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Einwohnerversammlung zu Flüchtlingen : Viele Fragen in Kellinghusen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Liliencron-Kaserne ist laut Innenminister Stefan Studt eine „Vorzeigeeinrichtung“.

von
erstellt am 17.Dez.2015 | 13:20 Uhr

Vor rund drei Monaten kamen die ersten Flüchtlinge in die Störstadt. Über Nacht waren die Kasernenblöcke damals als Unterkunft hergerichtet worden. Als „Vorzeigeeinrichtung“ bezeichnete Innenminister Stefan Studt die Unterkunft jetzt im Rahmen der Informationsveranstaltung in der Wiesengrundhalle (wir berichteten). Mittlerweile gibt es dort eine gut funktionierende Kita, einen Jugend- und Erwachsenentreff, Sprachunterricht sowie in Kooperation mit der Flüchtlingshilfe des Amtes „Fakir“ einen Integrationskurs.

Im Camp läuft es derzeit offenbar rund – parallel dazu bestehen außerhalb Ängste und Sorgen. Wie wirkt sich der Zuzug auf Krippen, Kitas und Schulen aus, wie steht es mit Krankheiten und Kriminalität, wann wird das Camp wieder aufgelöst? Ein Vielzahl von Fragen, auf die das hochkarätig besetzte Podium nicht immer konkrete Antworten geben konnten. Niemand vermochte beispielsweise zu sagen, wie viele Kriegsflüchtlinge zukünftig kommen werden. Fremde Gesichter, andere Sprachen und kulturelle Unterschiede verunsichern auch nach Monaten Teile der Bevölkerung und lassen die Gerüchteküche brodeln. Am Beispiel Kriminalität erklärte Gero Gloy, Leiter der Polizeistation in der Landesunterkunft, dass sich bei näherem Hinsehen häufig alles schnell aufdrösele. Statistische Zahlen einer beliebigen Dezemberwoche wiesen sieben Fälle mit Flüchtlingsrelevanz auf, erklärte der Kollege Henning Wendt, Leiter der Polizeistation Kellinghusen. „Das ist weiß Gott nicht viel.“ Campleiter Andreas Moll (DRK) wiederholte seine Aussage: „Im Camp vor Ort geht es familiär zu.“ Mit Unterstützung der Flüchtlinge und durch die Arbeit der mittlerweile 54 hauptamtlichen DRK- Mitarbeiter laufe „sehr viel“. Neben der bereits eingerichteten Fahrradwerkstatt, wo es demnächst auch Verkehrsunterricht geben soll, befänden sich ein Stillhaus und ein Frauencafé im Aufbau. „Wir haben keine Geheimnisse“, lud Moll Bürger zum Besuch ein.

„Offen auf die Menschen zuzugehen“, riet auch die Dagmar Salomon, ehrenamtliche Flüchtlingsbeauftragte im Amt, den Bürgern. Mit einer Gruppe von Ehrenamtlichen heißt „Fakir“ Flüchtlinge willkommen, die dem Amtsbereich zugewiesen wurden. Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen biete einmal im Monat ein Frühstück in der Kirchengemeinde Stellau, neuerdings auch in Hohenlockstedt, so Salomon.

Auf die Kritik eines Vaters an fehlenden Krippenplätzen ging Bürgermeister Axel Pietsch ein: Das Thema sei im Sozialausschuss. „Da müssen wir mit dem Träger einen Weg finden.“ Bürgervorsteher Malte Wicke erklärte, die Ulmenhofschule werde von der Gemeinschaftsschule genutzt, weil die Schülerzahlen erfreulich angestiegen seien. DaZ-Zentren (Deutsch als Zweitsprache) in Grund- und Gemeinschaftsschule gewährleisteten überdies eine harmonische Überleitung in den Regelunterricht. Entwarnung gab Chefarzt Michael Kappus hinsichtlich schwerwiegender Krankheiten. „Überwiegend Erkältungen“, konstatierte er. Im Krankheitsfall würden die Menschen vor Ort versorgt, das Krankenhaus in Itzehoe sei voll und ganz funktionstüchtig. Keine konkrete Antwort erhielt ein Bürger auf die Frage nach einer Obergrenze der Flüchtlingszahlen. Das Ziel sei 1000 Menschen, es werde aber eine Reserve von bis zu 2000 Plätzen vor Ort frei gehalten, so Studt. Mit auf den Weg nahm der Innenminister die Frage nach eigenen finanziellen Zuweisungen für die Stadt, etwa als Position eines Streetworkers. Oder in Form von dauerhaft veränderten Schlüsselzuweisungen, wie der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Rickers (CDU) anregte.

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