Vom Jubel ins Ziel getragen

Einsatz für die Namensgeberin: Marie-Charlot und ihre Mitschüler aus der 7d von Katja Profé (links) haben den Störlauf als Zisch-Reporter begleitet.
Einsatz für die Namensgeberin: Marie-Charlot und ihre Mitschüler aus der 7d von Katja Profé (links) haben den Störlauf als Zisch-Reporter begleitet.

Wie eine Siebtklässlerin des Sophie-Scholl-Gymnasiums den Störlauf erlebt hat

shz.de von
14. Mai 2015, 11:23 Uhr

Geschafft! Aufgeregt schaue ich mich um. Mein Blick bleibt an Merle, Lara M. und Lara Y. hängen, meine Mitschülerinnen und Freundinnen, die nicht weniger angespannt aussehen. In wenigen Minuten werden wir fünf Kilometer beim diesjährigen Störlauf laufen.

Und obwohl es schon mein insgesamt dritter Lauf ist, bin ich sehr aufgeregt. Ich kann gar nicht still stehen. Gespannt hüpfe ich auf und ab, was mir einen komischen Blick von Merle, ein Kopfschütteln von Lara M. und ein breites Grinsen von Lara Y. einbringt. Mir ist das aber ehrlich gesagt ziemlich egal. Die Drei wissen ja, wie ich bin! Mit meiner gut gelaunten Art versuche ich, die anderen und vor allem auch mich selbst zu motivieren.

Mein Herz klopft ziemlich stark, so schlimm wie jetzt ist es ja noch nicht einmal vor einer Klassenarbeit oder einem Test. Noch zwei Minuten. Frau Hartmann, meine Schulleiterin, richtet ein paar motivierende Worte an die Läufer. Sie darf gleich den Startschuss für den dritten Fünf-Kilometer-Lauf geben, da Sophie Scholl, die Namensgeberin unseres Gymnasiums, heute Geburtstag hätte.

Alles wird ganz ruhig und plötzlich bin ich nicht mehr so ganz aufgeregt. Eine Stimme verkündet, dass es noch 20 Sekunden bis zum Start seien. Als es nur noch zehn Sekunden sind, fangen alle an, laut herunter zu zählen: „Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, los!“ Ich starte. Überall stehen Leute und klatschen und rufen. Das ist das, was ich an solchen Läufen liebe: Man fühlt sich wie etwas Besonderes. Nach kurzer Zeit sind die Zuschauer allerdings weg und auch meine Freundinnen habe ich hinter mir gelassen. Nun laufe ich alleine. Minuten später kann ich das erste Schild mit der Aufschrift ,,1 km‘‘ sehen. Erleichtert atme ich aus.

Viele jüngere Leute sind an mir vorbei gesprintet und ich frage mich, wann werde ich sie wieder sehen? Ich entdecke die Ersten, die nicht mehr laufen können und jetzt schon wieder gehen, was ich nur mit einem inneren Kopfschütteln kommentieren kann. Warum sprintet man gleich am Anfang los, um dann nach einem Kilometer nicht mehr zu können? Endlich erreiche ich den Wendepunkt. Zu meiner Überraschung bekomme ich noch gut Luft, was sonst nicht der Fall ist. Um mich herum sehe ich zahlreiche orangefarbene T-Shirts mit unserem Motto „SSG läuft für Sophie“ und ich bin irgendwie stolz, dazuzugehören. Langsam schmerzen auch meine Beine, ich sehne das 3 km-Schild herbei. Juhu, da ist es!

Nun sehe ich das Café auf der Amönenhöhe und könnte mir auch gut ein Schokoladeneis vorstellen. Ich könnte einfach stehen bleiben, aber mein Ziel ist es ja schließlich durchzulaufen. Lautes Gejubel vernehme ich von einem Haus an der Strecke, auf dessen Balkon ein paar Lehrer unserer Schule stehen. Ich schöpfe neue Kraft.

Mittlerweile sehe ich schon das 4-km-Schild. Ja! Frau Profé, meine Klassenlehrerin, steht am Wegrand und ruft mir aufmunternde Worte zu. Ich lächle sie dankbar an. Ich nähere mich dem Ortseingangsschild, möchte Freudensprünge machen, habe aber leider keine Kraft mehr dafür. Immer mehr Leute stehen am Wegrand und feuern uns Läufer für die letzten Meter an. Es ist ein tolles Gefühl! Sogar weitere bekannte Leute kann ich unter der jubelnden Meute erkennen. Ich freue mich!

Da vorne: Da ist das Ziel. Endlich! Ich sprinte los. Zwar spüre ich meine Beine nicht mehr, aber egal. Aus dem Lautsprecher ertönt mein Name, ich kann nur noch lächeln und dann habe ich es geschafft: Ich renne ins Ziel, darf endlich stehen bleiben. Zwar bekomme ich keine Luft mehr, aber ich bin momentan so happy! Der Störlauf ist so super. Nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

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