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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 05:04 Uhr

Comedy Op Platt : Vom Kuhstall auf die Bühne

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jens Wagner aus Kiebitzreihe präsentiert „Comedy op Platt“ und ist inzwischen gefragt – Auftritte von Bremen bis Rostock.

Wenn er auf der Bühne steht, ist das Lachen programmiert. Auch nach zwei Stunden gibt es noch derbe Witze, das Publikum johlt. Nicht nur, dass es bestens unterhalten wird, es erkennt sich bei Jens Wagner größtenteils auch wieder. Der 53-Jährige aus Kiebitzreihe ist eigentlich Landwirt. In den vergangenen Jahren hat er sich aber als „Comedian op Platt“ in der Region einen Namen gemacht.

Zu seiner „wahren Bestimmung“, auf der Bühne zu stehen und sein Publikum zu unterhalten, hat ihn die Krise in der Landwirtschaft geführt. Als Vollerwerbslandwirt bewirtschaftete er, verheiratet und drei Kinder, seinen Hof mit 40 Milchkühen. Als sich 2007 zu einem „Jahr der Umwälzungen“ entwickelte und er nachmittags mit dem Steuerberater zusammensaß, sah er sich vor eine Entscheidung gestellt: „Entweder, ich fahre meinen Betrieb ganz groß weiter oder ich suche mir etwas Neues“, erzählt er. „Da war ich 45 Jahre alt.“

Wagner stellte sich die Frage: „Welche Fähigkeiten habe ich noch?“ Da kam er darauf, dass er eigentlich mit Herzblut Leute unterhalte. Zuvor schon hatte er jahrelang plattdeutsches Theater in Kiebitzreihe gespielt – und nun kam eine Idee auf: „Ich wollte Solo auftreten, und es musste op Platt sein.“ Denn das Plattdeutsche muss nach seiner Ansicht auf die große Bühne, nach Vorbildern wie Ina Müller, die es „entstaubt“ habe. „Da darf man auch mal gröhlen können.“ Seine Comedy sollte moderner sein. „Ich wollte nichts vorlesen oder Döntjes erzählen, sondern Schwung in die Sache bringen und es für Jüngere interessant machen.“

Im selben Jahr hat er sich auf die Schnelle ein Programm erarbeitet und die Sporthalle in Kiebitzreihe gemietet. „Ich bin volles Risiko gegangen, habe Plakate gedruckt, Reklame gemacht.“ Es erschien ein großer Artikel in der Zeitung, der Radiosender RSH kam. So wurde er unter dem Titel „Vom Melkstand vor den Vorhang“ über die Dorfgrenzen hinaus bekannt. 450 Besucher waren in der Halle, viele skeptisch. Er selbst wusste erst drei Wochen vorher, über was er überhaupt reden wollte. „Für das jüngere Publikum wollte ich die heutige Zeit heran holen, etwas über mein Leben erzählen. Ich fing an mit dem ersten Schulbesuch, dem Kennenlernen meiner Frau, dem ersten Zungenkuss.“ Das baute er dann weiter aus, entwickelte seinen eigenen Humor, der bis heute in Teilen derbe und auch etwas schlüpfrig ist.

War es im vergangenen Jahr noch „Im Himmel giv dat keen Grünkohl“, so spielt er nun „Dat bekommt mi jüst so schön“ („Mir bekommt es gerade so schön“), um mit einem Augenzwinkern auszudrücken, dass es ihm momentan recht gut gehe, während das Leben zu Hause „verrückt“ spielt – und die Kinder sich tätowieren lassen.

Er spricht das Hamburger/Holsteiner Platt von unterhalb des Kanals, das in Steinburg, Pinneberg, Rendsburg und Hamburg am leichtesten verständlich ist. „Selbst wenn es nicht alle sprechen können, verstehen es aber die meisten.“ Jens Wagner arbeitet viel mit Mimik und Gestik und braucht deshalb auf der Bühne ein bisschen Platz. Er bemerkte: „Pointen setzen kann ich gut, ebenso, wie aufs Publikum zugehen.“

Er fuhr los und suchte sich Auftrittsorte, das Stadttheater Elmshorn zum Beispiel. Inzwischen hat er seinen Aktionsradius auf die Kreise Steinburg und Pinneberg ausgedehnt. Torsten Arp vom Landgasthof „Zur Post“ in Wacken hat sofort gesagt: „Versuch es!“ Das war die Geburtsstunde seiner „Heimspiele“. Sowohl in Wacken als auch in Kellinghusen hat er sich mittlerweile ein treues Publikum erspielt. Beim ersten Mal waren es noch 75 Zuhörer in Wacken, jetzt sind es regelmäßig 90 Gäste. Ähnlich sieht es in Kellinghusen aus. Auch in Dithmarschen tritt Jens Wagner inzwischen auf – vor bis zu 380 Gästen. Er bekommt Anfragen aus ganz Norddeutschland, war schon in Oldenburg, Bremen und Rostock zu sehen. Vergangenes Jahr hat er insgesamt 15  000 Menschen in Säle und Gasthöfe gelockt. So ist sein zweites Standbein mittlerweile fast zum ersten geworden. Nun will er sich möglichst nach den Gegebenheiten verändern, aber als Typ so bleiben, wie er ist. „Irgendwann mit der Zeit wird man von selbst lockerer.“

 

 

Termin für „Dat bekommt mi jüst so schön“: Elbeforum Brunsbüttel, Sonntag, 26. April, 16 Uhr; Kartenvorverkauf Theaterkasse Elbeforum, 04852/540054.

 

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