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Norddeutsche Rundschau

12. Dezember 2017 | 03:41 Uhr

Start-up : Vom Außendienstler zum Kaffeemacher

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Karsten Herrmann hat seine Leidenschaft in Itzehoe zum Beruf gemacht und ist erfolgreich in die Selbstständigkeit gestartet.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Wo Geschäfte leer stehen oder schließen und sich Politik und Stadtmanagement den Kopf zerbrechen, wie der „Einkaufsstadt“ wieder Aufschwung verliehen werden kann, hat Karsten Herrmann in der Itzehoer Innenstadt etwas Neues geschaffen: ein bislang erfolgreiches Kleinunternehmen. „Der Kaffeemacher“ heißt der kleine Laden des Neuenbrookers unter dem Kirchturm der St. Laurentii Kirche, den er Ende November vergangenen Jahres eröffnet hat. Ein positives Signal für das Zentrum? „Neueröffnungen, die auf einem tragfähigen Geschäftskonzept beruhen, sind sicherlich lohnend“, kommentiert der Leiter der Industrie und Handelskammer (IHK) in Elmshorn, Paul Raab.

Seit dem ersten Dezember verkauft Herrmann Kaffee, Kaffeezubehör, Tee und Schokolade. Es ist ein Start-up, das ihn mit 46 Jahren zum Jungunternehmer gemacht hat. Vorher arbeitete Herrmann 20 Jahre im Außendienst für Hewlett-Packard. Nach Hunderttausenden Kilometern auf der Autobahn und unzähligen schlechten Kaffees auf Raststätten hatte er die Nase voll und kündigte. „Ich hatte keine Lust mehr auf ein Angestelltenverhältnis, dort kann ich mich nicht frei entfalten.“ Somit blieb nur eines: Selbstständigkeit.

Mit seiner Frau kaufte Herrmann früher gern in der Itzehoer Innenstadt ein. „Danach gingen wir immer einen Kaffee in der Feldschmiede trinken, aber irgendwann war der Laden weg.“ Ein vergleichbares Kaffeehaus fehle der Stadt. Herrmann liebt das Heißgetränk seit er 15 ist. „Da trank ich noch mit Wasser gestreckten Kaffee, wie man das für Kinder halt so macht.“ Seine Eltern waren ebenfalls starke Kaffeetrinker und dass seine Tante mit der Hand filterte, faszinierte ihn.

Es lag also auf der Hand, die Leidenschaft zum Beruf machen. Ein kleines Kaffeegeschäft sollte es sein, weniger gastronomisch, eher kaufmännisch. „Ich bin kein Gastronom, aber im Handel fühle ich mich sicher“, sagt Herrmann. Eine betriebswirtschaftliche Zusatzausbildung hatte er als Außendienstler erhalten. In der Kaffeeschule Hannover belegte der gebürtige Hamburger einen Intensivkurs, lernte alles über Kaffeeanbau, Aromen und Aufbrühmethoden, legte eine praktische und theoretische Prüfung ab und darf sich seitdem Kaffee-Sommelier nennen.

Im Internet erkundigte sich Herrmann, wo er Hilfe bekommen kann, und stieß auf die Industrie- und Handelskammer Elmshorn. Mit dem Zuständigen für Existenzgründungen erstellte er einen Business-Plan und besprach sein Vorhaben mit Steuerberater, Finanzamt und Familie. „Meine Frau stand sofort hinter mir, meine Mutter erklärte mich für verrückt“, sagt er. Sie bevorzugte ein traditionelles, sicheres Angestelltenverhältnis.

In der Innenstadt zählte Herrmann an mehreren Stellen die Laufkundschaft, schaute sich Statistiken zu Laufwegen und Leerständen an und kontaktierte Röstereien in der Umgebung. Auch ein erfahrener Wirtschaftssenior aus der Region stand ihm zur Seite. Als Herrmann mit dem kleinen Pavillon auch noch die richtige Immobilie fand, stand der Existenzgründung nichts mehr im Weg.

„Viele ältere Menschen sagten, es würde schwierig werden, weil die Itzehoer skeptisch sind“, erzählt Herrmann. Heute bilden sie den Großteil seiner Kundschaft. Herrmann filtert von Hand und brüht ohne Maschinen auf. Neben Artikeln aus dem Fachhandel wie Mokkakannen verkauft er Handfilterkaffee aus der Region, Cappuccino, Espresso, Milchkaffee, Trinkschokolade und Chai-Tee. Latte Macchiato gibt es nicht, gegen den hat Herrmann eine persönliche Abneigung.

Mit den ersten Verkaufswochen ist der Geschäftsführer zufrieden. „Das wird hier weiter funktionieren, davon bin ich überzeugt“, sagt Herrmann, dem viel an der Belebung der Itzehoer Innenstadt gelegen ist: „Ich wünsche mir, dass sich in Itzehoe etwas bewegt.“

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