Stadt Glückstadt : Viele Millionen Euro für neues Image

Andreas Kiefer  von der Big Städtebau im Gespräch mit Renate Hoppe.
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Andreas Kiefer von der Big Städtebau im Gespräch mit Renate Hoppe.

Der Stadtteil Nord wird zum Projekt „Soziale Stadt“. Bürger sollen mit Ideen für Verbesserungen sorgen

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12. Mai 2015, 08:00 Uhr

Schmucke Einfamilienhäuser, saftiges Grün und eine ruhige Atmosphäre: Glückstadt-Nord. Die Kehrseite: Unansehnliche Blocks, trist wirkende Grünflächen vor Mehrfamilienhäusern, sanierungsbedürftige Gehsteige und so gut wie keine Einkaufsmöglichkeiten.

Glückstadt-Nord hat zwei Seiten. Gutsituierte und wenig begüterte Menschen leben dort zusammen. Nord hat das Problem, dass es ein schlechteres Image hat, als es verdient. Das ist ein Grund, warum die Stadt gemeinsam mit der Big Städtebau aus Kiel aktiv wird. Mehrere Millionen Euro – so der Plan – sollen in den Stadtteil fließen. Zum einen soll er baulich attraktiver werden. Zum anderen sind soziale Probleme ein Thema, bei dem es gilt, Abhilfe zu schaffen. Konkret ist allerdings noch nichts.

Bevor Fördergelder fließen, gibt es sogenannte „Vorbereitende Untersuchungen“. Deshalb wurden jetzt Bürger aus Nord zu einer Informationsveranstaltung in die dortige Gemeinschaftsschule eingeladen. Zahlreiche Bürger waren gekommen. Rund 2500 Erwachsene und Kinder leben in Nord.

Zunächst wurden die Bürger an Stelltafeln zu Wünschen und Anregungen von Mitarbeitern der Big Städtebau befragt. Renate Hoppe lebt seit vielen Jahren in einem Einfamilienhaus in der Danziger Straße. „Wir wohnen sehr schön“, erklärte die Glückstädterin. „Unsere Ecke ist sehr gepflegt. Die Kinder können noch auf der Straße spielen“, sagte sie zur ruhigen Lage. Aber nicht überall sei es gepflegt. Anders als eine Nachbarin fühlt sie sich sicher auf der Straße – auch abends. Renate Hoppe hofft, dass das Projekt „Soziale Stadt“ verwirklicht wird. „Wenn Nord aufgewertet wird, steigen auch die Immobilien-Preise.“

Wie sie haben auch andere Bürger Wünsche geäußert, die auf Zettel an einer Stellwand geschrieben wurden. Einer wünschte sich eine „Eckkneipe“, ein anderer Einkaufsmöglichkeiten. Als Mängel wurden Fassaden von Häuserblöcken in schlechtem Zustand genannt und fehlende Spielplätze.

Was den Bürgern gefällt, wurde ebenfalls festgehalten: Schule, Kindergarten, zwei Kirchengemeinden, Sportplatz und Sporthalle, ein Park und die Diakonie als Treffpunkt.


Große Bürger-Resonanz bei der Info-Verantstaltung


Im zweiten Teil der Veranstaltung stellten Bürgermeister Gerhard Blasberg, Bauamtsleiter Dr. Lüder Busch sowie Christine Ellen und Andreas Kiefer von der Big Städtebau das Projekt vor. „Wir haben bei weitem nicht mit so viel Resonanz gerechnet“, freute sich der Bürgermeister über die hohe Beteiligung. Er berichtete, dass die Stadt mittlerweile Kontakt zu den Vermietern der Wohnblocks aufgenommen habe. Geplant sei mit diesen ein gemeinsamer Austausch. Die Vermieter hätten Unterstützung zugesagt. „Die Bürger sollen jetzt die Ideen liefern“, so Blasberg. Sie werden auch regelmäßig in den Prozess einbezogen. Auch würden einige Politiker in Nord wohnen, die Wert darauf legen, dass alles öffentlich wird.

Bauamtsleiter Lüder Busch betonte, dass es nicht einfach gewesen sei, Fördermittel zu bekommen. „Es ist uns gelungen.“ Gefördert wird das Gebiet zwischen dem Sperforkenweg bis hin zum Janssenweg und auf der anderen Seite vom Neuendeich bis zur Bahnstrecke als Begrenzung.

„Bereits ab Sommer gibt es ein Quartiersmanagement.“ Eine Person werde vor Ort sitzen – angedacht ist der Diakonie-Treff – um stundenweise Anregungen und Bedenken entgegen zu nehmen. „Frühestens in einem Jahr können wir mit den Umsetzungen beginnen“, erklärte Dr. Busch. An die Bürger gerichtet: „Sie können helfen, Lösungen zu finden.

Christine Ellen betonte, dass es bereits viele tolle Anregungen gebe. Sie ist zuständig für die „Bestandsaufnahme“. Was ihr aufgefallen ist: „Die Freizeitangebote in Nord sind mager.“

Die erste Frage aus dem Publikum kam dann von Thomas Fritz: „Was muss ich bezahlen?“ Er war in Folge nicht der einzige, der das wissen wollte. Dr. Busch machte kein Hehl daraus, dass es sein könne, dass Grundstücksbesitzer für die Wertsteigerung ihrer Immobilie einen Ausgleichsbetrag zahlen müssen. Schränkte aber ein, dass dies wahrscheinlich nur in eng begrenzten Flächen der Fall sein werde, die als Sanierungsgebiet ausgewiesen würden. Zudem erklärte der Bauamtsleiter, dass sich das Projekt Nord über viele Jahre hinziehen werde. „Millionen von Euro werden investiert. Wir legen den Plan vor und fragen, was gewollt ist.“

Der langjährige ehemalige Stadtvertreter Karl-Heinz Peffgen und Nord-Einwohner stellte heraus, dass es Zuschüsse geben müsse für die Wohnblocks in der Stolpmünder Straße.

Anwohnerin Brigitte Schaudinn plädierte für Geschäfte, wie es sie früher einst zahlreich in Nord gegeben hat. „Ein Trauerspiel“ nannte sie es, dass alte Menschen dort nicht einmal mehr Brötchen kaufen können. Dafür erhielt sie spontanen Applaus.

Dr. Busch richtete noch einen speziellen Dank an Nisreen Younis, die für arabisch sprechende Gäste der Veranstaltung übersetzte. Sie fragte im Namen eines Anwohners, ob es möglich sei, einen Garten anzulegen.

Dies wird ein spezielles Thema sein, weil viele Vermieter von Blocks ihre Freiflächen nicht von Mietern nutzen lassen. Doch die Stadt hat ein Interesse an „Mietergärten“, wie es Lüder Busch betonte.

Gekommen waren auch zahlreiche Stadtvertreter. Dr. Siegfried Hansen von der Piraten-Partei forderte die Bürger im Namen aller Politiker auf: „Nerven Sie uns. Wir sind für Sie da.“

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