Das Festprogramm geht noch weiter. Am Sonnabend, 23. August, plant die Freiwillige Feuerwehr Brunsbüttel gemeinsam mit der benachbarten Polizeistation einen Tag der offenen Tür voller Attraktionen und Überraschungen. Dann gibt es Einblicke in eine Arbeit, von der jeder im Notfall profitieren kann.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert