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Gymnasium ausgezeichnet : Vielfalt statt Rassismus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Auguste-Viktoria-Schule erhält Auszeichnung „Schule gegen Rassismus“. Pate ist Fußballer Otto Addo.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 05:00 Uhr

Wenn er auf dem Fußballfeld Ballkontakt hatte, ertönten Urwaldgeräusche. Stand er an der Außenlinie, wurde er mit Bananen beworfen. Auf dem Heimweg vom Training verfolgten ihn Skinheads. Regelmäßig hörte er Sprüche wie „Neger raus!“. Der ehemalige Fußballprofi Otto Addo weiß, wie sich Diskriminierung anfühlt. Insbesondere in seiner Jugend hat der 38-Jährige, der in Hamburg geboren und aufgewachsen ist, aber ghanaische Wurzeln hat, viele schlechte Erfahrungen gemacht.

Diskriminierende Vorfälle seien damals „ein Stück weit normal“ gewesen, doch in den vergangenen 20 Jahren habe sich in Deutschland viel verändert. „Ich bin froh über diese Entwicklung. Deutschland ist auf einem guten Weg“, sagte Otto Addo gestern. Und dazu trügen Projekte wie das an der Auguste-Viktoria-Schule bei – diese erhielt unter der Patenschaft des Fußballers den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. „Ich finde es toll, dass sich die Schule gegen Rassismus engagiert“, sagte Otto Addo.

Wie alltäglich Diskriminierung ist, hatte Robin Rosenwanger, der das Projekt an der AVS initiiert hat, bei den Vorbereitungen erfahren. Ein Schüler aus der 5. Klasse habe geschildert, was sein Freund erlebt, dessen Eltern aus Afrika stammen. „Das ist nur ein Beispiel, Vorurteile sind stets präsent“, sagte der Abiturient. Entgegenwirken könne man mit Aufklärung und Bildung. Mit Blick auf die Europawahl stellte Robin fest, dass rechtspopulistische Parolen gegen ein vereintes Europa zunehmen. „Es ist unsere Aufgabe, der aufkeimenden Diskriminierung und Intoleranz entgegen zu wirken.“

Zur Projektgruppe um Robin gehören inzwischen 25 Schüler – eine beachtliche Zahl, fand auch Medi Kuhlemann, Landeskoordinatorin des Projekts. Die Veranstaltung, an der sich viele Schüler mit Musik, Gedichten und Sketchen beteiligten, zeige, „dass sich alle unglaublich Gedanken gemacht haben“, sagte sie. Sie höre oft: „Rassismus kommt bei uns nicht vor“. Doch sie glaube nicht, dass es einen Ort ohne Rassismus gibt – schon gar nicht, wenn man nicht nur die Verurteilung wegen der Herkunft meine, sondern Diskriminierung immer sehe, wenn „bestimmte Merkmale abgewertet“ werden. „Dann werden wir ganz schnell fündig, auch bei uns selbst.“

Es werde in Zukunft nicht überprüft, ob die AVS ihrem Titel gerecht werde, sagte Kuhlemann. „Niemand wird es kontrollieren, außer euch selbst.“ Es komme darauf an, hinzusehen und zu hören, offen zu sein, Courage zu beweisen statt wegzuschauen.

Bürgervorsteher Heinz Köhnke sprach der Projektgruppe Hochachtung für den Einsatz aus, mahnte jedoch auch: „Es geht nicht, sich darauf auszuruhen, die Auszeichnung will regelmäßig wieder erarbeitet werden.“

Für Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen ist der Titel ein „weiterer Meilenstein für die AVS“. Er sei als Polizist in Berlin selbst mit Rassismus konfrontiert worden. Oft sei die Polizei nur deshalb nötig, weil Menschen wegschauen und sich nicht einmischen. Man müsse Mut entwickeln – „das fängt im Kopf an“.

Auch Schulleiter Norbert Hartung ist stolz. „Da steckt viel Arbeit drin“, lobte er die Gruppe – und blickte über den Tellerrand der Schule hinaus: Wenn Robin so weitermache, sei er „in der Lage, gesellschaftlich einiges zu bewegen – nicht nur bei uns in der Schule“.

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