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Vicki Vomit rockt die Bühne auch vor spärlichem Publikum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

von
erstellt am 07.Mai.2017 | 17:11 Uhr

Comedy macht er wahrlich nicht. Insofern reicht der modische Begriff für Vicki Vomits altmeisterlich rockige Bühnenkunst nicht aus. Als Liedermacher und Kabarettist verteilte er im Kulturhaus Wilster ordentlich Seitenhiebe auf Gesellschaft und Politik, auf Ost und West und die Doppelmoral.

So schrecken die „Pegidioten“ und die „Demotouristen“ leider die echten Touristen ab. „Die, die zu Hause keinen Ausländer haben, kommen in die Stadt, um dort einen zu hassen.“ Aber auch wir „sind gegen Assads Giftgasmorde und wollen, dass die Flüchtlinge lieber im Mittelmeer ersaufen“.

Zum schwarzen Humor passt Vomits schwarzer Anzug, mit dem er bei den Soloprogrammen auftritt – im Unterschied zur Metallerkluft, wenn er mit seiner Band unterwegs ist. So kennt er auch Wacken schon von eigenen Auftritten beim WOA, kommt aber mit Wilster erstmals über die einschlägigen Hamburger Kleinkunstbühnen hinaus.

Der Thüringer hat als Vicki Vomit mittlerweile das 25-jährige Bühnenjubiläum hinter sich und bekennt sich auch zur fortschreitenden persönlichen Veränderung: „Alter, das hast du schon mal vergessen!“ Aber: „Ein Selbstständiger geht nie zum Arzt. Denn wenn er krankgeschrieben wird, glaubt er es selbst nicht.“ Um die Gesundheit macht sich Vomit allerdings keine Sorgen, schließlich ist er Teil-Vegetarier, der „nicht alle Fleischsorten“ isst. Und seine Bildungsvoraussetzungen sind auch bestens, da er in Erfurt die „Schule für verhaltensauffällige Lehrkräfte“ besuchte.

Mit der Gitarre schlug Vomit im zweiten Teil des Programms auch nostalgische Töne an. Fast 20 CDs und DVDs sind mittlerweile von ihm erschienen, und treue Fans im Publikum wünschten sich die ersten Titel, mit denen er bekannt wurde. Auf „Omas Leiche“ folgte „Das Lied von der kleinen Meerjungfrau“, die „untenrum leider etwas nach Makrele“ roch und Schuppen hatte.

Ob Vomit als genremäßiger Grenzgänger das Publikum abschreckte, so dass sich an den zwei Abenden nur die vorderen Reihen füllten? Schwer zu ermessen, da bislang Comedy die Besucher immer in Scharen ins Kulturhaus zog. Auf jeden Fall erlebten die Fans der Kultur, die sich auch gern auf Neues einlassen, auf der Bühne einen Profi, der die leeren Stühle einfach wegspielte. Die Erfahrung, wohin ihn eine größere Resonanz künstlerisch treiben könnte, würde man aber gern noch machen. Wilster sollte ihn erneut einladen und mit den regionalen Wacken-Fans auch mal Wacken Paroli bieten.

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