Prozess : Viereinhalb Jahre für Burger Kinderschänder

Am Landgericht Itzehoe fiel der Hammer: Der 26-jährige Angeklagte aus Burg wurde in vier Fällen des  schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig befunden.
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Am Landgericht Itzehoe fiel der Hammer: Der 26-jährige Angeklagte aus Burg wurde in vier Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig befunden.

Ein 26-jähriger Angeklagter aus Burg gesteht vier Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern – und erspart seinen Opfern damit die Aussage. Das Urteil: viereinhalb Jahre Haft.

shz.de von
12. November 2013, 17:14 Uhr

Strafverteidiger Ole Baumann sorgte für einen schnellen Prozess. Eigentlich hatte Strafrichter Eberhard Hülsing im Fall des Burger Kinderschänders (26), der sich wegen sexuellen Missbrauchs zweier Kinder in sieben Fällen vor Jugendkammer am Itzehoer Landgericht verantworten muss, die beiden Opfer (12 und 13) und weitere Zeugen hören wollen. Doch der Brunsbütteler Anwalt hatte sich seinen Mandanten noch einmal zur Brust genommen.

Im Gespräch mit Baumann gestand der in der geschlossenen Psychiatrie Neustadt untergebrachte Burger die Taten. Baumann avisierte Hülsing das Geständnis, die Zeugen wurden abbestellt. Gestern bot Baumann einen Deal an: Im Gegenzug für ein Geständnis von vier Taten forderte Baumann die Einstellung der drei vermeintlich minderschweren Fälle.

Kurz begaben sich die Juristen, Schöffen und der Sachverständige ins Hinterzimmer. Anschließend beantragte Staatsanwältin Stephanie Poensgen die Einstellung der drei „leichteren“ Fälle, die Kammer folgte und der Rechtsanwalt gab für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Hülsing hakt bei dem minderbegabten Angeklagten (Intelligenzquotient 67) nach: „Sie wissen worum es geht?“ Der 26-Jährige bestätigt sein Geständnis und fügt hinzu: „Es tut mir auch noch leid.“

Hülsing verlas die Vorverurteilungen von gefährlicher Körperverletzung über Diebstahl, versuchter Brandstiftung bis zu sexuellem Missbrauch von Kindern. Bereits 2006 hatte der Angeklagte seine damals sechsjährige Nichte missbraucht.

Auch im aktuellen Verfahren war sie eines der Opfer. Allein drei Mal missbrauchte der Angeklagte das Mädchen zwischen Dezember 2012 bis Mai 2013. Weiteres Opfer ist ein zwölfjähriger Junge. Tatorte waren drei private Wohnungen in Burg. Hülsing berichtete aus dem Lebenslauf des Angeklagten. Danach fiel er bereits im Kindergarten auf, flog nach Wutausbrüchen aus diversen Einrichtungen. Die Eltern seien früh mit der Erziehung überfordert gewesen.

Das entscheidende Wort im Prozess hatte Leiter der Itzehoer Psychiatrie, Prof. Dr. Arno Deister (55). Der Mediziner fand beim Angeklagten Anhaltspunkte für Schwachsinn wie auch schwere seelische Abartigkeit. Eine Minderung der Schuldfähigkeit attestierte Deister dem Burger gleichwohl nicht.

Die Staatsanwältin beantragte für die vier verbliebenen Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern fünf Jahre Freiheitsstrafe. „Die Nichte ist dem Angeklagten von seiner Mutter in einer grenzenlosen Naivität quasi auf dem Silbertablett serviert worden“, konstatierte Britta Westphäling, Opferanwältin in ihrem Plädoyer. Baumann wies darauf hin, das der Angeklagte durch sein Geständnis den Kindern einen Auftritt vor Gericht erspart habe. Ole Baumann wies daraufhin, dass der Angeklagte und seine Nichte im selben Haushalt in einem Zimmer wohnten. Hülsing nannte das einen „Supergau“. Baumann plädierte auf vier Jahre. Die Kammer verhängte viereinhalb Jahre. Das Gericht folgte Deister in seiner Beurteilung der Schuldfähigkeit. Als Folge wird der Angeklagte aus der Psychiatrie in ein Gefängnis überführt.

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