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Steinburger Schulpsychologe : Voller Tatendrang in den Ruhestand

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

23 Jahre hatte Schulpsychologe Peter Dawiec ein offenes Ohr für Schüler, Lehrer und Eltern – jetzt geht es nach Bali und ins Kloster.

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erstellt am 15.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Seine letzten Stunden als Schulpsychologe des Kreises Steinburg sind gezählt. Der Countdown steht auf Null. Eine App auf seinem Smartphone zeigte die verbleibenden Tage im zweiten Stock des Göteborg-Hauses an. Als Hintergrund der Digitaluhr hat Peter Dawiec (59) ein sommerliches Strandbild gewählt. Nicht ohne Grund: Gerade erst hat er seine persönlichen Sachen aus dem Büro in Kisten verstaut, da plant er, schon bald die Koffer zu packen. Nach fast 23 Jahren nimmt Peter Dawiec seinen Hut, um in Altersteilzeit und dann auf Reisen zu gehen.

Wohin ihn seine berufliche Reise führen sollte, wusste er schon als Schüler: „Meine acht Jahre jüngere Schwester hat damals Hilfe bekommen. Das hat mich unglaublich fasziniert. Da stand für mich fest, dass ich Schulpsychologe werden möchte“, erinnert sich der Itzehoer. Seinen ersten Arbeitstag als Schulpsychologe des Kreises hatte Dawiec am 1. Oktober 1994 – „ein holpriger Start“, wie er findet. Angestellt ist er als Schulpsychologe beim Land, der Kreis ist Träger und sei damals „sehr sparsam gewesen“. Dawiec: „Ich habe eine elektronische Schreibmaschine, ein Telefon und einen defekten Anrufbeantworter vorgefunden. Schulpsychologie war damals ein Bereich, der nicht viel kosten sollte.“ Kurz vor der Jahrtausendwende habe es aber durch die hohe Fluktuation im Schulamt eine 180-Grad-Kehrtwende gegeben: „Als die Zuständigen in den Ruhestand gingen, ist eine Generation nachgerückt, mit der wir ausgezeichnet kooperieren. Ich bin dankbar für die herausragende Unterstützung durch die Kreisverwaltung und das Jugendamt.“ Und auch an die Lehrer gibt er ein „Riesenkompliment“: „Ich habe viele engagierte Lehrer kennen gelernt, die sich besonders für das Thema Inklusion einsetzen.“

Trotz verhaltener Unterstützung zu Beginn, legte Dawiec ordentlich Tatendrang an den Tag – und schoss damit übers Ziel hinaus: „Ich schickte ein Schreiben an jede Schule, dass ich mich vorstellen möchte. Nachdem der Schulpsychologische Dienst über ein Jahr nicht besetzt war, brach eine Welle über uns herein – eine wahre Terminflut.“ Für Schüler, Lehrer und Eltern hatte er immer ein offenen Ohr: Ist mein Kind schon schulreif? Mobbing, Inklusion – das Spektrum ist vielfältig. Für 17  000 Schüler ist der Schulpsychologische Dienst des Kreises zuständig. Seit eineinhalb Jahren bekommt Dawiec Unterstützung von Martina Becker, die eine Drei-Viertel-Stelle hat. Auch für seinen Nachfolger gibt es eine 75 Prozent-Stelle. „Für den Kreis sind 1,5 Stellen vorgesehen.“ Geplant sei, die Stelle zum 1. Mai zu besetzen.

Ein bisschen wehmütig blickt er seinem Ruhestand angesichts der vielen über die Jahre entstandenen Bekanntschaften und Freundschaften entgegen, vor allem aber optimistisch. Dawiec hält sich diesbezüglich an ein chinesisches Sprichwort: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Seine Mühlen für den Wind des Wandels habe er bereits errichtet und geplant, schreibt er in einem Abschiedsschreiben an Schulleiter und Kollegen.

Mit Ehefrau Katrin soll es auf Fernreise nach Bali gehen. „Ein Wunsch ist es, mit einem alten Schulfreund eine Harley-Davidson-Tour durch Kalifornien zu machen.“ Außerdem würde er gerne für zwei Wochen in ein Meditationskloster gehen, mit seiner Tochter zusammen ein Buch über Vater-Tochter-Anekdoten schreiben und mit einen Quadrocopter Landschaften aus der Vogelperspektive filmen.

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