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Pharmaunternehmen in Hohenlockstedt : Vogel-Vitamine beflügeln Firmenumsatz

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für das Hohenlockstedter Unternehmen Dr. Hesse Tierpharma läuft der Onlinehandel mit Ergänzungsfuttermitteln so gut, dass der Betrieb in den kommenden Jahren 1,2 Millionen Euro in den Standort investiert.

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erstellt am 22.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Brieftauben finden über Hunderte Kilometer immer den Weg zurück in den heimischen Schlag. Ihr außergewöhnlicher Orientierungssinn faszinierte Menschen schon vor Jahrtausenden. Allerdings ist der Trend um die Leistungssportler der Lüfte vorbei. Züchter gibt es immer weniger in Deutschland – doch genau dieser Umstand beflügelt den Handel mit Ergänzungsfuttermitteln für Brieftauben des Hohenlockstedter Unternehmens Dr. Hesse Tierpharma. Denn der Export nimmt zu. Die Gesellschafterversammlung hat deshalb nun einen Investitionsplan für die kommenden drei Jahre vorgelegt: 1,2 Millionen werden in den Standort investiert. Neue Maschinen sollen angeschafft werden und neue Büroflächen entstehen, um dem Firmen-Wachstum gerecht zu werden. „Ein klares Bekenntnis zum Standort und unseren Mitarbeitern und ein Anreiz für einen Wohnungswechsel in den ländlichen Raum“, betont Geschäftsführer Alfred Berger, der insbesondere für die Produktentwicklung und das Marketing verantwortlich zeichnet. „Wir können zwar die Vorzüge einer Großstadt nicht bieten, aber dafür attraktive, internationale Kunden und den Charme einer Kleinstadt.“

Dr. Hesse Tierpharma stellt funktionelle Ergänzungsfuttermittel sowie Hygiene- und Pflegeprodukte für Haustiere, Pferde und vor allem Tauben her. „Bei den Tauben liegt unsere große Kompetenz, das können wir richtig gut“, erklärt Berger. Statt das Haupt-Standbein zu wechseln als der Markt in Deutschland wegbrach, richtete das Team den Blick ins Ausland, wo es viele Züchter gibt. „Wir sind dahin gegangen, wo die Taubenzüchter sind: Nach Osteuropa, China und auch die arabischen Länder. Die Kompetenz ist im Ausland sehr gefragt. Gerade bereitet das Unternehmen einen riesigen Stand für eine Messe rund um das Thema Brieftauben vor. „Wir kamen vor ein paar Jahren an den Punkt, eine Entscheidung zu fällen, wo die Reise in den nächsten fünf bis zehn Jahren hingeht“, so Berger.

Mit den neuen Gesellschaftern begann sich Dr. Hesse Tierpharma im Jahr 2013 neu auszurichten und den Export zu forcieren. 14 neue Mitarbeiter wurden in den letzten Jahren eingestellt, 36 Menschen arbeiten derzeit in der Firma, Tendenz steigend. „In den letzten vier Jahren ist unser Umsatz doppelstellig gewachsen“, so Berger. Und prognostiziert, dass die Firma mit den Produkten der drei Marken Röhnfried (Tauben), Speed (für Pferde) und Idaplus (für alle Haustiere) in nächsten 24 Monaten voraussichtlich einen zweistelligen Millionenumsatz erreichen wird.

„Wir füllen mehr als eine Viertelmillion Flaschen pro Jahr ab. Weiterhin Dosen, Eimer, Kanister“, nennt Geschäftsführer Folker Wergin, verantwortlich für Produktion und Logistik, Zahlen. Auf die steigende Nachfrage reagierte die Firma nun mit Investitionen. Im Juli 2018 sollen neue Maschinen in Betrieb genommen werden. „Herzstück der Planung ist eine neue Abfüllanlage, die höchste Qualitätsanforderungen erfüllt und damit langfristig die sorgfältige Produktentwicklung und -herstellung sicherstellt“, so Berger. Investiert wird außerdem in eine neue Etikettierungs- und Pulveranlage – und neue Büroflächen. „Wir wollen für Mitarbeiter attraktiver werden“, betont Berger – auch mit Hinblick auf eine wachsende Belegschaft. Ein holpriger Sandweg zweigt von der Kieler Straße ab und endet am Firmensitz. Hinter großen Lagerhallen steht ein gelbes Gebäude, das seine besten Zeiten hinter sich hat und für die wachsende Zahl an Mitarbeitern nicht mehr genügend Platz bietet. „Wenn es eng wird, arbeitet auch schon mal ein Mitarbeiter mit seinem Laptop in meinem Büro“, erklärt Berger.

Angefangen hatte alles klein und überschaubar mit dem Tierarzt Dr. Kurt Hesse im Jahr 1959. Der Veterinär entwickelte damals gemeinsam mit dem zuvor in der Pharmazie in Süddeutschland tätigen und gebürtigen Hohenlockstedter Hans-Peter Schwarzkopf die Idee, Arzneimittel für Tiere herzustellen. Anfang der 80er Jahre übernahm die Firma die Marke Röhnfried, kurze Zeit später wurde das Sortiment um die Premiummarke Speed für Pferde erweitert. Weil die Anforderungen an die Herstellungsbedingungen für Medikamente immer aufwändiger wurden, sattelte man 2001 am Hohenlockstedter Standort um auf die reine Produktion von Ergänzungsfutter- und Hygienemitteln. Entsprechend aufrüsten wollte man damals nicht. „Arzneimittel lassen wir heute bei dafür qualifizierten Lohnherstellern fertigen. Sie machen etwa 10 Prozent unseres Sortiments aus“, so Berger. Jüngste Marke des Unternehmens ist Idaplus, mit welcher der Bedarf rund um das Haustier im Onlinehandel gedeckt werden soll.

„Dr. Hesse Tierpharma hat damit begonnen, Tiere mittels Medikamenten gesund zu machen. Heute gehen wir einen Schritt weiter. Wir wollen gar nicht erst, dass die Tiere krank werden, sondern setzen auf den präventiven Ansatz. Motto: Immunität und Vitalität aktivieren!“, beschreibt Berger. Aber brauchen Brieftaube, Pferd und Co. denn Ergänzungsfuttermittel? „Wenn es um Leistungssport wie bei Brieftauben geht, ja“, argumentiert Berger. Aber auch für Hunde könne die Zufütterung sinnvoll sein. Wenn man Fleisch füttere, fehle es beispielsweise oft an lebensnotwendigem Fett. Und auch Körnermischungen für Brieftauben würden nicht über die ausreichende Menge an Mineralstoffen verfügen, die Vögel im Leistungssport benötigen. Petra Brockmüller, Social Media-Managerin bei Dr. Hesse Tierpharma ergänzt: „Viele Tierbesitzer wenden Produkte kurmäßig an, beispielsweise wenn ein Wellensittich mausert. Man sollte immer schauen, wo das Tier gerade steht.“

Internet: unter www.drht.de/index.html

Info: „Stadttauben haben nichts mit Brieftauben zu tun“, macht Geschäftsführer Alfred Berger klar. Er ist studierter Biologe und selbst Züchter. Brieftauben würden den Weg zu ihrem Heimatschlag über eine Entfernung von bis zu 1300 Kilometern finden, „Stadttauben schaffen das bis zu einer Distanz von maximal 80 Kilometern“. Die geflügelten Boten sind speziell gezüchtete Tiere. „Züchtet man drei bis vier Generationen aus nicht auf Distanzflügen erprobten Tieren, verliert sich die Fähigkeit“. Das Geheimnis um das Orientierungstalent der Vögel ist übrigens nicht abschließend geklärt. Berger: „Man forscht schon lange daran.“ Experten vermuten, dass sich die Tiere mittels Magnetfeld, Geruch, Stand der Sonne und Infraschall zurechtfinden.

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