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Norddeutsche Rundschau

22. August 2017 | 15:28 Uhr

wahlkampf : Viele Fragen, wenig Diskussion

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Auf einem Podium der Volkshochschule saßen sechs Steinburger Direktkandidaten für den Bundestag. Sie beantworteten vor allem die Fragen der Schüler des Detlefsengymnasiums. Diskutiert wurde wenig.

Der Euro muss bleiben, mehr Überwachung soll es nicht geben und die Verschuldung muss weniger werden. Bei den großen politischen Themen zeigten sich sechs Steinburger Bundestagskandidaten bei einer Podiumsveranstaltung der Volkshochschule im Detlefsengymnasium einig. Dabei bekannten sich die meisten klar zu den Grundfesten ihrer jeweiligen Partei: Die Grüne Eka von Kalben stieg mit dem Thema Energiewende in ihre Rede ein, der Pirat Dr. Patrick Breyer sprach über Vorratsdatenspeicherung, das FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki forderte Wohlstand für alle und der Linke Marcel Mansouri machte sich für die Hartz-IV-Empfänger stark.

Die Vertreter der beiden großen Parteien versuchten mit ihren persönlichen Profilen zu überzeugen. Die Energiewende sei für ihn das Thema des Wahlkreises, sagte Mark Helfrich von der CDU, „weil die Stromwirtschaft zukünftig in Norddeutschland stattfindet“. Für die Schaffung der entsprechenden Infrastruktur wolle er sich einsetzen. Der gebürtige Itzehoer stellte häufig Bezüge zur Region her, wenn er etwa die Unterfinanzierung des Klinikums Itzehoe oder die Probleme der Schulen in der Kreisstadt ansprach.

Die Itzehoer Sozialdemokratin Dr. Karin Thissen stellte sich als Mutter von vier Kindern vor. Aus diesem persönlichen Hintergrund sind ihr Familienthemen wie Gleichstellung und Erziehung ein Anliegen. „Wenn andere Frauen mitbekommen, wie Mütter am Arbeitsplatz schikaniert werden, dann macht das nicht gerade Lust, selber Kinder zu bekommen.“ Als Tierärztin will sie außerdem für eine bessere Gesundheitsvorsorge im ländlichen Raum kämpfen.

Eine Diskussion zwischen den Bewerbern kam nicht wirklich zu Stande. Vielmehr arbeitete Moderator Kay Mordhorst systematisch einen Fragenkatalog ab, den Schüler des Detlefsengymnasiums im Unterricht vorbereitet hatten. Diese waren zahlreich als Zuhörer erschienen.

Bei den Jugendlichen punktete Mansouri von der Linken. Jedenfalls spendeten die Schüler dem Kieler Politik-Studenten heftigen Beifall, als er sich für die Legalisierung des Eigenanbaus von Marihuana aussprach. Beim übrigen Publikum sorgten seine Vorschläge wie eine Herabsetzung des Rentenalters für Erheiterung, genauso wie seine Sticheleien gegen seinen Sitznachbarn Kubicki. Gegen dessen Politik habe er schon als 17-Jähriger protestiert.

Der Liberale ging kaum darauf ein. „Meine Kernaufgabe ist, die Einflussnahme von Staaten zu reduzieren“, formulierte er seine Position. Das gelte in der Wirtschaft ebenso wie beim Datenschutz.

Wenig zu Wort kam der Pirat Dr. Patrick Breyer, ebenso die Grüne Eka von Kalben. Für sie kam der große Auftritt dann aber noch kurz vor Schluss der Veranstaltung, als eine Frage zum Bau der A 20 gestellt wurde. Auch wenn das Thema auf die Agenda der Landespolitik gehört: Zwischenrufe aus dem Publikum zeigten, dass bei der Infrastruktur die Herzen der Region schlagen. Und so erhitzten sich dann ausnahmsweise auch die Gemüter der Kandidaten auf dem Podium: In lautem Tonfall griff Kubicki von Kalben an: „Sie haben behauptet, die A 20 sei ein Monstrum.“ Die Grüne beteuerte jedoch, dass sie keinesfalls gegen den Bau der Autobahn sei. Die Planungen der Landesregierung liefen weiter. „Wenn wir es schaffen, in dieser Regierungsperiode bis zur A 7 zu bauen, dann haben wir schon mehr erreicht, als die Vorgängerregierung.“

Einig waren sich die Politiker wieder, dass sie etwas gegen Politikverdrossenheit unternehmen müssen. „Parteien in der Öffentlichkeit mehr Raum geben“ und „Mehr miteinander ringen“, forderte Mark Helfrich. Und Dr. Karin Thissen meinte: „Wir Politiker müssen mehr das Gespräch mit den Menschen suchen.“

 

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erstellt am 28.Aug.2013 | 18:30 Uhr

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