Rückkehr des Wolfs : Viel Frust bei Tierhaltern

Am Wolf scheiden sich die Geister: Nutztierhalter sehen durch ihn die Weidehaltung  gefährdet.
Am Wolf scheiden sich die Geister: Nutztierhalter sehen durch ihn die Weidehaltung gefährdet.

Schäfer und Landwirte äußern auf einer Veranstaltung der Steinburger CDU teilweise scharfe Kritik am Wolfsmanagement in Schleswig-Holstein.

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15. August 2018, 10:00 Uhr

Als Wolf hätte man sich am Montagabend besser nicht in die Gastwirtschaft der Familie Pahl in Dägeling gewagt. Die Kreis-CDU hatte nach dem ersten bestätigten Wolfsriss im Kreis zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und gekommen waren vor allem Nutzviehhalter, die sich Sorgen über die Rückkehr der Raubtiere machen.

Auch Wolfgang Springborn, Wolfsbetreuer beim Landesjagdverband, hatte keinen leichten Stand auf der Veranstaltung, denn ihm schlug der Frust der Tierhalter entgegen, die sich von Politik und Gesellschaft mit ihren Problemen allein gelassen fühlen. Springborn bemühte sich um eine sachliche Darstellung des Status Quo und erklärte, dass sich bisher in Schleswig-Holstein noch kein Wolfsrudel fest etabliert habe. Das Land werde aber von Jungtieren, die von ihren Eltern aus angestammten Revieren verdrängt werden, durchzogen.

In jüngster Zeit seien mehrere 2017 in Dänemark geborene Wölfe in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden, so Springborn. Eines der Tiere ist laut Genanalyse auch für den Tod eines Schafes auf dem Deich bei Kollmar am 29. Juni verantwortlich (wir berichteten). Rund zwei Monate bewegte sich der junge Wolfsrüde nachweislich im Land. Wann und wohin die Tiere weiterziehen, sei nicht vorhersehbar, sagte Springborn. Bis zu 1000 Kilometer wandern Wölfe auf der Suche nach geeigneten Revieren und Partnern.

Genau diese Unberechenbarkeit macht den Tierhaltern zu schaffen, wurde in der Diskussion deutlich. Insbesondere die Schäfer erwarten eine wachsende Zahl von Wölfen in den kommenden Jahren und sehen sich trotz Entschädigungen vom Land in ihrer Existenz bedroht. Denn zu oft werden Wolfsrisse ihrer Meinung nach bei den behördlichen Analysen Hunden zugeordnet. Die Frage von Hybriden, von Wölfen mit Hunde-Genen, werde nicht transparent thematisiert, kritisierte beispielsweise Schäfer Simon Stajohann, der Halter des toten Schafes in Kollmar. Zudem deckt die Entschädigung, so der Tenor der Schäfer, keineswegs die tatsächlichen Kosten.

Und noch eine Kritik schlug Springborn, Gastgeber Heiner Rickers und dessen CDU-Fraktionskollegen im Kieler Landtag Hauke Göttsch entgegen: Die bisherigen Empfehlungen des Landes an die Tierhalter seien fern jeder Realität.

So rechnete eine Schäferin vor, dass sie 40 Herdenschutzhunde benötigten würde, um ihre Schafe an verschiedenen Deichen wirksam zu schützen. Dies sei nicht nur finanziell und vom Arbeitsaufwand her nicht zu leisten, es sei auch viel zu gefährlich: Herdenschutzhunde verteidigen ihre Schafe gegen jede potentielle Bedrohung und unterscheiden nicht zwischen einem Wolf und einem Kind, das am Deich einen Drachen steigen lassen möchte. Ähnlich sehe es bei Zäunen aus, die im Küstenschutzbereich aufgrund von Auflagen nicht „wolfsicher“ gestaltet werden könnten – unabhängig von der Frage der Finanzierung.

Zur Sprache kamen auch weitere offene Fragen rund um den Wolf als Bewohner von Kulturlandschaften, wie mögliche Gefahren für den Menschen, durch Tiere, die ihre natürliche Scheu verlieren, Nutztiere in den Straßenverkehr treiben oder die Tollwut einschleppen könnten. Als Lösung, so der Tenor, komme nur die „Vergrämung“, das dauerhaftes Vertreiben, von Wölfen aus Regionen mit Weidevieh-Haltung in Frage – wenn nötig durch Abschuss einzelner Tiere.

Das ist nach der aktuellen Rechtslage nicht möglich. Rickers und Göttsch versprachen aber, die Sorgen der Anwesenden mit nach Kiel zu nehmen und politisch Lösungen zu suchen. „Auch die Entnahme auffälliger Wölfe darf kein Tabu sein“, so Göttsch. Es brauche aber zunächst klare Definitionen für die Gesetzgebung. „Wir alle wollen aus Gründen des Tierschutzes, dass unsere Nutztiere auf der Weide stehen und die Sonne sehen“ sagte Rickers. Diese Haltungsform müsse auch in Zukunft möglich sein. Es wird vermutlich nicht die letzte Versammlung zu diesem Thema gewesen sein.

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