Viel Gekreische um Kartoffelsalat

Kinostars hautnah erleben: Otto Waalkes signiert Mützen, Karten und was ihm sonst in die Hände fällt.
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Kinostars hautnah erleben: Otto Waalkes signiert Mützen, Karten und was ihm sonst in die Hände fällt.

Weltpremiere auf dem Heider Marktplatz mit 2000 jugendlichen Fans läuft ohne Zwischenfälle ab / Film kritisiert das Schulsystem

shz.de von
20. Juli 2015, 15:16 Uhr

Ein Kinofilm feiert Weltpremiere in Heide und rund 2000 Jugendliche feiern mit: Eng aneinander gedrängt, auf Zehenspitzen und das Handy hoch in die Luft gestreckt, drängeln sich die Fans am Absperrzaun. Einige halten Autogrammkarten parat. Jemand lässt sich sein Skateboard mit Unterschriften verschönern. Plötzlich geht das Gekreische richtig los. „Melina, hier“, rufen die Teenies am Zaun. Prominente wie Otto Waalkes, Andreas Bahlo aus „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ oder Komiker Martin Rudolf Schneider interessieren die Jugendlichen weniger. Sie wollen ganz dicht an Melina und Co heran.

Die 19-Jährige aus Nordrhein-Westfalen ist eines ihrer Idole. Sie ist eine von ihnen. Realschülerin. Auf der Videoplattform Youtube gibt sie Alltagstipps – ohne dass sich dabei alles um die Schönheit dreht. „Sie ist nicht eingebildet“, erklärt Judith, was ihr an Melina so gefällt, die im Kinofilm mitspielt und zeigt auf einen Pizzakarton. „Für Melina, wir haben dich lieb“. Ein Gruß, den sie und ihre Freundinnen dem Internetstar unbedingt mitgeben wollen.

Nach Polizeischätzung sind gestern gut 2000 Personen auf dem Heider Marktplatz zusammen gekommen. Die Organisatoren schätzen auf 5000 Gäste. Sie feierten die Stars zur Weltpremiere von „Kartoffelsalat“, einen Kinofilm mit Freshtorge (Torge Oelrich) und Otto Waalkes, der in Wesselburen spielt und von Dithmarschern in Dithmarschen gedreht worden ist. 1500 Fans haben den Film vor dem offiziellen Start am 23. Juli im Kino Lichtblick angeschaut.

Das Technische Hilfswerk Heide sperrte an der Marktwestseite, die Straße ab, damit die Promis sicher zum roten Teppich gelangen. Zu Ausschreitungen ist es nicht gekommen. „Sie sind alle friedlich und wollen nur zu ihren Stars“, sagt Markus Drewes vom THW-Heide.

Um aufgedrehte Jugendliche geht es auch in dem Film, in dem Schüler der Friedrich-Hebbel-Schule Wesselburen zu Zombies mutieren.

Schrill, laut und zum Schreien komisch, auch ein bisschen „bekloppt“, wie Freshtorge selbst sagt, ist die Handlung, hinter der auch die eine oder andere Botschaft steckt: „Du hast mir gezeigt, dass es wichtig ist, sich so zu geben wie man ist“, erklärt der coolste Junge der Schule (Helmut, gespielt von Joshua Weißleder) am Ende. Auch an Lehrer richtet sich der Film unter der Regie von Michael David Pate und Filmproduzent Hauke Schlichting, von Take25pictures aus Lunden. „Schule müsste gerade im weiterführenden Bereich mehr auf Interessen der Jugendlichen eingehen“, sagt Torge Oelrich, der selbst an einer Grundschule arbeitet. Er wünscht sich mehr Sozial- und Medienkunde.

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