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stammzellen gespendet : Vom Baby zum Lebensretter

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gleich nach Karims Geburt wurde sein Nabelschnurblut aufbewahrt. Die Stammzellen daraus haben nun einem jungen Italiener geholfen. Ein seltener Fall.

Ein zwölfjähriger Junge in Italien darf leben. Zu verdanken hat er das dem kleinen Karim Younis: Als dieser im Februar 2011 im Klinikum Itzehoe zur Welt kam, wurde Nabelschnurblut entnommen. Jetzt haben die Stammzellen darin dem jungen Italiener geholfen, der erste Erfolg dieser Art für das Klinikum.

Karims Eltern Nisreen (32) und Mohammed Younis (42) aus Glückstadt sind glücklich; „Wir haben die richtige Entscheidung getroffen“, sagt Nisreen Younis. Schon bei ihren ersten Kindern Ahmad (6) und Amad (4) wollten sie die Stammzellen deponieren lassen, was noch nicht möglich war. „Ich habe viel über das Thema im arabischen Fernsehen gesehen.“ Zudem habe sie sich mit einer Freundin, einer Ärztin aus Itzehoe, darüber ausgetauscht. Zunächst waren die Stammzellen nur für die Familie reserviert. Als der Anruf kam, dass der kleine Italiener damit gerettet werden kann, gab das Ehepaar sie sofort frei. „Es ist ein Geschenk Gottes, wenn das Kind überleben kann“, sagt Nisreen Younis. Auch ihr Ehemann hofft, dass sich mehr Eltern entschließen, Stammzellen entnehmen zu lassen.

Seit 1997 fördert die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei die Einlagerung von Nabelschnurblut am Universitätsklinikum Dresden. Seit 2008 gibt es die eigenständige DKMS-Nabelschnurblutbank. Mehr als 8200 Präparate sind eingelagert, insgesamt 39 Mal habe es bisher eine Abgabe an Patienten weltweit gegeben, sagte Anne-Cathleen Aurich von der Nabelschnurblutbank. Unter den gut 100 Krankenhäusern, die in Deutschland mitmachen, gehöre das seit 2009 beteiligte Klinikum Itzehoe zur Spitzengruppe – dafür bedankte sie sich mit einer Urkunde.

Weil alles Nötige vorhanden ist, kann die Entnahme auch spontan erfolgen. Für Kind und Eltern ist sie nicht nur kosten-, sondern auch folgenlos. Denn der Mutterkuchen und die Nabelschnur seien ja ein Abfallprodukt und fehlten niemandem, betonten Dr. Uwe Heilenkötter, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe, und Oberarzt Dr. Hartmut Wegener. Schon bei der Geburtsvorbereitung werde über diese Chance informiert, mehrfach im Jahr gebe es Informationsabende. Ergebnis: „Die Eltern spenden sehr gern.“ Nach der Abnabelung wird das Präparat an die Nabelschnurblutbank geschickt.

Itzehoe sei das einzige Klinikum im Umkreis, in dem eine solche Spende möglich sei. Auch bundesweit werde die Möglichkeit stiefmütterlich behandelt. Die Transplantation der Stammzellen aus dem Präparat kann insbesondere bei Blutkrebs Leben retten. Die Erfolgsquote sei bei Stammzellen von Fremdspendern signifikant, sagte der Chefarzt. Dagegen sei die viel angepriesene Einlagerung von Stammzellen für sich selbst ein „reines Geschäft“. Anne-Cathleen Aurich bestätigte: „Hierfür existiert keine Standardtherapie.“ Nur in Einzelfällen würden die Präparate auch benutzt.

Die Gewinnung des Nabelschnurbluts ist nicht einfach. „Wenn wir es zehn Mal abnehmen, schaffen wir es drei Mal auf die gesetzlich geforderte Mindestmenge“, sagte Heilenkötter. Der Vorteil bei der Nabelschnurblutbank sei, dass schnell geholfen werden könne, sagte Anne-Cathleen Aurich.

Die Wahrscheinlichkeit, den richtigen Empfänger zu finden, sei nicht hoch, aber manchmal klappt es. So wie bei Karims Spende, die Ende 2012 nach Italien weitergegeben wurde: „Sehr froh“ seien sie darüber, sagten die Eltern. „Wir würden es auf jeden Fall wieder tun.“

Ob die Spende wirklich ein Erfolg war, stellt sich erst nach fünf Jahren heraus: Ist der Krebs dann weg, gilt der Patient als geheilt, so Anne-Cathleen Aurich. Das funktioniere in 30 bis 40 Prozent der Fälle. Von dem Zwölfjährigen in Italien kommen bislang jedenfalls nur positive Nachrichten: „Dem kleinen Patienten geht es bisher sehr gut.“

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erstellt am 26.Aug.2013 | 15:02 Uhr

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