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Norddeutsche Rundschau

13. Dezember 2017 | 14:34 Uhr

Glückstadt : „Viel mehr miteinander feiern“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Leserbriefe entfachen Diskussion um türkisches Kinderfest. Wogen geglättet: Streithähne werben nun gemeinsam für die Veranstaltung.

Ein Leserbrief des ehemaligen Glückstädter Wirtschaftsförderers Klaus Bornemann vom 10. Mai schlug hohe Wellen. Inhaltlich ging es um „Segregation unter dem Deckmantel der Integration“ am Beispiel des „türkischen Kinderfestes“ in Glückstadt. „Die jährlich wiederkehrende Pflege eines romantisch verklärten Bildes von der Türkei ist das gelebte Gegenteil von Integration“, schrieb Bornemann. Und: „Was wird denn den Kindern auf solchen Veranstaltungen unterschwellig beigebracht? Nichts anderes als: Ihr seid keine Deutschen und ihr sollt auch immer Türken bleiben.“

Zwei Tage später folgte ein Leserbrief von Siegfried Hansen. Die Antwort des Fraktionschefs der Piraten-Partei fiel ebenso unmissverständlich aus. Hansen warf Bornemann „alternative Wahrheiten gepaart mit einem Hauch unterschwelligem Rassismus“ vor. Und das „türkische Kinderfest“ sei gar keines, sondern ein „internationales Kinderfest“.

Gleichzeitig sprach Hansen den Wunsch aus, mit Bornemann „gemeinsam für das Kinderfest im nächsten Jahr zu werben“. Eine Einladung zum Gespräch, die Bornemann gern annahm. Auf seine Initiative hin trafen sich die beiden in der Redaktion der Glückstädter Fortuna. Auf Einladung Hansens mit dabei war Yildiz Hasanoglu, die Leiterin des türkischen Elternvereins und Organisatorin des Kinderfestes. Einig waren sich Hansen und Bornemann, dass ein persönliches Gespräch besser sei als eine Auseinandersetzung mittels Leserbriefen. Beide warfen sich verbale Ausrutscher vor, wollen sich aber gemeinsam für das nächste Kinderfest engagieren. Wobei Klaus Bornemanns Skepsis spürbar blieb. Sein Bild von den Türken entspreche jenem, „das ich hier seit 13, 14 Jahren sehe“. Siegfried Hansen warf er vor, ein „Wunschbild“ zu vertreten. Hasanoglu betonte, dass ihr Kinderfest weder religiös noch politisch motiviert sei. Leider hätten im Jahr 2017 auch aufgrund eines schwierigen Termins weniger deutsche Kinder als in den Vorjahren teilgenommen. Zukünftig wolle man gern verstärkt mit dem neu gegründeten Forum der Vielfalt zusammenarbeiten. Weiteren Unterstützern des Festes stehe man ebenfalls offen gegenüber.

Auch Hansen sprach sich für eine engere Vernetzung aus. Generell müsse man wegkommen vom Trennenden. Schließlich hätten schon 30 Prozent aller Glückstädter einen Migrationshintergrund. Bornemann bemängelte, dass Kontakte zwischen Deutschen und Türken oft dann schwierig würden, wenn es um tiefere Gespräche ginge. Dann zögen sich die Türken oft zurück. „Das kann ich nicht bestätigen“, betonte Hansen. Generell müsse man sich auf gemeinsame Werte einigen, insbesondere aufs Grundgesetz, das ohnehin für alle gelte. Bornemann forderte gegenseitigen Respekt ein, ebenso wie Hasanoglu, die es oft erlebe, wie ablehnend Deutsche den Türken gegenüber stünden.

In Einzelgesprächen und in kleinen Gruppen funktioniere das Miteinander sehr gut, erklärte Bornemann, der sich politisch in der FDP engagiert. Je größer eine Gruppe werde, desto schwieriger gestalte es sich. „Wir müssen viel mehr miteinander feiern“, forderte Hansen. Ein Wunsch, dem auch Bornemann beipflichtete. Das von Yildiz Hasanoglu ausgerichtete Kinderfest wollen beide nun genau dafür nutzen.

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