Flüchtlinge : Viel Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge

Dass so viele engagierte Bürger kommen würden, damit hatten die Organisatorinnen der Info-Veranstaltung nicht gerechnet.
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Dass so viele engagierte Bürger kommen würden, damit hatten die Organisatorinnen der Info-Veranstaltung nicht gerechnet.

Stadt lädt Bürger zur Info-Veranstaltung ein und viele sind gekommen. Jetzt werden Arbeitsgruppen gebildet.

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23. Januar 2015, 05:00 Uhr

Lampen aufhängen, Salz und Zucker einkaufen, die Sprache lehren: Die Bandbreite der Hilfe für Flüchtlinge ist groß. Und viele Bürger wollen helfen. Rund 80 Männer und Frauen jeden Alters waren ins Rathaus zur Informationsveranstaltung der Stadt gekommen und zeigten Bereitschaft, beim Projekt „Willkommens-Team“ mitzumachen.

Bevor sie mit ihrer aktiven Hilfe starten können, sollen sie am 27. Januar in der Elbschule eine Schulung bei einem Referenten der Flüchtlingshilfe machen. Zudem werden Arbeitsgruppen mit verschiedenen Schwerpunkten gebildet. Diese werden von der Integrationsbeauftragten Katharina Schmidt koordiniert. Die begleitet die Helfenden auch in ihrer Arbeit. „Ich bin überwältigt, wie viele gekommen sind“, sagte Katharina Schmidt angesichts des vollen Ratssaals.

Was die Anwesenden berührte, waren die Ausführungen von Rathaus-Mitarbeiterin Sabine Budde über die Situation der Flüchtlinge. „Sie kommen mit drei Kindern an der Hand und einer Plastiktüte“, schilderte sie. Aber auch: „Sie können nur bei akuten Schmerzen zum Arzt gehen.“ Und vor einem Arztbesuch müssen sie sich einen Kostenübernahmeschein im Rathaus abholen. Der Hausarzt kann den Patient nicht weiter überweisen – ob jemand zum Facharzt gehen darf, entscheidet auch die Behörde. Ein Problem, dass inzwischen alle betroffenen Behörden haben: „Viele gehen direkt in die Notaufnahme des Krankenhauses.“ Woran dies liege, soll jetzt geklärt werden – mit Hilfe von Dolmetschern.

Denn mit sprachlichen Problemen kämpfen alle. Dolmetscher werden nur in besonderen Ausnahmefällen bezahlt, erklärte Sabine Budde . Deshalb sind die zuständigen Rathaus-Mitarbeiterinnen – zu ihnen gehören auch Fachbereichsleiterin Angelika Tesch und Meike Riemann – sehr froh, dass es ehrenamtliche Dolmetscher gibt.

Sabine Budde stellte auch klar, dass vieles nicht in die Zuständigkeit des Rathauses falle. Im Prinzip schilderte sie, dass Asylsuchende kurz nach der Ankunft sich selbst überlassen sind. Deshalb begrüßte sie sehr, wenn sich Bürger um die Flüchtlinge kümmern könnten. Nicht immer sind es nur Neuankömmlinge. In Glückstadt lebt eine Familie seit 15 Jahren mit dem Status der Duldung. „Sie bekommen keinen Sprachkurs finanziert“, erklärte Sabine Budde zu den gesetzlichen Vorgaben. Zum Thema Sprachprobleme äußerte sich Horst Pottrick aus dem Publikum: „Es scheint mir das Wichtigste zu sein Sprachkurse zu geben.“

Dies griff Katharina Schmidt auf. Wer als Asylbewerber bereits anerkannt ist, muss für einen Kurs einen Euro pro Stunde bezahlen. Aufgrund des wenigen Geldes, was die Menschen bekommen, könnten sie den Kurs mangels Geld nicht besuchen. Für diejenigen, die nicht anerkannt sind, gibt es bereits einige ehrenamtliche Projekte. Die drei Service-Clubs aus Glückstadt sponsern Kurse, die Diakonie-Nord hat ein Angebot und die Stadtvertreterin Christine Berg bietet Unterricht an. Im Publikum zeigte sich, dass eine ganze Reihe Bürger sich engagieren wollen. Eine ältere Dame betreut bereits Kinder einer Familie in Krempe als Lesepatin.

Sabine Budde betonte aus ihren Gesprächen mit den Asylbewerbern: „Sie wollen alle einen Sprachkurs machen. Sie wollen auch arbeiten.“ Die Sprache beibringen sei das eine. Das andere seien ganz praktische Dinge. „Wir brauchen jemanden, der Lampen anbringt oder Löcher bohrt, um ein Regal anzubringen“, erklärte Sabine Budde. Denn dafür müsste die Stadt Firmen beauftragen und diese seien manchmal nicht flexibel genug, weil sie andere Aufträge hätten.

Nur zehn Tage vorher bekommt die Stadt Bescheid, wenn neue Flüchtlinge in Glückstadt ankommen. In dieser Zeit muss eine Wohnung angemietet und eventuell renoviert werden. Zudem muss eine Standardeinrichtung besorgt werden, wobei das Sozialkaufhaus mit Einrichtungsgegenständen hilft. Trotzdem gibt es Dinge, die es im Sozialkaufhaus nicht gibt. Dazu zählen Grundnahrungsmittel wie Salz, Zucker und Mehl. Diese müssten die Flüchtlinge selbst kaufen. Budde. „Sie können aber nicht Deutsch lesen und wissen nicht, was in den Verpackungen drin ist.“ Deshalb sei es gut, wenn Bürger vorher einkaufen oder als Begleitung beim Einkaufen mitgehen.

Die vielen Felder der Hilfe sollen jetzt bei den nächsten Treffen besprochen werden.

>Wer noch mitmachen möchte, kann sich bei Katharina Schmidt unter 04124/930-530, oder k.schmidt@glueckstadt.de melden.

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